[GB] Isle of Wight: Wichtige Weichenstellungen für die Island Line

  • 27. Februar 2016

    Im Laufe des Monates März wird die Verwaltung der Insel Wight über einen Zukunftsplan für die Island Line, die kleinste Bahngesellschaft Großbritanniens, beraten.

    Die 13,7 km lange, mit 750 V DC Stromschiene ausgestattete Strecke zwischen Ryde und Shanklin wird seit 2007 von South West Trains im Franchise betrieben, wobei Ausgaben und Einnahmen weit auseinanderklaffen. 4 Mio. £ stehen 1 Mio. £ an Ausgaben gegenüber. Die Streckeninfrastruktur muss dringend erneuert werden und außerdem besteht das Problem, dass ein kurzer Tunnel bei Ryde mit eingeschränktem Lichtraumprofil derzeit nur den Einsatz von aus dem Jahr 1938 stammenden ehemaligen U-Bahn-Zügen der London Undergound erlaubt.

    Die Gesellschafter der Bahn sind sich einig, dass der Bahnbetrieb aufrecht erhalten werden soll, allerdings müssen die Weichen für die Zukunft mit zwei Optionen gestellt werden: Entweder man bleibt Fahrzeugen der London Underground treu und bezieht neuerlich Wagenmaterial von dort, das allerdings frühestens in den späten 2020er-Jahren geliefert werden kann oder man stellt auf stadtbahn- oder straßenbahnmäßigen Verkehr um. Bei dieser Variante stünden relativ preisgünstige Ex-Midland-Straßenbahnen der Type T69 zur Verfügung, mit denen auf Sicht gefahren werden könnte, wodurch Kosten für die Streckensignalisierung gespart werden könnten.

    Bei stadtbahn- oder straßenbahnmäßigem Betrieb könnte ein leichterer Oberbau verwendet werden. Beim Bau einer Ausweiche könnte der aktuelle 20/40 Minuten-Takt in der HVZ in einen reinen 15 Minuten-Takt umgewandelt werden.

    Das Department for Transport (DfT) hegt zudem Überlegungen, die Island Line wieder aus dem South West Trains-Franchise auszugliedern und als eigenständigen Betrieb zu führen, wogegen sich einige Gesellschafter und auch die Insel-Verwaltungsbehörde zur Wehr setzen, weil sie der Meinung sind, dass die Einbettung der Bahn in das South Western Franchise mehr Sicherheit böte.

    Man darf gespannt sein, wohin die Reise der Island Line gehen wird. Wir bleiben jedenfalls dran.

    Hier eine Übersicht über die noch bestehende und die vielen ehemaligen Bahnstrecken auf der Isle of Wight. Interessant, welch dichtes Eisenbahnnetz es dereinst auf der 380 km² großen Insel einmal gegeben hat:


    Ausschnitt Isle of Wight aus der Open Railway Map

    Quelle: http://www.railwaygazette.com/news/passenger…n-proposed.html und Wikipedia.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Eine Straßenbahn / Stadtbahn wäre auch bezüglich Erweiterungen vermutlich leicht zu realisieren. Auf-Sicht-Fahren wird vermutlich Überland ein wenig zach, da hoffe ich doch auf irgendein Sicherungssystem.

  • wobei Ausgaben und Einnahmen weit auseinanderklaffen. 4 Mio. £ stehen 1 Mio. £ an Ausgaben gegenüber. Die Streckeninfrastruktur muss dringend erneuert werden und außerdem besteht das Problem, dass ein kurzer Tunnel bei Ryde mit eingeschränktem Lichtraumprofil derzeit nur den Einsatz von aus dem Jahr 1938 stammenden ehemaligen U-Bahn-Zügen der London Undergound erlaubt.


    Ich gehe davon aus, dass der originäre Autor sich hier ein wenig vertan hat und genau das umgekehrte vom Geschriebenen meint -8)

    Hauptproblem ist der öfters durch Flutwellen oder Starkregen geflutete Tunnel, der seit Eröffnung der Strecke immer wieder für Betriebsunterbrechungen sorgte. Aus genau diesen Gründen wurde in dem relevanten Tunnel der Oberbau soweit angehoben, dass seither aus Lichtraumgründen kaum andere Fahrzeuge als die damals gerade verfügbaren Londoner U-Bahngarnituren Baujahr 1938 eingesetzt werden können. Weiteres Problem ist das durch den Salzgehalt bedingte korrosive Verhalten an der Küste bei Ryde, weshalb neuere U-Bahngarnituren, aber auch heutzutage übliche Triebwägenkonstruktionen, aufgrund der überwiegenden Verwendung von Aluminium in den tragenden Fahrzeugteilen in einem derartig aggressiven Klima nicht lange "überleben würden".

    Nachdem der Betreiber (1996-2007 sowohl EVU als auch EIU!) Stagecoach nicht nur urspünglich aus dem Straßenverkehrsbereich stammt, sondern auch durch seine intensive Verwendung von Bussen bekannt ist, sollte einer Umstellung auf Busbetrieb wohl kaum etwas im Weg stehen. Ersatzweise könnte die bestehende Museumsbahn mit Dampfbetrieb auf den rund 3,5 Kilometern von Smallbrook Junction bis Ryde Pier verlängert werden, um den ferrophilen Inselbesuchern ein wenig Schienenfeeling anbieten zu können :D

  • Die Kusttram (an deren Strecke sogar die Oberleitungsmasten durch GFK-Masten ersetzt werden) fährt auch seit Jahren an der Küste und hat keine sonderlichen Probleme mit der rauhen Umgebung. Ich glaube da gibt es keine Probleme, besonders wenn es eine U-Bahn aus den 30er Jahren schafft.

  • Die Kusttram (an deren Strecke sogar die Oberleitungsmasten durch GFK-Masten ersetzt werden) fährt auch seit Jahren an der Küste und hat keine sonderlichen Probleme mit der rauhen Umgebung. Ich glaube da gibt es keine Probleme, besonders wenn es eine U-Bahn aus den 30er Jahren schafft.


    Entschuldige, aber das ist nicht das Thema. Problematisch bei den meisten neueren Fahrzeugen - insbesondere die angedachte U-Bahnvariante - ist, dass aus Kosten- und Gewichtsgründen tragende Teile der Karosserie aus Aluminium (meist stranggußextrudiert) gefertigt werden. Aluminium und Salzspray vertragen sich nicht sehr gut, weshalb die Verwendung von Aluteilen hier ein no-go ist (wie zB Alufelgen im Winter auf salznassen Straßen).

  • Ich habe mich für die Straßenbahn-Variante ausgesprochen und bei diesen ist bis auf dem Missgriff Combino (Risse) der Großteil aus Edelstahl (Avenio, Flexity 2, Variobahn,...).

  • Die neuen Triebwagen der Reihe 484 der Island Line, bei denen Wagenkästen und Drehgestelle von früheren U-Bahn-Wagen der Londoner District Line Verwendung finden, nähern sich der Fertigstellung. Sie sollen die aktuellen, ebenfalls von der Londoner U-Bahn stammenden Triebwagen aus dem Jahr 1938 ersetzen, die derzeit die ältesten im Einsatz befindlichen Fahrzeuge im britischen Bahnnetz darstellen. Der Einsatz von Fahrzeugen mit kleinem Lichtraumprofil auf der Insel Wight ist deshalb erforderlich, weil der enge Tunnel zwischen den Stationen Ryde Esplanade und Ryde St. Johns Road keine Fahrzeuge mit normalem Lichtraumprofil zulässt.
    Zwischen Januar und März 2021 ist die Island Line gesperrt, um die Umstellung bewerkstelligen zu können.

    Weiterlesen auf https://www.railwaygazette.com/uk/isle-of-wig…y/57194.article

    Weitere Informationen zur Island Line auf Wikipedia.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Die neuen Triebwagen der Reihe 484 der Island Line, bei denen Wagenkästen und Drehgestelle von früheren U-Bahn-Wagen der Londoner District Line Verwendung finden, nähern sich der Fertigstellung.

    Ab April 2021 sollen die neuen Fahrzeuge den Betrieb im Halbstundentakt aufnehmen. Damit der Halbstundentakt auch gefahren werden kann, wird derzeit auf halbem Weg in der Station Brading (siehe ORM-Ausschnitt in Beitrag Nr. 1 und Wikipedia-Link im Vorposting) das schon einmal vorhanden gewesene Kreuzungsgleis wiedererrichtet.

    Darüber hinaus macht sich die Inselregierung derzeit für eine Reaktivierung der knapp 7 km langen, 1986 eingestellten Strecke zwischen Shanklin und Ventnor mit Bedienung des Zwischenhalts Wroxall stark. Außerdem soll auch zwischen Ryde und der Inselhauptstadt Newport über Wootton der Personenverkehr auf der Schiene wiederaufgenommen werden. Dabei ist geplant, die Gleise der Isle of Wight Steam Railway mitzunutzen.

    Die britische Regierung hat für beide Projekte bereits finanzielle Mittel bereitgestellt.

    Quelle: EÖ-Heft 2/2021, S. 77.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Fehlt eigentlich "nur mehr" die Linie nach Freshwater, mit Fähre zur Britischen Insel in Yarmouth und man hätte wieder eine vernünftige, fast alle wichtigen Orte erschliessende Inselbahn.

    Freshwater 5300+ EW, die Dörfer auf der Strecke 3x 800+Ew = fast 8000 Ew + Touristen, könnte genug Nachfrage ergeben.

    Über eine Tram oder Ähnlichem von Newport nach nach Cowes (10.000EW) sollte man auf einer Insel eigentlich eh nicht diskutieren müssen. Die Trasse ist soweit noch erhalten.

    Einmal editiert, zuletzt von grubenhunt (30. Januar 2021 um 14:29)

  • Ab April 2021 sollen die neuen Fahrzeuge den Betrieb im Halbstundentakt aufnehmen.

    Daraus wurde nichts. Nachzulesen hier:

    Montag, 27 September 2021 08:00
    Großbritannien: Wiedereröffnung der "Island Line" am 01.11.2021

    Fotos: SWR.
    Die seit Ende 2020 für den Personenverkehr geschlossene "Island Line" auf der Isle of Wight soll am 1. November 2021 den Betrieb wieder aufnehmen. Die 8 1/2 Meilen (ca. 13,7 km) lange Verbindung zwischen dem Hafen von Ryde (Ryde Pier Head) und dem derzeitigen Endbahnhof Shanklin war während dieses Jahres nicht in Betrieb, um eine umfangreiche Streckenmodernisierung zu ermöglichen und den Bahnbetrieb langfristig zu sichern.



    Bereits Ende 2020 war der erste Zug der neuen Class 484 geliefert worden und zusammen mit nachfolgend gelieferten Zügen auf der Insel getestet worden.
    Die South Western Railway (SWR) als Betreiber der "Island Line" teilte jetzt mit, dass die Wiederaufnahme des Zugverkehrs von Ryde nach Shanklin vom erfolgreichen Abschluss einer letzten Runde von Sicherheitstests abhängig ist, nachdem sich die Bauarbeiten und die Inbetriebnahme der neuen Triebzüge bereits um Monate verzögert hatten. Mit den neuen Zügen soll der Komfort für die Reisenden erheblich verbessert werden. Dies reicht von einer besseren Innenausstattung bis hin zu Steckdosen, kostenlosem WLAN und Rollstuhlplätzen.

    Weiterlesen auf https://www.lok-report.de/news/europa/it…01-11-2021.html

    dr. bahnsinn - der Forendoktor