Gedenk- und Bedenktage, Jubiläen etc.

  • Nachtrag zur Fortsetzung Nr. 761 der Eisenbahnunfall-Gedenktage

    Vor 125 Jahren:

    10. 12. 1998: [Zámost zwischen Budweis und Wesely, k. & k. Monarchie]

    Quelle: Zeitschrift Eisenbahn, Heft 5/1989, S. 87.

    Vor 25 Jahren:

    09. 12. 1998: [Münchner Güter-Nordring bei Johanneskichen, Deutschland] Bei einem Heizkraftwerk ist auf einem Abstellgleis am Kraftwerksgelände ein aus 20 Wagen bestehender Kohlenganzzug samt Lok abgestellt. Aus unbekannter Ursache entrollt der Zug aus dem Kraftwerksgelände, reißt einen Prellbock um und der Endwagen kommt auf einem Erdhügel zum Stehen, wobei er in Richtung Streckengleis umkippt. Der Tfzf. des von der 1110 014 geführten Gz 44917 erkennt das Hindernis, leitet eine Schnellbremsung ein und flüchtet in den Maschinenraum und kann durch seine rasche Reaktion eine größere Katastrophe verhindern. Zwei Wagen des Kohlenzuges werden zerstört und fünf Wagen des Gz 44917 werden schwer beschädigt. Die 1110 014 ist kassierungsreif:

    Quelle: EÖ-Heft 5/1999, S. 186f. Foto: G. Bendrien. Das Foto zeigt die Lok auf der Fahrt in das TS-Werk Linz am 15. 1. 1999.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Fortsetzung Nr. 773 der Eisenbahnunfall-Gedenktage

    Vor 90 Jahren:

    04. 03. 1934: [ehemalige Sowjetunion, heute Russland] Auf einem Bahnhof in der Nähe von Moskau fährt ein Zug auf einen im Bahnhof stehenden Reisezug auf, wobei die letzten beiden Waggons dieses Zuges schwer beschädigt werden. Im Prozess gegen das schuldtragende Zugpersonal werden der Lokführer und der Heizer zum Tode verurteilt, drei weitere Eisenbahner erhalten Gefängnisstrafen.
    Opferbilanz: 19 Tote, 52 Verletzte.

    Vor 80 Jahren:

    02. 03. 1944: [Bahnlinie Battipaglia - Metaponto, Armi-Tunnel, Italien] Im Süden Italiens haben die Alliierten die faschistische Regierung von Benito Mussolini bereits besiegt, das zivile Leben befindet sich aber noch im Chaos. Der zivile Eisenbahnverkehr verläuft völlig ungeordnet und unzuverlässig. Zahlreiche Menschen reisen deshalb illegal auf Güterzügen mit, vor allem auch für Hamsterfahrten, um bei der unsicheren Versorgungslage an Nahrungsmittel vom Land zu kommen. Die Ferrovie dello Stato hat aus dem gleichen Grund große Schwierigkeiten, qualitativ geeignete Steinkohle für ihre Dampflokomotiven zu beschaffen und muss in der Regel auf minderwertige Kohle zurückgreifen. Das Unglück ereignet sich auf der Bahnstrecke Battipaglia–Metaponto.
    Diese quert den Apennin, weist erhebliche Steigungen und Gefälle sowie zahlreiche Tunnel auf. Am Unglückstag reisen über 600 Menschen illegal auf dem Güterzug Nr. 8017 mit, der in östlicher Richtung auf der Strecke unterwegs ist. Der Zug besteht aus 47 Güterwagen, darunter zahlreiche Flachwagen, 41 davon sind nicht beladen. Wegen der vor dem Zug liegenden Steigungen erhält er im Bahnhof Romagnano eine Vorspannlokomotive. Die beiden Lokomotiven entstammen den 1'D-Baureihen 740 und 744.
    Da für die Dampflokomotiven des Zuges nur minderwertige Kohle zur Verfügung steht, ist zum einen deren Zugkraft eingeschränkt, zum anderen enthalten deren Rauchabgase überdurchschnittlich viel Kohlenmonoxid. Als der Zug in den Armi-Tunnel zwischen dem Haltepunkt Balvano-Ricigliano und dem Bahnhof Bella-Muro einfährt, reicht die Zugkraft der beiden Lokomotiven nicht mehr aus, ihn durch den fast 1,7 km langen Tunnel mit einer Steigung von 14 ‰ zu ziehen. Der Zug kommt zum Stehen, als sich die Lokomotiven mehrere hundert Meter weit im Tunnel und sich auch die meisten Wagen bereits innerhalb des Tunnels befinden.
    Aufgrund der mangelhaften Entlüftung des Tunnels ist für das Feuer der Dampflokomotive nicht ausreichend Sauerstoff für die Verbrennung vorhanden, die so unvollständig erfolgt, und die Abgase der Lokomotive bestehen zunehmend nicht mehr aus (ungiftigem) Kohlendioxid, sondern aus Kohlenstoffmonoxid. Dieses verbindet sich im Blut mit Hämoglobin und blockiert die Fähigkeit der Roten Blutkörperchen, Sauerstoff im Körper zu transportieren. Folge ist Tod durch Ersticken. Diese Kohlenmonoxid-Vergiftung tritt so schleichend ein, dass die meisten Reisenden und das Zugpersonal das gar nicht wahrnehmen, sondern einfach einschlafen. Die wenigen Überlebenden befinden sich alle auf den wenigen Wagen am Schluss des Zuges, die noch außerhalb des Tunnels stehen.
    Opferbilanz: Mindestens 426 Tote, die Zahlen schwanken allerdings zwischen 426 und 549. Auf alle Fälle handelt es sich um das schwerste Unglück in der Geschichte der italienischen Bahnen.

    Vor 45 Jahren:

    03. 03. 1979: [Pyhrnbahn zwischen Traun und Nettingsdorf, OÖ.]

    Quelle: Zeitschrift Eisenbahn, Heft 5/1979, S. 70.

    Vor 40 Jahren:

    29. 02. 1984: [Hohenthurm, ehemalige DDR, heute Bundesland Sachsen-Anhalt] Als sich der P 7523 von Wolfen nach Halle, der am Zugschluss eine Lok der Reihe 250 betriebsbereit und mit Lokführer mitführt, dem Bahnhof von Hohenthurm an der Strecke Berlin - Halle nähert, ist der Nebel in Verbindung mit dem Industrie-Smog so dicht, dass der Lokführer des P 7523 die Geschwindigkeit seines Zuges auf 15 km/h verringert, wodurch er bis zum Bahnhof Hohenthurm 27 Minuten "Frack" aufreißt. Beim EVS kann er die Stellung "ES Halt erwarten" wahrnehmen, beim ES ist die Signalstellung nicht zu erkennen, weshalb er den Zug anhält und über den Signalfernsprecher die Signalstellung erfragen muss. Der Fdl. teilt ihm mit, dass das ES "Frei" zeige und er weiterfahren könne. Zur gleichen Zeit nähert sich auch der Transitzug D 354 Berlin - Saarbrücken, der bis zum damaligen Grenzbahnhof Bebra durchfährt, dem Bahnhof Hohenthurm. Der 48-jährige Lokführer hat auf Grund des dichten Nebels die Geschwindigkeit ebenfalls etwas verringert, allerdings muss er später bei der Gerichtsverhandlung zugeben, bei nur zwei von neun Signalen, die er passierte, die Signalstellung eindeutig erkannt zu haben! Er ist der Meinung, ein Transitzug müsse einfach freie Fahrt haben. Schließlich übersieht er auch das "Halt zu erwarten" zeigende AVS und das Halt zeigende AS des Bahnhofes Landsberg. Der Wärter des Schrankenposten 156 versucht den Zug aufzuhalten, die Haltesignale ignoriert der Lokführer jedoch und der Zug fährt auf Höhe der Bahnhofseinfahrt in den Bahnhof Hohenthurm mit voller Geschwindigkeit auf den P 7523 auf, wobei die am Zugschluss des P 7523 mitlaufende E-Lok der Reihe 250 einen erheblichen Teil der Auffahrenergie auffängt. Das Ausmaß der Katastrophe wäre ansonsten mit Sicherheit wesentlich größer gewesen. Das Bezirksgericht Halle verurteilt den Schuld tragenden Lokführer des D 354 wegen grober Vernachlässigung der Signalbeobachtung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.
    Opferbilanz: 11 Tote (darunter auch der Lokführer der E-Lok am Zugschluss des P 7523), 46 Verletzte.

    04. 03. 1984: [Zf. Wien Nord]

    Quelle: Zeitschrift Eisenbahn, Heft 5/1984, S. 73,

    Vor 35 Jahren:

    02. 03. 1989: [Äthiopien] Im Osten Äthiopiens stößt ein Güterzug mit drei leeren Waggons zusammen. Bei den Unfallopfern handelt es sich um blinde Passagiere.
    Opferbilanz: 57 Tote, 54 Verletzte.

    04. 03. 1989: [Bhf. Purley im Londoner Stadtteil Croydon] Auffahrunfall zweier Vorortzüge nördlich des Bahnhofs Purley auf der Brighton Main Line. Ein Personenzug überfährt ein „Halt“ zeigendes Signal und stößt mit einem anderen Personenzug zusammen. 6 Menschen sterben, 80 werden darüber hinaus verletzt.

    06. 03. 1989: [Marchegger Ostbahn bei Raasdorf, NÖ.]

    Quelle: Zeitschrift Eisenbahn, Heft 5/1989, S.89.

    Vor 25 Jahren:

    02. 03. 1999: [Wien Süd Frachtenbahnhof] Bei der Einfahrt des Gz 57709 in Wien Süd Frachtenbahnhof entgleisen auf Weiche 152 die Vorspannlok 1142 570 und die Zuglok 1142 568 sowie die ersten beiden Wagen. Die 1142 568 stellte sich dabei quer (siehe Foto). Entgleisungsursache ist der Bruch des Klammerspitzenverschlusses an der Weiche 152:

    Quelle: EÖ-Heft 5/1999, S. 187. Foto: O. Kahr.

    Vor 20 Jahren:

    05. 03. 2004: [Udalkachhar, Bundesstaat Chhattisgarh, Indien] In der Zufahrt zur Brücke 55 über den Halfadi wird ein Gleisstück entfernt. Als der Zug Nr. 406B von Bishrampur nach Bilaspur die Stelle befährt, entgleist er auf der Brücke, ein Wagen stürzt in den Fluss. Zwei Menschen sterben, 24 werden darüber hinaus verletzt.

    06. 03. 2004: [Hbf. Wr. Neustadt, NÖ.]

    Quelle: EÖ-Heft 5/2004, S. 198.

    Vor 10 Jahren:

    01. 03. 2014: [Kunming, VR China] Im und vor dem Bahnhof von Kunming stechen neun uigurische Separatisten wahllos auf Reisende ein und töten 29 von ihnen. Die Polizei erschießt vier Attentäter und ein Polizist stirbt später an seinen Stichverletzungen.
    Opferbilanz: 34 Tote, 143 Verletzte.

    Vor 5 Jahren:

    04. 03. 2019: [Mattigtalbahn bei Munderfing, OÖ.] Der Fahrer eines LKW übersieht an einem Bahnübergang in Achenlohe (Munderfing) einen aus Braunau herannahenden, mit 17 Kesselwagen bestückten Güterzug. Die Wucht des Aufpralls ist so groß, dass der LKW in das direkt angrenzende, ehemalige Bahnwärterhaus geschleudert wird, welches von einem Ehepaar bewohnt wird. Der LKW-Fahrer wird dabei schwer und der Lokführer leicht verletzt. Letzterer kann sich rechtzeitig im Maschinenraum der Lok in Sicherheit bringen. Das Ehepaar, welches sich während des Unfalls im Haus aufhält, erleidet einen Schock. Das Gebäude muss im Anschluss abgerissen und der Unterbau aufgrund von Dieselaustritt über mehrere Wochen saniert werden, was die Sperrung des Streckenabschnitts zur Folge hat. Die ÖBB gehen nach Abschluss der Arbeiten von Kosten in Höhe mehrerer Millionen Euro aus:

    Quelle: OÖN. Foto: Fesl

    Quellen (sofern nicht gesondert angegeben): Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996; Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag, Berlin 1991; Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr und Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.

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