Das Mobilitätsprogramm der neuen Wiener Stadtregierung

  • Motto: Alles wird besser. Siehe hier:

    4. Mobilität
    Worüber die SPÖ mit den Grünen erbittert stritt, das setzt sie jetzt mit den Neos um: Bis 2022 soll das Stadtzentrum verkehrsberuhigt werden. Mögliche Hebel sind neue Parkregelungen bzw. Zufahrtsbeschränkungen innerhalb des Rings.
    Das passt zur grundsätzlichen Stoßrichtung des Kapitels Verkehr. Darin festgeschrieben ist eine „Mobilitätsgarantie“: Bis 2025 soll gewährleistet sein, dass die Wienerinnen und Wiener auch ohne Auto voll mobil sind.
    Erreichen will man das durch einen massiven Ausbau der Öffis: mit Straßenbahnen über die Stadtgrenzen hinaus, besseren Tangentialverbindungen in den Außenbezirken, einem S-Bahn-Ring um die Stadt und einer Stadtseilbahn zwischen Ottakring und Hütteldorf.
    Bis 2022 soll das Parkpickerl neu aufgestellt werden: Zuständig sein werden nicht mehr die Bezirke, sondern die Stadt. Möglich ist eine Staffelung der Tarife nach Fahrzeuggröße bzw. nach -Emissionen. Die Parkraumbewirtschaftung soll dabei helfen, die Zahl der Pkw-Pendler nach Wien bis 2030 zu halbieren.
    Ambitionierte Ziele hat Rot-Pink für die Radfahrer: Der Radwege-Anteil an der Gesamtverkehrsfläche soll auf 10 Prozent gesteigert werden (derzeit liegt er bei etwas mehr als 1 Prozent). In den kommenden fünf Jahren werden jährlich 20 Millionen Euro dafür aufgewendet (bisher: zwischen 6 und 7 Millionen).
    Übrigens: Das Wort Begegnungszone kommt in dem Pakt genau ein Mal vor.

    Vollständiger Artikel im KURIER.

    PS.: Bei der Vortsellung des Regierungsprogramms gestern Abend im Fernsehen war auch davon die Rede, dass man "die Machbarkeit einer Seilbahnverbindung zwischen Hütteldorf und Ottakring prüfen werde." Als ob es zwischen den beiden Stadtteilen keine S-Bahn gäbe. In den von mir heute aufgesuchten Medien habe ich über dieses Seilbahn-Mysterium nichts gefunden.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Auf die Gefahr hin, dass ich unten durch bin bei Dir ob meiner Öffi-Lektüre, aber im "Heute" steht was über die Seilbahn:

    https://www.heute.at/s/rot-pink-wil…bauen-100112910

    SPÖ und Neos wollen den Bau einer Stadtseilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring prüfen. Sie könnte die neue Universität beim Otto-Wagner-Spital an die U4 anbinden.

    Die Entfernung ist jetzt nicht grad riesengroß und die Welt kosten wirds auch nicht...
    Die Ausgaben pro Kopf wären jedenfalls wesentlich geringer als für manchen Schilift im kleinen Dorf...

  • Auf die Gefahr hin, dass ich unten durch bin bei Dir ob meiner Öffi-Lektüre

    Keine Sorge. Auch ich greife zu den Graffitizeitungen, wenn ich öffentlich unterwegs bin, habe kein schlechtes Gewissen dabei und schone im Gegensatz zu den Aufs-Handy-Starrern meine Augen.

    SPÖ und Neos wollen den Bau einer Stadtseilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring prüfen. Sie könnte die neue Universität beim Otto-Wagner-Spital an die U4 anbinden.

    Angesichts der Streckenführung durch dichtverbautes Gebiet wünsche ich bei der Durchsetzung und Realisierung viel Glück.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Nicht nur das dichtverbaute Gebiet ist da im Weg. Auch der Baumgartner Friedhof und andere Anlagen. Beispielsweise das Allianz-Stadion in Hütteldorf.
    Abgesehen davon, ist das "Erholungsgebiet Steinhof" ohnehin mit Autobuslinien relativ gut erschlossen:

    Die Linien 46A/46B, 47A, 48A und 51A führen zur Nord- Ost- und Südseite der Steinhofgründe.
    Abgesehen davon: Besteht für die CEU wirklich der Bedarf nach einer Seilbahn-Transportkapazität von mehreren hundert Personen pro Stunde?
    Wie viele Mitwirkende in Lehre und Forschung einerseits und Studenten andererseits sind für die CEU zu erwarten??
    Für Ausflügler ins Erholungsgebiet besteht jedenfalls nur bei Schönwetter ein Bedarf an diesem Transportmittel.

    Noch etwas: Das für die CEU vorgesehene Gelände, das Gebiet des Otto Wagner-Spitals, liegt zur Gänze nicht in Ottakring, sondern im 14. Bezirk, Penzing.

    Ich vermute eher, man wollte irgend ein Leuchtturm-Projekt installieren. Das hat in Wien schon fast Tradition: Die Brigittenauer Brücke, Mariahilferstraße als Fußgängerzone, Pop-up-Radwege und Fußgängerzonen, Innere Stadt autofrei, um nur einige zu nennen.

    Um das Projekt Hochhaus auf den Heumarkt-Gründen ist es schon etwas ruhiger geworden. Auch der UNESCO wegen.

  • Der Standard widmet dem politisch aufgewärmten Thema Stadtseilbahn einen ausführlichen Artikel:

    Neuer Anlauf für Wiener Stadtseilbahn

    SPÖ und Neos haben sich darauf geeinigt, eine Stadtseilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring zu prüfen. Ein Seilbahnprojekt hinauf zum Kahlenberg wurde zuletzt abgesagt

    David Krutzler

    18. November 2020, 06:00
    Jetzt hat es die Stadtseilbahn sogar ins erste Regierungsprogramm von SPÖ und Neos in Wien geschafft. Als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr "könnte", wie es auf Seite 172 des Paktes heißt, eine Stadtseilbahn zwischen Hütteldorf und Ottakring errichtet werden. Die Idee stammt von den Neos – und diese gibt es schon länger: Bereits Mitte 2017 hat der pinke Bezirksrat Wolfgang Gerold eine solche Stadtseilbahn ins Spiel gebracht. Die Kosten für die 4,6 Kilometer lange Strecke bezifferte er mit 70 Millionen Euro, die Fahrtzeit sollte 17 Minuten betragen. Dieser Vorstoß schaffte es auch ins pinke Wahlprogramm 2020.
    Weiterlesen im Standard.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Näheres zu dem bereits abgesagten Seilbahnprojekt Heiligenstadt - Kahlenberg ist im Forum hier zu finden.
    Die Planskizze dazu ist im selben Thread im Posting Nr. 18 zu finden.

    Edit: Es ist schon ein bisschen kurios, welche Stadt-Seilbahnen alle so geplant und wieder verworfen werden: Wien, Linz, Salzburg, Graz :|

  • @KFNB X: Danke für den Link. Nach Lektüre des Konzeptes muss ich meine kritische Einstellung doch etwas revidieren.
    In dem Konzept sind einige gute Gedanken enthalten, die mir schon einige Zeit lang in den bisher veröffentlichten Konzepten abgegangen sind:

    • Schließen der Lücke zwischen Vorortelinie und Verbindungsbahn (kreuzungsfrei)
    • Errichten einer Station (Unter-) St. Veit an der neuen S-Bahn-Verbindung Vorortelinie - Verbindungsbahn ("S46+"?) zwecks Umsteigen zur U4.
      Wobei mir auch eine Station Unter-St. Veit an der Verbindungsbahn (S80) im Bogen Richtung Hütteldorf möglich scheint.
      Die beiden Brücken sind in natura weniger als 50 Meter voneinander entfernt.
    • Besserer Umsteige-Bahnsteig zwischen U4 und S-Bahn in Wien-Hütteldorf.
      Das wäre zwar aus Kundensicht sinnvoll. Aber den Punkt stelle ich mir schwieriger vor, da es zwischen ÖBB und WienerLinien doch unterschiedliche Tarifsysteme gibt.
      Die betreffenden Kontrollen werden zwar heute praktisch fast nicht durchgeführt, sind aber doch rechtlich gegeben.

    Das Seilbahn-Projekt kommt mir recht verwegen vor.
    Möglicherweise hat man das vorgeschlagen, damit die Kritiker etwas wegdiskutieren können und die anderen Vorschläge durchgehen lassen.
    Der Gedanke klingt zwar etwas merkwürdig, habe ich aber öfters während meines Berufslebens so gehört.

    Wie dem auch immer sei. Es sieht so aus, als könnte die Wiener Stadtregierung punkto Verkehrsplanung noch manches ändern.

  • Möglicherweise hat man das vorgeschlagen, damit die Kritiker etwas wegdiskutieren können und die anderen Vorschläge durchgehen lassen.

    Das sehe ich ähnlich. Falls der Koalitionspartner den Vorschlag verwirft, wovon ich ausgehe, kann man diesem bequem die Schuld in die Schuhe schieben, dass lberal-pinke Zukunftsideen nicht umgesetzt werden können.

    Besserer Umsteige-Bahnsteig zwischen U4 und S-Bahn in Wien-Hütteldorf.
    Das wäre zwar aus Kundensicht sinnvoll. Aber den Punkt stelle ich mir schwieriger vor, da es zwischen ÖBB und WienerLinien doch unterschiedliche Tarifsysteme gibt.

    Das Problem sehe ich weniger als jenes der betrieblichen Umsetzung. Diese Lösung würde einen Gleiswechsel vor der Station Hütteldorf erfordern und dadurch ein Nadelöhr hervorrufen. Das ist ja auch der Grund, warum es grundsätzlich Wendegleise hinter den Stationen gibt. Der Stop-and-go-Verkehr vor der U4-Endstation Heiligenstadt in den HVZ vor dem Bau der dortigen Wendeanlage ist mir noch in schlechter Erinnerung.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor