Buchempfehlung: Anekdoten über die Bahn – mal ganz ohne Häme

  • Interessante Sitznachbarn, herrlich altmodische Speisewagen, großartiges Landschaftskino: Bahnfahren ist so viel mehr als nur ein Transport von A nach B. Eine „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ richtet sich an Menschen, die Eisenbahnen faszinieren.

    Jaroslav Rudis: „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“, Piper, 256 Seiten, 15 EuroJaroslav Rudis: „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“, Piper, 256 Seiten, 15 Euro

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  • Das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber der Rudiš ist super!

    Hab' das Buch "Winterbergs letzte Reise" gelesen - da reisen ein alter und ein junger Mann gemeinsam mit einem Baedeker "Österreich-Ungarn" von 1913 (also die Reise ist in der Gegenwart). Ganz köstlich.

  • Es gibt eine Lesung in St.Pölten:

    Nächster Halt für Jaroslav Rudiš: Cinema Paradiso St. Pölten. Der Autor kommt zu einer Lesung seines Buches „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ und erzählt im Vorhinein über seine Erfahrungen mit der Mariazellerbahn, was er am Zugfahren gar nicht mag und was er für die Zukunft geplant hat.

    Jaroslav Rudiš ist ein begnadeter Erzähler, und ein begeisterter Zugfahrer. Sein Großvater war Weichensteller, sein Onkel Fahrdienstleiter, sein Cousin Lokführer. Er selbst hat sich schon während seiner Kindheit in die Eisenbahn verliebt. „Doch dann habe ich eine Brille bekommen und Germanistik und Geschichte studiert“, erzählt er. In seinem Buch „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ nimmt Rudiš mit auf kurze und lange Reisen durch Mitteleuropa. Er berichtet von den Wäldern im Harz, dem Nachtzug durch Europa und den schönsten Bahnhöfen, die er je gesehen hat.

    Für ihn sind Bahnhöfe mehr als nur Verkehrsknotenpunkte; sie sind Kathedralen des Verkehrs, Orte mit einer reichen Geschichte und vielen unerzählten Geschichten. „Es sind Orte des Ankommens, des Trennens, ich frage mich oft, was dieser Bahnhof in den vergangenen 150 Jahren schon alles gesehen hat.“

    Rudiš' Liebe zur Eisenbahn geht jedoch weit über das bloße Reisen hinaus. Er betrachtet die Bahnstrecken als Lebensadern, die Mitteleuropa verbinden und prägen: „Die Eisenbahn hält Europa zusammen, es ist so ein europäisches Projekt." Eine der schönsten Zugstrecken in Europa ist für ihn die der Mariazellerbahn, mit der er auch schon öfter gefahren ist.

    Und er hofft darauf, dass auch im Autofahrerland Deutschland die Politik die Bedeutung der Eisenbahn erkennt und mehr Kapazitäten für Bahnstrecken schafft, anstatt Autobahnen zu bauen. Der Erfolg seines Buches auch dort würde ihn aber hoffnungsvoll stimmen.

    „Wenn es keinen Kaffee gibt, das macht mich traurig.“

    Rudiš' Buch ist nicht nur eine Hommage an die Eisenbahn, sondern auch an die Menschen, die sie nutzen. Er beschreibt die Faszination des Beobachtens und des Alleinseins in Bahnhöfen, oft kommt er am Abend, „wo man sich wirklich alles vorstellen kann, so viele Geschichten und Inspiration“. Ihn faszinieren Orte, die durch ihren Anschluss an die Bahn geprägt sind. Einer seiner Lieblingsbahnhöfe ist Selztal: „Der Bahnhof ist die absurde Sehenswürdigkeit des Ortes. Man kann sich dort wirklich stundenlang die Züge anschauen“ Die Ruhe die er dabei findet, nennt er Bahnmedidation.

    Auch Verspätungen oder verpasste Anschlüsse stören ihn nicht: „Das ist Zeit, die man geschenkt bekommt.“ Was ihn stört ist lediglich, wenn das Bordbistro nicht offen hat: „Wenn es keinen Kaffee gibt, das macht mich traurig.“ Schließlich ist das auch sein Lieblingsabteil. Besonders beeindruckt ist er von der Vielfalt der Speisewagen in Österreich, die ihm ermöglichen, den ganzen Tag kulinarisch zu reisen. Bevor er nach St. Pölten kommt, fährt er mit Freunden nach Graz um dort mit dem slowenischen Zug Emona zu fahren, denn „dort gibt es das beste Schnitzel.“

    Wenn er im Zug nicht isst oder liest, schreibt Rudiš. „Weite Teile von ,Winterbergs letzte Reise' sind im Zug entstanden.“ Die Fahrt beeinflusst das Schreiben, das Quietschen, die engen Kurven, das Ruckeln. Schienen verlaufen durch viele seiner literarischen Werke: Die U-Bahn in „Himmel unter Berlin“, die Prager Straßenbahn in „Die Stille in Prag“.

    Umso mehr hat er sich über das Angebot gefreut, eine Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen zu schreiben. „Eigentlich wollte ich eine für Bier schreiben. Aber das ist dann vielleicht mein nächstes Projekt.“ Wer mehr von Jaroslav Rudiš' Erzählungen und Einblicke in die Welt der Eisenbahnen erleben möchte, sollte sich die Lesung am Mittwoch, 27. September, um 20 Uhr, im Cinema Paradiso St. Pölten nicht entgehen lassen.


    https://www.noen.at/st-poelten/les…reise-387076372