[E] AVE-Strecke Madrid - Lissabon bleibt (vielleicht doch nicht) unvollendet

  • Das spanische Infrastrukturministerium und der Bahninfrastruktur-Betreiber ADIF sind derzeit dabei, das geplante bzw. in Bau befindliche AVE-Netz zu evaluieren. Diese Evaluierung hat bereits ein prominentes Opfer gefordert und zwar in Form der abschnittsweise in Bau befindlichen AVE-Strecke Madrid - Lissabon. Von der insgesamt rd. 418 km langen Strecke Madrid - Badajoz an der spanisch-portugiesischen Grenze sollen nur rd. 236 km, als knapp mehr als die Hälfte teilweise fertiggestellt werden. Dabei handelt es sich um den in der Autonomen Gemeinschaft Extremadura gelegenen Abschnitt vom Grenzbahnhof Badajoz über Merida und Cáceres bis Talayuela bei Oropesa (ca. 200 km südwestlich von Madrid) in der Provinz Toledo (Kastilien-La Mancha). Das Reststück bis zur Abzweigung von der AVE-Strecke Madrid - Sevilla in Pantoja bei Toledo wird nicht gebaut.
    Auf der neuen Trasse (die sich teilweise auch auf Google sehr schön nachverfolgen lässt) soll nur ein Breitspurgleis (1668 mm) verlegt werden und auf eine Elektrifizierung wird verzichtet. In Cáceres wird auf den außerhalb der Stadt geplanten AVE-Bahnhof verzichtet und die AVE-Strecke mittels Schleifen an den bestehenden Stadtbahnhof angebunden. In Merida wird ebenfalls auf die Umgehungsstrecke verzichtet, was insofern besonders hinderlich ist, weil dadurch in Merida weiterhin gestürzt werden muss.
    Die v/max. wird, bedingt durch das zur Anwendung kommende Sicherungssystem ASFA 200 ATP 200 km/h betragen. Allerdings stellt sich die Frage nach den zum Einsatz kommenden Fahrzeugen. Dieseltriebzüge mit höherer v/max. als 160 km/h gibt es in Spanien nicht. Es kann daher sein, dass die RENFE-Reihe 334 von Vossloh España vor Wagenzügen zum Einsatz kommt, die für 200 km/h zugelassen ist.
    Es wird erwartet, dass sich durch diese Maßnahmen die Fahrzeit zwischen Madrid und Badajoz von derzeit 5 h 31 m auf 3 h 30 m, zwischen Madrid und Merida von 4 h 44 m auf 3 h 15 m und zwischen Madrid und Cáceres von 3 h 47 m auf 2 h 40 m.
    Weitere Fahrzeitverkürzungen sind noch möglich, wenn auf der verbleibenden Bestandsstrecke von Madrid über Talavera de la Reina bis Talayuela Streckenbegradigungen vorgenommen werden. Derzeit beträgt die v/max. auf diesem Abschnitt 155 km/h.

    Quelle: TR EU-Issue 230, Feb 2015, p. 54.

    Zur Orientierung, Suchfelder 4-5/B-C-D

    Edit: Badajoz auf Cáceres ausgebessert

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Weiß dazu jemand der hier mitlesenden Forumsmitglieder etwas über den Stand der Planungen/Bauten auf portugiesischer Seite? Der Link zu bueker.net zeigt ja nur auf spanischer Seite eine Schienenverbindung, in Portugal müßte ja ein kompletter Streckenneubau in Richtung Westen entstehen.

  • Zu meiner vorigen Frage: hat sich erübrigt. Wieso? Bitte sehr:

    Zitat

    [...]As a result of EUsterity, Portugal has cancelled the project to build high speed rail from Lisbon to the Spanish border, which has provided Spain with the excuse to do the same, so no Lisbon-Madrid high speed rail link.
    by Migeru (migeru at eurotrib dot com) on Wed Jul 18th, 2012 at 08:44:53 AM EST


    Quelle: European Tribune - anfänglich ein netter Artikel über die 'alte Westbahn' im Wienerwald

  • Wenn schon seit Mitte 2012 bekannt ist, dass die Portugiesen ihren Abschnitt zu Grabe getragen haben, dann frage ich mich schon, warum die Spanier da noch über zwei jahre weiter gewerkelt haben, als sei nichts gewesen. Vielleicht wollte man nur die Baufirmen noch weiterbeschäftigen, damit in der strukturschwachen Region Extremadura die Arbeitslosenzahlen in der Bauwirtschaft nicht explodieren. Die Extremadura mit ca. 1,1 Mio. EW auf einer Fläche fast so groß wie die Schweiz rechtfertigt jedoch keine AVE-Verbindung mit der Hauptstadt Madrid.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Wenn schon seit Mitte 2012 bekannt ist, dass die Portugiesen ihren Abschnitt zu Grabe getragen haben, dann frage ich mich schon, warum die Spanier da noch über zwei jahre weiter gewerkelt haben, als sei nichts gewesen.


    Schlechte Kommunikation vielleicht? :D -8)

    Soweit ich weiß, sind Spanier und Portugiesen nicht immer gut aufeinander zu sprechen.

  • Zitat

    Soweit ich weiß, sind Spanier und Portugiesen nicht immer gut aufeinander zu sprechen.


    Das ist richtig, trotzdem sind sie auf Grund ihrer Randlage am europäischen Kontinent aufeinander angewiesen, sowohl in wirtschaftlicher als auch in infrastrukturieller Hinsicht. Das Nichtgutaufeinandersprechen verhält sich dort so ähnlich wie zwischen Österreich und Deutschland. Die Portugiesen fühlen sich auch laufend durch das größere und wirtschaftlich potentere Spanien übervorteilt und das frustet eben.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • So weit mir bekannt ist (kann dazu aber leider keine Artikel finden), haben die Spanier versucht die Portugiesen zum Weiterbau "zu zwingen". Nun haben sie das Vorhaben wohl aufgegeben.

    Zitat

    Es wird erwartet, dass sich durch diese Maßnahmen die Fahrzeit zwischen Madrid und Badajoz von derzeit 5 h 31 m auf 3 h 30 m, zwischen Madrid und Merida von 4 h 44 m auf 3 h 15 m und zwischen Madrid und Badajoz von 3 h 47 m auf 2 h 40 m.


    Da stimmt etwas nicht.

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    Bei alten Reiseberichte finde ich unterschiedliche Angaben zu der bestehenden Tagesverbindung über Badajoz und Elvas.

    2010: Fährt kein Zug Badajoz - Elvas, man muss anderwertig die 20 km überwinden http://www.interrailers.net/ir-forum/viewtopic.php?f=26&t=4292
    2011: Es fährt ein Nahverkehrstriebwagen über die Grenze http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?30,5534729
    2011: Die Strecke Badajoz - Elvas - Torre das Vragens ist beim DSO-Link auf eine Büker-Karte noch zu sehen

    Aktuell:
    Die Strecke Badajoz - Elvas - Torre das Vargens ist bei Büker verschwunden: http://www.bueker.net/trainspotting/…n-peninsula.gif
    Bei Openrailwaymap.org ist die Strecke noch als "Hauptstrecke" vorhanden, dafür ist die bei Büker eingezeichnete Strecke Torre das Vargens - Valencia de Alcántara als eingestellt eingezeichnet: http://www.openrailwaymap.org/?lang=de&lat=3…&style=standard

    Was stimmt nun? Mich persönlich würde es wundern, wenn die Südroute über Badajoz (für den Güterverkehr) eingestellt wird (halbwegs gerade Linienführung) und gleichzeitig die kurvige Nordroute über Valencia erhalten bleibt.


    PS: Bezüglich Dieselfahrzeuge, welche für mehr als 200 km/h zugelassen sind, gibt es von Talgo den Talgo XXI. Den Triebkopf sollte man für die bestehenden Talgo VII leicht nachrüsten können. (Vmax 220 km/h)

  • Zitat

    Da stimmt etwas nicht.


    Richtig. Danke für den Hinweis. Es sollte heißen "zwischen Madrid und Cáceres von 3 h 47 m auf 2 h 40 m.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Nun besteht wieder Hoffnung, dass sich auch auf portugiesischer Seite in Sachen AVE Madrid - Lissabon doch wieder was tut. Die EU hat im Rahmen des europäischen Verkehrsinfrastrukturprojektes "Connecting Europe Facility" (CEF) mittels Finanzierungsbeschluss vom 10. Juli 2015 13,1 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt, mit denen bis zum Jahr 2020 276 Projekte gefördert werden sollen, wobei grenzüberschreitende Projekte Priorität haben. Aus diesem Grund wird auch der seit Jahren auf Eis liegende Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen der spanisch-portugiesischen Grenze bei Badajoz und Evora (siehe Iberische Halbinsel) mit einer Förderung in Höhe von 129 Mio. EUR bedacht. Die EU hofft, dass die Portugiesen angesichts dieses Förderungsfüllhorns den Widerstand gegen die HG-Strecke auf ihrem Staatsgebiet aufgeben.

    Quelle: EÖ-Heft 10/2015, S. 496.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Weils da gerade dazupasst:

    Spanien: Auftragsvergabe für ERTMS-Ausrüstung von HGV-Strecke

    23.09.2015

    Im Auftrag der Adif wird ein von Bombardier geführtes Konsortium die ERTMS-Ausrüstung für den spanischen Teil der HGV-Strecke Madrid – Lissabon liefern und montieren.

    Der Auftragswert liegt bei 164 Mio. EUR, der Anteil von Bombardier liegt bei 77 Mio. EUR, der von Alstom bei 62 Mio. EUR und der von Indra bei 25 Mio. EUR. Ausgerüstet wird der 164 km lange Abschnitt Plasencia – Cáceres – Badajoz. Installiert wird ERTMS/ETCS Level 2. Bombardier liefert seine Interflo 450-Lösung für ETCS Level 2, Alstom die elektronischen Stellwerke (Smartlock 300) und Indra das spanische Sicherungssystem ASFA. (cm)

    Quelle: Eurailpress

    dr. bahnsinn - der Forendoktor