Neues von der Ybbstalbahn

  • Da ist der 8-h-Arbeitstag schon mehr oder weniger voll.

    Ja, OK... Ich seh schon, ich halt mich aus dieser Diskussion lieber raus. Als Selbständiger kann ich über Acht-Stunden-Tage nur schmunzeln. Ich hab schon Events organisiert, die ein Wochenende gedauert haben. Da bin ich am Samstag um vier Uhr früh aufgestanden und am Montag um sechs Uhr früh ins Bett gekommen, mit vielleicht vier oder fünf Stunden Schlaf dazwischen. Der Ötscherland-Express ist ein touristisches Angebot; wenn man da versucht, Fahrpläne nach Acht-Stunden-Tagen zu konstruieren, kommt eben sowas raus.

  • Mein NovaRock sah auch nicht viel anders aus und das als Unselbstständiger (nein, ich hab mir nicht die Birn weggesoffen).

    In NÖ halte ich, 1 Jahr vor der Wahl, alles für möglich. (siehe Strecke Mistelbach - Hohenau)

  • Was beim neuen Ötscherlandexpress-fahrplan dazukommt : nachdem lt. ÖGLB-Schefe sowieso alle mit dem Auto kommen, stehen diese in Kienberg-Gaming. Rückfahrt also zumindest ab Lunz mit der Mostviertellinie, wenn man nur einen Halbtagesausflug machen will, funktionieren tut's, ich habe Scotty befragt.
    .

    Retour mags vielleicht gehen, aber die Hinfahrt ist ein Krampf...
    Man kommt auch am Wochenende per Bus nach Göstling, hat aber dort 40 Min. Aufenthalt, um dann mit dem Mostviertelbus ins Mendlingtal fahren zu können.
    Ab Juli fährt ja auch der Zug nach Göstling, der Mostviertelbus fährt aber 7 Minuten vorher von dort ab...

    Wegen der Rückfahrt habe ich dann nicht mehr geschaut...
    Immerhin stehen die Busfahrpläne als pdf auf der Webseite von Göstling.


  • Ja, OK... Ich seh schon, ich halt mich aus dieser Diskussion lieber raus. Als Selbständiger kann ich über Acht-Stunden-Tage nur schmunzeln. Ich hab schon Events organisiert, die ein Wochenende gedauert haben. Da bin ich am Samstag um vier Uhr früh aufgestanden und am Montag um sechs Uhr früh ins Bett gekommen, mit vielleicht vier oder fünf Stunden Schlaf dazwischen. Der Ötscherland-Express ist ein touristisches Angebot; wenn man da versucht, Fahrpläne nach Acht-Stunden-Tagen zu konstruieren, kommt eben sowas raus.


    Sei mir bitte nicht bös', aber Vereinsaktivitäten bedeuten im Normalfall, daß da Idealisten freiwillig und ohne Bezahlung etwas mehr oder weniger Sinnvolles tun (quasi "arbeiten") und dabei auch noch Spaß haben (sollten).

    Da jetzt mit einer Diskussion über Achtstundentag oder nicht zu kommen, und das dann mit dem (zugegebenermaßen auch) harten Leben eines Selbständigen zu vergleichen, mutet an wie die sattsam bekannten Äpfel-Birnenvergleiche.

    Schwieriger sieht's natürlich aus, wenn eine juristische Person nicht als Verein, sondern als Unternehmen organisiert ist, und die arbeitszeitlichen und -rechtlichen Regelungen hinsichtlich der Beschäftigung dadurch umgeht, daß sie halt aus einem parallel dazu agierenden Verein Mitarbeiter zum Nulltarif "ausbeutet" (Mir ist bewußt, daß es hier eine große und unübersichtliche Grauzone gibt!)

  • Sei mir bitte nicht bös', aber Vereinsaktivitäten bedeuten im Normalfall, daß da Idealisten freiwillig und ohne Bezahlung etwas mehr oder weniger Sinnvolles tun (quasi "arbeiten") und dabei auch noch Spaß haben (sollten).

    Aber nein, ich bin niemandem bös, der seine eigene Meinung vertritt. Aber es ist eben schwer, mit Freiwilligen professionelle Qualität zu erreichen. Darum nehmen sich auch Vereine überall dort, wo es um entsprechendes Auftreten geht, Subunternehmer, wie z.B. "Flieger-Catering" auf der "Schönbrunn".

    Für mich riecht das Ganze trotzdem sehr nach der Einstellung, mit der besagte Freiwillige zwar stundenlang die Messingarmaturen "ihrer" Lok polieren, ihnen aber völlig egal ist, ob die Fahrgäste in speckigen Waggons sitzen. Mal ehrlich: Wäre es nicht am schönsten, das Geld vom Land NÖ reingeschoben zu kriegen, damit Eisenbahn spielen zu dürfen und sich nicht mit lästigen Beförderungsfällen herumschlagen zu müssen?

    Übrigens: Die Wochenendveranstaltungen hab ich für einen Theaterverein organisiert, freiwillig... - mit meinem Job hatte das nichts zu tun.

  • Aber nein, ich bin niemandem bös, der seine eigene Meinung vertritt. Aber es ist eben schwer, mit Freiwilligen professionelle Qualität zu erreichen. [...]
    Für mich riecht das Ganze trotzdem sehr nach der Einstellung, mit der besagte Freiwillige zwar stundenlang die Messingarmaturen "ihrer" Lok polieren, ihnen aber völlig egal ist, ob die Fahrgäste in speckigen Waggons sitzen. Mal ehrlich: Wäre es nicht am schönsten, das Geld vom Land NÖ reingeschoben zu kriegen, damit Eisenbahn spielen zu dürfen und sich nicht mit lästigen Beförderungsfällen herumschlagen zu müssen?


    ... war ja auch nur ein rhetorisches Mittel -8)
    Warum sollen ausgerechnet Freiwillige professionelle Qualität "abliefern"? Das schaffen ja nicht einmal große Klitschen a la DB, SNCF, IBM oder MS (you name them!), schon gar nicht in konstanter Weise. Wenn jemand professionelle Qualität erwartet, soll er die wohlfeilen Dienste eines entsprechenden Unternehmens in Anspruch nehmen und auch ordentlich dafür blechen. Ich kann dieses Managementgebrabbel schon lange nicht mehr anhören.

    Andererseits wird hier die stark sinkende Bedeutung des Begriffs "Arbeit" und die im Gegenteil dazu steigende Bedeutung von "job" aus ethisch-moralischer Sicht geradezu vorexerziert, der die rein monetäre Arbeitsauffassung eines neoliberalen Zeitgeists widerspiegelt.

    Ich will hier nicht die aufopfernde Tätigkeit vieler Freiwilliger auf dem Gebiet der Fahrzeugerhaltung und -instandsetzung (leider überproportional im Triegfahrzeug-, weniger im Personen- oder v.a. Güterwagenbereich) durch den Kakao ziehen oder schlecht machen. Es gehört aber auch dazu, daß neben dem Putzen der Messinggriffe und -röhrl'n auch, wie Du richtiger- und dankenswerterweise schreibst, die Umgebung der Fahrgäste geputzt - diese sogar noch eher, als die Führerstände. Da sind wir aber schon wieder beim Problem, daß zwar überall Sauberkeit erwartet wird, aber gerade jene, die am lautesten danach schreien, die sind, die - bewußt? - den meisten Dreck machen (Papierln und ähnliches auf den Boden werfen, mit den Schuhen auf den Sitzen herumtrampeln, etc.) und den höchsten Unverstand zeigen, wenn sie diskret auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden. Ich habe lange genug den Großteil meiner Vereins-Dienstzeit damit verbracht, diese Auswüchse der laissez faire-Erziehung rückgängig zu machen, ohne dauernd auf die Uhr zu blicken, aber irgendwann reicht's dann. (Und ich verstehe den Erfinder des sarkastischen Eisenbahnerspruchs "Passengers are a pest" nur zu gut).

  • Zitat

    Wenn jemand professionelle Qualität erwartet, soll er die wohlfeilen Dienste eines entsprechenden Unternehmens in Anspruch nehmen und auch ordentlich dafür blechen.

    Diese Haltung halte ich für bedenklich, vor allem, wenn man auf Einnahmen aus Publikumsfahrten angewiesen ist. Wir steuern auf wirtschaftlich schwerere Zeiten zu. Firmen haben das schon erkannt: Wer nicht zu den Besten gehört, bleibt auf der Strecke. Im Nostalgie-Bereich gibt es ein Überangebot. Ausflügler haben auch nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Wenn sie im Ybbstal nicht das Preis-Leistungs-Verhältnis finden, das sie sich vorstellen, fahren sie wo anders hin. Gibt ja genug - immer mehr Planstrecken werden eingestellt und bieten nur mehr "Nostalgiebetrieb". In zehn Jahren wird von allen diesen Angeboten wenn's hoch kommt noch die Hälfte existieren. Wenn man nun - wie in deinem Zitat oben - die potentiellen Besucher geradezu auffordert, ihr Geld wo anders auszugeben, wie will man dann überleben?

    "Professionelle Qualität" muss es gar nicht sein, aber ein bisserl Mitdenken, welche Bedürfnisse die Besucher haben, ist Pflicht. Die Frage, wie Besucher, die am Nachmittag mit dem Zug fahren wollen, nach Pfaffenschlag kommen (oder dorthin zurück, wenn sie ihr Auto dort parken) wurde immer noch nicht beantwortet. Aber wer weiß, vielleicht ist die sinnlose Verlängerung nach Göstling eh schon wieder gestorben, bevor sie überhaupt eingeführt wurde. Dann kann man ja nach dem bisherigen Fahrplan zweimal am Tag die gesamte Bergstrecke befahren.

  • Diese Haltung halte ich für bedenklich, vor allem, wenn man auf Einnahmen aus Publikumsfahrten angewiesen ist. Wir steuern auf wirtschaftlich schwerere Zeiten zu. Firmen haben das schon erkannt: Wer nicht zu den Besten gehört, bleibt auf der Strecke. Im Nostalgie-Bereich gibt es ein Überangebot. Ausflügler haben auch nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Wenn sie im Ybbstal nicht das Preis-Leistungs-Verhältnis finden, das sie sich vorstellen, fahren sie wo anders hin. Gibt ja genug - immer mehr Planstrecken werden eingestellt und bieten nur mehr "Nostalgiebetrieb". In zehn Jahren wird von allen diesen Angeboten wenn's hoch kommt noch die Hälfte existieren. Wenn man nun - wie in deinem Zitat oben - die potentiellen Besucher geradezu auffordert, ihr Geld wo anders auszugeben, wie will man dann überleben?


    Die wahre Problematik liegt darin, daß es sehr wohl zu hinterfragen ist, ab wann ein allgemeines Interesse an bestimmten Leistungen vorliegt, und wer die damit verbundenen Kosten tragen soll. Wenn ich mir gerade die letzten Jahre bis Jahrzehnte ansehe, geht der Trend eindeutig dahin, potentiell gewinnträchtige Leistungen einer Privatisierung zu unterziehen, während alle auch nur ansatzweise unrentablen Dinge ehestmöglich sozialisiert werden. Zu Zeiten der sinkenden monetären Pegel in den Kassen der öffentlichen Hand wird auf Teufel komm raus versucht, private Zahler zu finden. Dagegen wäre noch nicht so viel einzuwenden: nur, jedes Quentchen alleine aus betriebswirtschaftlicher Richtung zu analysieren und die volkswirtschaftlichen Auswirkungen gänzlich zu ignorieren, wird wohl nicht der Weisheit letzter Schluß bleiben (können).

    Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die angesprochenen Vereinsaktivitäten: die Theorie von Angebot und Nachfrage läßt ja nicht sekundäre Parameter außen vor. Da gehen natürlich die soft facts (wie fühlt sich ein Fahrgast behandelt/wohl, etc) ebenso in die Berechnung ein wie die harten Tatsachen: Fahrpläne, Kosten, Anreise. Dabei kommt gleich noch etwas, was nicht alle Betreiber von Museums- oder Tourismusbahnen derzeit bedenken: angesichts der steigenden Kosten für den privaten PKW-Verkehr (verfügbare Budgets der potentiellen Passagiere) sollten beizeiten wieder Anschlüsse des öffentlichen Verkehrs höheren Einfluß auf die Fahrplangestaltung gewinnen (nicht zu vergessen, daß auch bei den freiwilligen Mitarbeitern nicht alle sich einen fahrbaren Untersatz leisten können/wollen).

    Daß eine Flurbereinigung beim derzeitigen Überangebot an bahnrelevanten Freizeitangeboten zu erwarten ist, stimme ich Dir zu. Diese Bereinigung muß aber nicht zwanghaft bedeuten, daß außer je einer Bahnstrecke je Bundesland nichts anderes mehr vorhanden wäre (sonst bliebe ja bestenfalls außer West- und Südbahn keine andere Strecke mehr übrig :D ). Die Abgrenzung zu vergleichbaren Angeboten kann ja auf mehrere Arten erfolgen - die Professionalität des Gebotenen ist hier nur ein Mosaiksteinchen, wichtiger ist (wie auch bei Unternehmen!) die Identifikation von Mitarbeitern sowie Einwohnern und Multiplikatorgruppen in der Region mit der Bahn.

    "Professionelle Qualität" muss es gar nicht sein, aber ein bisserl Mitdenken, welche Bedürfnisse die Besucher haben, ist Pflicht. Die Frage, wie Besucher, die am Nachmittag mit dem Zug fahren wollen, nach Pfaffenschlag kommen (oder dorthin zurück, wenn sie ihr Auto dort parken) wurde immer noch nicht beantwortet.


    Zustimmung. Gerade darum mein obiger Verweis auf die An-/Abreisesituation. Ich glaube nicht, daß der Geschäftsfall einer Museums- oder Tourismusbahn ausschließlich auf Busgruppen aufsetzen kann. Dies funktioniert nach meinen Erfahrungen sogar auf der Ffestiniog Railway (Wales) nur bedingt, wenngleich im direkten Vergleich Wales - NÖ auf beeindruckende Weise.

  • Die "Flurbereinigung" ist halt schmerzhaft. Vor allem wird die Einsicht, dass viele Leute viele Stunden, oft Jahre ihres Lebens in ein Projekt gesteckt haben, das langfristig keinen Bestand haben wird, sehr schwer für die Betroffenen sein.

    Bei einzelnen Vereinen und Angeboten kann man davon ausgehen, dass sie überleben werden. Die ÖGEG wird es sicher auch noch in zehn Jahren geben, detto die NBiK und (falls nicht jemand andere Pläne mit dem Heizhausgelände hat) auch die Strasshofer und den VEF. Reblaus und Wachaubahn sind zu fast 100% vom Land Niederösterreich abhängig; die wird es geben, solange das Land Geld locker macht. Und maches Angebot kann vielleicht in einer kleinen Nische weiterexistieren. Die Ybbstalbahn-Bergstrecke hat eigentlich auch sehr gute Karten, denn sie hat gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale - etwas, was z.B. den Martinsbergern eindeutig fehlt.

    Wobei die Bereinigung ja nicht nur ganze Museumsbahnen betrifft, sondern auch einzelne Sammlungsbereiche oder Fahrzeuge. Gerade die größeren Vereine stehen ja da vor der Entscheidung (oft aufgrund von Platzmangel), was es wert ist, aufgehoben zu werden. Und gerade hier zeigt sich oft eine Diskrepanz zwischen historisch-musealem Interesse und Publikumsinteresse. Es gibt viele Fahrzeuge, die historisch wertvoll sind, mit denen man aber keinem Besucher imponieren kann. Umgekehrt ist ein Schlierenwagen oder der 5047 der Erlebnisbahn eben ein halbwegs bequemes, in der Erhaltung günstiges Fahrzeug, mit dem man Geld hereinspielen kann. Ein Balanceakt, der nicht gerade leicht ist.

    Womit ich dir ganz klar recht gebe: Die "Soft Facts" sind genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als die "Hard Facts". Wenn ich mich als Fahrgast gut behandelt fühle und einen gewissen "Spirit", eine Identifikation mit der Bahn spüre, dann sind Unzulänglichkeiten in anderen Bereichen viel weniger spürbar. Oder anders ausgedrückt: Es ist besser, wenn in einem Waggon mit durchgesessenen Sitzen ein freundliches, fesches Dirndl während der Fahrt durchgeht und jedem Fahrgast einen Schnaps anbietet, als wenn man in einem Pico-Bello gepflegten, aber sterilen Wagen sitzt, in dem sich keiner um einen kümmert.