Nachrichten von gestern

  • Ich habe auch zwei Fotos vom Kinowagen SR--5081 09-30 000-6 P gefunden.
    1044.87 mit EX 168 "Tirolerland" am 24.07.1983 in Hadersdorf-Weidlingau und ein
    Nachschuss am 06.03.1982 in Wien West-vermutlich Transalpin.

  • Vor über 90 Jahren, im Jahr 1930 musste die Wiener Neustädter Lokomotivfabrik, die damals zum Konzern der Österreichischen Credit-Anstalt gehörte, im Gefolge der Weltwirtschaftskrise zusperren. Dazu trug auch bei, dass der Auftrag zum Serien-Bau einer Schnellzug-Dampflok nicht nach Wiener Neustadt (Reihe 114), sondern nach Floridsdorf (Reihe 214) vergeben wurde. Die 114.01 war daher mit der Fabriksnummer 5817 die vorletzte in Wiener Neustadt gefertigte Lok.
    Das Foto unten zeigt sie im Jahr 1929 kurz nach ihrer Ablieferung. Vor der Lok haben sich die Führungsriege der Lokfabrik und Ministerialbeamte einschließlich des damals amtierenden Handels- und Verkehrsministers Hans Schürff versammelt:

    Foto: Sammlung Horn, aus: Eisenbahn-Heft 1/1978, S. 5.

    Die Lok war nur 20 Jahre im Einsatz. Nach dem Bruch des Mittelzylinders im August 1949 wurde sie abgestellt und im Jahr 1953 verschrottet.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Im August des Vorjahres habe ich es verabsäumt, im Thread über Eisenbahnunfälle und Jubiläen über den veheerenden Straßenbahnunfall auf der Linie 39 vor 60 Jahren in Wien zu berichten, weshalb ich dies nun nachhole und den Wikipedia-Link ins Forum stelle. Der Unfall vom 2. August 1960 forderte 20 oder 21 Tote und über 100 Verletzte. Die besondere Tragik an dem Unfall war, dass der schuldtragende Fahrer stark alkoholisiert war und 2,6 Promille intus hatte. Der Wert wurde von den Sachverständigen angezweifelt, da sie der Meinung waren, dass der Fahrer absolut fahruntauglich gewesen sein musste, weshalb die Bluproben mehrmals widerholt wurden, aber immer das gleiche Ergebnis zeigten. Der Fahrer befand sich ebenfalls unter den Toten.

    Das Foto zeigt die Unfallstelle an der Kreuzung Billrothstraße/Glatzgasse/Döblinger Hauptstraße. Der Tw K 2468 des Richtung Schottentor fahrenden Zuges liegt quer und sein Dach steckt bis zur Wagenmitte im Wagenkasten des entgegenkommenden K 2448. Der ebenfalls umgestürzte K 2448 begrub einen Pkw teilweise unter sich. Die meisten Opfer waren im K 2448 zu beklagen:

    Foto: Fritz Schaler sen., aus: Eisenbahn-Heft 9/1990, S. 172f.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Im April 1992 feierte die Eisenbahnergwerkschaft in Linz ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde die 1044 210 als Botschafterin für dieses Jubiläum auserkoren und wurde nach dem Entwurf eines westbahner Triebfahrzeugführers entsprechend beklebt (siehe Fotos unten). Damals fand man lobende Worte für die gelungene Gestaltung der Lok, aus heutiger Sicht schaut das Design reichlich hausbacken aus:


    Fotos: Wolfgang Hieger, aus: Eisenbahn-Heft 6/1992, S. 101.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Heute gibt es Nachrichten von gestern aus dem Piestingtal. Im Jahr 1971 errichtete der Papierkonzern Bunz & Biach in Ortmann eine neue Papierfabrik, für die ein in Großbritannien gebauter Trockenzylinder mit 4,6 m Durchmesser und 80 t Gewicht per Bahn angeliefert wurde.

    Der Transportweg des Zylinders war reichlich umständlich. Gebaut wurde der Zylinder bei der Fa. Beloit-Walmsley in Bury bei Manchester. Von dort ging der Transport per Lkw nach Liverpool, dann per Hochseeschiff nach Hamburg, dort Umladung auf ein Elbe-Binnenschiff. Mit diesem ging die Fahrt auf der Elbe bis Melnik nördlich von Prag. In Melnik erfolgte die Umladung auf einen Straßen-Tieflader, der die Fuhre nach Aschach an der Donau brachte. In Aschach wurde wiederum auf einen Binnenschiff verladen, mit dem es auf der Donau bis in den Alberner Hafen ging. In Albern wurde der Zylinder neuerlich auf einen Straßen-Tieflader verladen und mit diesem nach Wöllersdorf gebracht. Nachdem sich die Straße durch das Piestingtal für den Straßentransport als zu kurvenreich herausgestellt hatte, kam die Eisenbahn ins Spiel und nach rd. 3.380 km Transportweg mussten die letzten 20 km quasi als "letzte Meile" mit der Bahn zurückgelegt werden.

    Für den Bahntransport musste extra ein achtachsiger Schwerlastwagen aus Norddeutschland zugeführt werden, der über eine mittels E-Motoren seitenverschiebbare Ladebrücke verfügte. Bis Wöllersdorf hatte der Straßen-/Hochsee-/Binnenschiffs-/-Straßen-/Binnenschiffs-/Straßentransport 35 Tage gedauert. Nach der Umladung auf den Schwerlastwagen in Wöllersdorf begann der Bahntransport ins Piestingtal am 27. Januar 1971 mit der 152.1389 als Zuglok. An diesem Tag wurden die 7 km bis Oberpiesting in 56 Minuten zurückgelegt und der Transport für die Nacht hinterstellt.

    Das Foto zeigt die Fuhre zwischen Wöllersdorf und Oberpiesting:
    Foto: Pfeifer, aus: Eisenbahn-Heft 3/1971, S. 46

    Am 28. 1. 1971 legte der von der 2143.16 geführte Schwertransport die restlichen 13 km bis Ortmann in rund zweieinhalb Stunden zurück:

    Foto: Pfeifer, a. a. O.

    An manchen neuralgischen Punkten erwies sich die seitenverschiebbare Ladebrücke des Schwerlastwagens als vorteilhaft:
    Foto: Peter Seelmann, a. a. O.

    Der kombinierte Straßen-/Schiff-/Bahntransport über rund 3.400 km kostete rd. 1 Mio. öS. und dauerte 37 Tage.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Wer erinnert sich noch an die Polizei-Lok 1046 008, unten zu sehen im Bhf. Unter Purkersdorf? Die Lok war im Polizei-Design vor über 30 Jahren im Sommer 1990 unterwegs. Anlass für die Beklebung war keine Polizei-Werbung, sondern ihr Einsatz in einer Polizei-Parodie. In welcher, geht aus dem Bericht im Eisenbahn-Heft 10/1990, S. 190, leider nicht hervor. Ich vermute, es war in der Klamauk-Sendung Tohuwabohu, die zwischen 1990 und 1998 im ORF lief. Es kann aber auch der Kult-Krimi Kottan gewesen sein. Wer weiß Genaueres?

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Ich kann mich erinnern, dass es in den Neunzigerjahren einen Werbespot der ÖBB gegeben hat wo Polizeibeamte mit dieser "Polizeilok" einen zu schnell fahrenden Eurocity angehalten haben.

  • Es ging nach meiner Erinnerung darum, zu werben, wie schnell ÖBB-Züge fahren. "Schneller als die Polizei erlaubt".
    In einem Dreh wurde das Anhalten des EuroCty's durch die Polizei-Lok gezeigt. Im Bereich Unter-Purkersdorf.
    Die Szene soll relativ gewagt gewesen sein. Bei extra deaktivierten Sicherheitseinrichtungen.
    Aber dank routinerter und fähiger TfzF soll es bestens geklappt haben. :thumbup:

    Wenn ich nicht irre, hat sich allerdings ebenso in Unter-Purkersdorf Jahre später ein Unfall ereignet, bei dem der TfzF einer 4030-Garnitur ums Leben kam.
    An die schwer beschädigte 4030er Garnitur kann ich mich noch erinnern. Wir fuhren etwa zwei Tage später in einem EuroCity in bedächtigem Tempo an dem Wrack vorbei.
    Schlimm, das anzusehen. Sorry.

  • Danke für die Hinweise. Da führte die Zeitschrift Eisenbahn ihre Leser in die Irre. Denn dort heißt es, dass die Lok "einen Tag lang für einen Polizei-Klamaukfilm im Einsatz stand."

    dr. bahnsinn - der Forendoktor