[WL] Kleine Ursache, große Wirkung

  • Unfreiwilliges Stehenbleiben unter dem Streckentrenner. Was früher mittels Muskelkraft in wenigen Minuten erledigt werden konnte, erfordert heute das Ausrücken eines Rüstwagens. Der Bericht über den sich gestern zugetragenen Vorfall wurde mir zugespielt:

    Kleine Ursachen …
    „Wegen eines schadhaften Fahrzeuges sind die Linien D und 71 in Fahrtrichtung Nußdorf beziehungsweise Börse fahrtbehindert“ – so die lakonische, am Sonntag, dem 29. Mai 2022, um 15.23 Uhr nach vorgegebenem Text eingespielte Durchsage an den Haltestellen der betreffenden Linien. Ursache war aber nicht ein Schaden an einem Fahrzeug, sondern die Gleisbaustelle am Schwarzenbergplatz, weshalb der B 673 auf der Linie D vor dem Abbiegen in den Kärntner Ring noch einmal kurz anhalten musste. Daraus wurde dann aber über eine halbe Stunde. Der Wagen stand nämlich mit der Stromabnehmerpalette exakt unter dem Streckentrenner. Wo sind die Zeiten, als sowas ganz einfach war: Folgezug abwarten, Bremse lösen, ein kurzer „Schubser“ durch den Folgezug. Nicht aber bei modernen, hochtechnisierten Fahrzeugen. Nachdem ein „Aufsichtlicher“ (früher als „Schwarzkappler“ tituliert) vergeblich versucht hatte, den ULF mit eigener Muskelkraft ein paar Zentimeter zurückzuschieben, konnte nur der aus Favoriten herbeigerufene Rüstwagen helfen.

    Dieser rückte mit vollständiger Mannschaft an, die sich sogleich an die Problemlösung machte: Zunächst musste an jedem einzelnen der Gelenk- oder Antriebsporttale etwas deaktiviert werden, also beidseitig insgesamt zwölf Mal. Inzwischen war auch eine Kuppelstange herbeigeschafft worden, womit der Folgezug – der B1 756 auf der Linie 71 – mit dem unter dem Trenner stehenden Wagen verkuppelt werden konnte. Nun ein kleiner Schritt vorwärts, und der B 673 stand wieder unter Strom. Dann alles wieder zurück – also nochmals die zwölf Kasterln an den Gelenkporteilen aufgesperrt, der Wagen damit wieder betriebsbereit gemacht, und die Kuppelstange wieder in den Rüstwagen zurückgebracht. Um 15.54 Uhr konnte der B 673 endlich seine Fahrt in Richtung Nußdorf fortsetzen. Wobei ich freilich nicht mitbekommen habe, ob man ihn nicht vielleicht doch an der Augasse oder an der Börse kurzgeführt hat. Sowas wird ja sehr spontan entschieden.
    Inzwischen hat der zuständige Disponent in der Zentralen Leitstelle überraschend reagiert: Ab 15.39 Uhr sollte die Linie in die Äste Absberggasse – Quartier Belvedere (sprich: St. Marx) und Börse – Nußdorf geteilt, die Linie 71 aber ab der Haltestelle Rennweg über die Linie O, den Julius-Raab-Platz und den Stubenring etc umgeleitet werden. Allerdings war dieser Teil der Strecke am Ring ja wegen der Gleisbauarbeiten am Schwarzenbergplatz gesperrt. Die DFI in der Haltestelle Nr. 12 Schwarzenbergplatz (Innengleis am Schubertring), kündigte ungeachtet dessen in 14 Minuten (kontinuierlich herunterzählend) einen Niederflurzug der Linie 71 an.

    Nachdem das Problem mit dem B 673 gelöst war, also mit einem gerade daherkommenden 2er zur Urania gefahren, wo wirklich der D 301 am 71er mit der Zielanzeige „Börse“ daherkam – und auch tatsächlich über den Kai dorthin weiterfuhr. Wohin auch sonst ...

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Ein Vereinskollege hat neulich erzählt dass vor Jahr(zehnt)en in solchen Fällen der nachfolgende Bus ein wenig angeschoben hat und dann gings wieder...!

    Allerdings waren damals eher selten "schafhafte" Fahrzeuge involviert... :)

  • Schafhafte Fahrzeuge ... naja, kann schon sein, daß eine Bahn schafhaft ist.

    Der Schienenverkehr wird durch Schienenersatzverkehr meist schlecht oder garnicht ersetzt.

  • Was wohl an den Fahrmotoren gemacht wurde? Ich gehe davon aus, dass das das korrekte Vorgehen ist. Andererseits stellt sich die Frage, hätte der nachfolgende ULF angeschoben (im schlimmsten Fall hätten wohl die Räder blockiert), ob es eine reale Gefahr für einen Schaden gegeben hätte. Auf den paar cm wohl kaum. (Ich verstehe natürlich absolut, dass das niemand auf seine Kappe nehmen möchte)

  • Waren keine Fahrgäste an Bord, die beim Anschieben helfen hätten können?

    Das wirst heutzutage wahrscheinlich gar nicht mehr fragen dürfen, ob jemand betriebsfremder Hand anlegen darf. Und wenn doch und danach einer kommt, weil ihm nach dem Helfen der kleine Finger leicht juckt, dann haben die WL wieder den Scherben auf. Abgesehen und der Publicity in Heute & Co

  • Gabs mal beim Meridian: https://www.derstandard.at/story/13926859…irol-anschieben wie die ganze Geschichte ausging, ist mir nicht bekannt. (Wenn ich das Video richtig deute, sprang der Lokführer - zumindest jemand mit WW - erst auf den wieder rollenden Zug auf, kommt auch nicht so gut)

    Bevor ich Stunden auf eine Lösung warten müsste, würde ich als Reisender auch anschieben. Dass zumindest der Betriebsleiter im Quadrat springt, ist natürlich selbstredend.

  • Gabs mal beim Meridian

    Über diesen Vorfall wurde hier im Forum ausführlich diskutiert

    .....wie die ganze Geschichte ausging, ist mir nicht bekannt.

    Der Tfzf., der für einen Kollegen eingesprungen war, war zudem Meridian-Betriebsleiter. Er wurde vom Dienst suspendiert. Nachzulesen im obigen Link, Beitrag Nr. 27.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor