Defekte Railjets

  • Gestern Abend wurde 1116 201 auf Höhe Loosdorf durch elektrisch-thermische Einwirkung (schadhafte Oberleitung) an der Front schwer beschädigt - die Haube ist stark in Mitleidenschaft gezogen, die beiden Frontfenster an den oberen Ecken zur Mitte hin abgeplatzt. Die Garnitur wurde anschließend nach Pöchlarn geschleppt - die Fahrgäste mussten fast 4 Stunden ausharren. Ob des vermutlich aufgetretenen Faraday'schen Käfigphänomens ist niemand auf die Idee gekommen, kurz 'mal frische Luft schnappen zu gehen... *FOTO*

  • Das muss einen ordentlichen Knall gegeben haben, der Tfzf hat sicher einen gehörigen Schreck bekommen.

    You, who are indifferent to the misery of others, it is not fitting that they should call you a human being. ~ Saadi Shirazi

  • Grundwissen: Personen im Innenraum eines Faraday-Käfig bleiben ungefährdet, weil die elektrische Feldstärke im Innenraum erheblich geringer ist als im Außenraum. Das Prinzip des faradayschen Käfigs findet auch Anwendung beim Blitzschutz für Gebäude. Hier ist er durch eine grobe Struktur aus Blitzableitern und geerdeten Gebäudeteilen angenähert. Das Ganze geht auch umgekehrt: Wird eine elektrische Entladung innerhalb eines faradayschen Käfigs erzeugt, bleiben dagegen Außenstehende ungefährdet.

    Zitat

    Bzw. natürlich, wie es zu einer Spannung gegen Erde kommen soll.

    Diese Frage solltest du dir schon selbst beantworten können! Hast du dich noch nie elektrisiert?

    Einmal editiert, zuletzt von donauuferbahn (15. August 2022 um 07:25)

  • Unter (Hoch)Spannung befindliche Fahrleitungsteile (zB gerissener Fahrdraht hängt herab, Tragseil oder Hilfstragseil ist intakt) kommen mit dem Lokkasten in Berührung, verursacht in weiterer Folge einen Kurzschluss (über die Räder und Schienen), Unterwerk merkt das (irgendwann einmal), und schaltet ab. Den Personen im Zug passiert nichts, faradayscher Käfig!

    Hier ein Schnappschuss aus Innsbruck. *FOTO* Ein ÖBB-Bediensteter ersuchte einen Lokführer, die Lok etwas nach vor (in die Sonne) zu stellen. Der Triebfahrzeugführer war jedoch über die Abschaltung des Stromes nach der Trennstelle nicht informiert. Folge dieses Ereignisses war, dass der gesamte Bahnhof Innsbruck einige Zeit (fahr)stromlos war. Es war auf alle Fälle ein Mordsknall!

    "Es brennt der Mast": Ein Kurzschluss hatte die Fahrleitung auf einer Länge von 400 Metern und in Folge das Schaltgerüst im Bahnhof Tauplitz zerstört. Insgesamt betrug der Sachschaden 30.000 Euro. *FOTO* In diesem Falle hat das Unterwerk nicht abgeschaltet, weil der Kurzschlussstrom noch unter der Maximalbelastbarkeit der Fahrleitung lag.

    Generell zu Kurzschlüssen: Stark vermaschte Fahrleitungsnetze werden normalerweise gegen Kurzschlüsse durch zweistufig gerichtete Impedanzrelais geschützt. Die erste Impedanzstufe aus Gründen der Selektivität auf 95% der Fahrleitungsimpedanz bis zur nächsten Kuppelstelle und die zweite Impedanzstufe auf 110% der Impedanz bis zum nächsten Unterwerk eingestellt. Da bei Kurzschlüssen im Nahbereich des Unterwerkes die Kurzschlussstromstärke sehr schnell stark ansteigt, ist eine sehr schnelle Abschaltung dieser Kurzschlüsse erforderlich, sobald die Stromstärke etwa 10kA übersteigt. Die Kommandozeit der ersten Impedanzstufe beträgt wegen des Richtungsentscheids und der Impedanzmessung etwa 30ms. Die Kurzschlüsse können daher erst nach 3 bis 4 Halbwellen (bei 16,7Hz) abgeschaltet werden. Daher hat man den Impedanzschutz durch ein ungerichtetes Überstromrelais ergänzt. Dessen Kommandozeit beträgt 5-10ms. Dadurch gelingt es, die Kurzschlussdauer im Nahbereich auf ein- bis zwei Halbwellen zu verringern. Fahrleitungskurzschlüsse entstehen z.B. durch Überschläge an Isolatoren bei Nebel und Gewittern, durch Vögel, durch schadhafte oder stark verschmutzte Isolatoren, durch Einfahren von elektrischen Triebfahrzeugen in geerdete Gruppen, durch Fehlschaltungen oder durch die Berührung gerissener Drähte oder Seile mit dem Erdboden.

    4 Mal editiert, zuletzt von donauuferbahn (15. August 2022 um 12:53)