Die Mariazellerbahn in alten Ansichten

  • Im Antiquariat Mauritz habe den Reiseführer "Niederösterreichische Alpenbahn (Mariazellerbahn)" aus dem Jahr 1908 gefunden. Auf der Titelseite ist man der Zeit bereits voraus, denn die Illustration zeigt einen Zug mit E-Lok (siehe unten), anscheinend im Zinkenabschnitt und mit dem Ötscher im Hintergrund. Zwar ohne Stromabnehmer, aber unverkennbar ein Lokkasten, wie er damals bei E-Loks üblich war und eine Fahrleitung mit zwei Drähten ist auch zu erkennen.
    Im Inneren gibt es zahlreiche Fotos aus der Zeit des Bahnbaus, die insofern interessant sind, als die Bauwerke auf Grund der fehlenden Vegetation noch gut zu erkennen sind. Leider sind die Informationen dazu spärlich, aber das ist wohl der Tatsache gechuldet, dass es sich um einen Reiseführer und nicht um ein Fachbuch über die Mzb handelt. Ich werde die Fotos hier nach und nach reinstellen:

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Beginnen wir in St. Pölten. Allerdings zeigt untenstehendes Bild nicht die Mariazellerbahn, sondern den Bahnhof der Kaiserin Elisabeth-Westbahn von Norden her. Links das Bahnhofsgebäude rechts das Gütermagazin. Die Mariazellerbahn begann damals noch vor dem Bahnhofsgebäude auf Straßenniveau, wurde aber bald darauf auf das Niveau der Westbahngleise verlegt, von wo sie auch heute noch abfährt. Die Stadt St. Pölten hatte damals (1908) laut Reiseführer rd. 12.300 Einwohner, war damit aber die einwohnerreichste Stadt entlang der Westbahn zwischen Wien und Linz:

    Das erste echte Mzb-Motiv findet sich erst nach knapp 39 km beim 98 m langen Weißenburgtunnel zwischen den Bahnhöfen Loich und Schwarzenbach bei der bereits im 12. Jh. urkundlich erwähnten Weißenburg. Die zwischenzeitlich verfallen gewesene und heute wieder bewohnte Burg befindet sich auf der anderen Talseite. Die heute gut ausgebaute B 39 war damals nicht viel mehr als ein Fahrweg:

    Den Bhf. Winterbach habe ich im Bahnhofsthread schon gepostet, aber hier ist er noch besser aufgehoben:

    Diese Szenerie bei Winterbach, nämlich der tiefe Einschnitt, ist mir nicht geläufig. Vielleicht weiß der Winterbachauskenner 2020.01, wo sich dieser befindet:

    Diese Panoramaaufnahme ist insofern besonders interessant, als sie heute auf Grund des Waldbestandes in dieser Form nicht mehr möglich ist. Sie zeigt einen Teil der Streckenentwicklung zwischen der Betriebsausweiche Oberbuchberg (km 53,8) und dem Bhf. Puchenstuben (km 61,0), beginnend mit der unteren Stufe am rechten Bildrand beim oberen Tunnelportal des 89 m langen Meierlbergtunnels (km 54,5). Anschließend führt die Strecke in einer 180°-Schleife Richtung Winterbach, um dann oberhalb wieder aufzutauchen. Zu sehen ist dann am linken Bildrand der 34 m lange Eierzeilgrabenviadukt in km 58,4 und am unteren Bildrand der 40 m lange Sturzgrabenviadukt in km 58,6:

    Der Sturzgrabenvadukt von unten. Das Wohngebäude im Vordergrund gibt es auch heute noch:

    Hier eine Nahaufnahme vom Sturzgrabenviadukt. Damals waren solche Aufnahmen noch möglich, heute bleiben diese schönen Bauwerke auf Grund des hohen Baumbestandes dem Betrachter weitestgehend verborgen:

    Der Bahnhof Puchenstuben von der anderen Talseite gesehen. Auch diese Aufnahme ist heute nicht mehr möglich:

    Demnächst geht es weiter!

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Diese Szenerie bei Winterbach, nämlich der tiefe Einschnitt, ist mir nicht geläufig. Vielleicht weiß der Winterbachauskenner 2020.01, wo sich dieser befindet:

    Interessant, am Berg am Bild stand damals schon ein (Sende?-)Mast, schwer zu sagen ob das der Berg ist, auf dem heute der Mobilfunk- und BOS-Mast steht. Sonst könnte es dort sein, von wo man vom Hotel aus den Zug bergwärts fahren sieht, bevor er dann wieder für eine knappe Minute verschwindet, ehe er Winterbach erreicht. Für nach dem Hotel Winterbach Richtung Mariazell ist mir die Mauer zu hoch.

    Eine Führerstandsmitfahrt mit aufmerksamer Streckenbeobachtung wäre da jetzt ideal. ;)

    LG 2020.01

    Der Schienenverkehr wird durch Schienenersatzverkehr ersetzt.

  • Interessant, am Berg am Bild stand damals schon ein (Sende?-)Mast, ...

    Sendemast sicher nicht, Funk steckte damals noch in den Kinderschuhen.
    Ich würde auf einen Telegrafenmasten tippen, kann allerdings keine Drähte erkennen...

    Oder eine Art Vermessungszeichen, das beim Bahnbau vonnöten war...?

  • Zitat von dr. bahnsinn

    Damals waren solche Aufnahmen noch möglich, heute bleiben diese schönen Bauwerke auf Grund des hohen Baumbestandes dem Betrachter weitestgehend verborgen:

    Außerdem wurden die Bruchstein-Mauerwerke meisten Viadukte durch Spritzbeton "verschönert".

  • Eine Postkarte des "Deutschen Schulvereins" aus jener Zeit.

    Deckt sich in etwa mit der Darstellung auf der Umschlagseite des Reiseführers im Eröffnungsbeitrag, insbesondere die Ötscherdarstellung im Hintergrund. Wenn man die Größenverhältnisse von Viaduktgeländer und Tunnelportal miteinander vergleicht, dann ist der Tunnel mehr Mausloch als Eisenbahntunnel. :D

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Bevor es in Richtung Gösing weitergeht, noch ein Bild aus Puchenstuben aus dem Winter 1905/06, als es im Ötscherland noch richtige Winter gab:

    Der in Bau befindliche Gösing-Tunnels (2.389 m) beim Südportal:

    Idylle mit Schifahrer, Bahnhof Gösing, Alpenhotel Gösing und Ötscher im Hintergrund. Das heutige Alpenhotel war während des Bahnbaus die Unterkunft für die beim Bahnbau tätigen Ingenieure. Das Hotel wurde erst 1922 eröffnet:

    Gösinggrabenviadukt (84 m) in Str.-km 68,3 und der 46 m lange Ameiskogel-Tunnel in Str.-km 68,4.

    Der 116 m lange Saugrabenviadukt in Str.-km 71 kurz vor dem Bahnhof Annaberg:

    Wintersport in Annaberg mit Ötscher im Hintergrund:

    Demnächst geht’s weiter!

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Diese Szenerie bei Winterbach, nämlich der tiefe Einschnitt, ist mir nicht geläufig. Vielleicht weiß der Winterbachauskenner 2020.01, wo sich dieser befindet:


    Hab mal nebenbei eine Führerstandsmitfahrt laufen lassen, ist wohl beim Stottenriegel: https://www.youtube.com/watch?v=CbRvCmSsBqA&t=685s (der Tunnel etwas später heißt Stettenriegel...)

    Im Modellbahnmuseum hängt wohl die Fotografie davon. (beim Bild von 4090 und Himmelstreppe durchblättern: https://www.niederoesterreich-card.at/von-grossen-und-kleinen-zuegen)

  • Ja, das dürfte der oben dargestellte Einschnitt sein. Da das Bild im Reiseführer erst nach dem Bahnhof Winterbach aufscheint, war ich der Meinung, dass sich der Einschnitt zwischen Winterbach und Puchenstuben befindet.

    Hab mal nebenbei eine Führerstandsmitfahrt laufen lassen, ist wohl beim Stottenriegel

    Der Bergrücken heißt laut NÖ Atlas "Stöttenriegel". Die unterschiedliche Schreibweise von Stötten und Stetten rührt wahrscheinlich daher, dass diese Ortsbezeichnungen früher nur mündlich weitergegeben wurden und als man dann begann, sie auf Karten zu verorten, unterschiedlich geschrieben wurden. Der Graben, über den der Sturzgrabenviadukt (siehe Bild weiter oben) führt, wird im Reiseführer auch als "Stockgraben" bezeichnet.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor