Zum Mittagessen von Wien nach Rijeka (oB)

  • Werte Gemeinde!

    Letzte Woche habe ich meinen Ausflug mit Regiojet nach Rijeka gemacht und möchte euch gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen:
    Von Wien ging es unspektakulär und pünktlich mit dem planmäßigen REX nach Bratislava. Dort war RJ mit 30 Minuten Verspätung angeschrieben, die Wartezeit vertrieb ich mir mit einem Bier in der Reste.
    Der Zug kam dann mit + 35. Ich hatte ein Liegewagen-Abteil zur Alleinbenutzung, das Fenster konnte geöffnet werden, es war einigermaßen sauber, die Steckdosen für das Handy-Ladegerät funktionierten nicht, das WLAN war passabel.
    Ich schlief ein wenig, hatte aber nie den Eindruck, dass der Zug irgendwo lange stand, trotzdem hatte sich die Verspätung bis zur Grenze Ungarn-Kroatien auf 3 Stunden ausgewachsen.
    Dort folgte - gegen sechs Uhr früh - Verspätung sei dank - eine extrem luxuriöse ungarische Grenzkontrolle (insgesamt hatten drei Polizist:innen meinen Pass in der Hand) sowie eine tiefentspannte kroatische. Der Zug passierte dann den martialischen ungarischen Grenzzaun und erreichte Zagreb. Im Fahrplan ist dort ein Halt von etwa 15 Minuten angegeben. Da Planerfüllung höchste Pflicht des Werktätigen ist und Planübererfüllung überhaupt das Paradies darstellt, standen wir dort ohne ersichtlichen Grund eine gute halbe Stunde.
    Für 8 Uhr 30 war die Öffnung des Buffetwagens angekündigt; als ich mich gegen 8 Uhr 40 dort einfand, waren alle Luken dicht. Ein Wagenbetreuer ist für drei Wagen zuständig, so ist das Service eher überschaubar. Es gab einen Pappbecher Kaffee und ein Croissant. Nach zwei Stunden kam der Bursche noch einmal, ich orderte ein Kofola und noch ein Croissant. Dann ward er nicht mehr gesehen, obwohl wir noch Stunden bis Rijeka brauchten.
    Zwischendurch kamen jede Menge Durchsagen - alle nur auf Tschechisch. Zum Glück war ich gewarnt, dass bei größeren Verspätungen der Zugteil nach Split in Ogulin endet und durch Busse ersetzt wird. So konnte ich mir zusammenreimen, worum es dabei ging. Ansonsten wäre ich wohl etwas unentspannt gewesen.
    In Ogulin wurde der Zugteil nach Split abgehängt und die dortigen Reisenden stiegen aus. Bei uns ging es einigermaßen "zügig" weiter (v/max auf weiten Strecken 40 km/h), sodass wir Rijeka schlussendlich mit einer Verspätung von 2 1/2 Stunden erreichten. Der letzte Abschnitt der Strecke ist echt spektakulär, wenn sich der Zug über Rampen dem Meer entgegen windet und man unter und ober sich folgende bzw. Gegenzüge sieht, die sich wie eine Märklin Bahn ausnehmen.
    (OT: Dort gibt es aber ein komisches Eck, wo sich meine beiden Samsung Android Handys aufgehängt haben. Es war nicht mehr möglich, sich in ein Netz einzuloggen, weder automatisch noch manuell. Nur durch ausschalten und wieder einschalten war es möglich, wieder eine Telefonverbindung herzustellen. Das ging auch nur beim privaten Handy. Beim Firmenhandy war das nicht möglich; es meinte, es brauche eine Netzwerkverbindung, um sich ausschalten zu lassen. So blieb mir dann nur mehr, das Handy brachial durch dauernde Nutzung der Taschenlampe zu entladen um es dann neu aufgeladen wieder in Betrieb zu nehmen.)
    Ich sah dort zwei Güterzüge mit Tankwaggons, die mit ÖBB Loks bespannt waren. Es waren dies je eine Taurus und Vectron. Frage: Auf welchem Laufweg fahren diese Züge? Ich dachte, die Züge von Österreich nach Rijeka fahren über Pivka und diese Strecke ist zur Zeit offen.

    (OT: In Rijeka am Bahnhof erwartete mich meine Frau und brachte mich nach Opatija, wo ich einigermaßen verspätet mit ihr und meiner Mutter aus Anlass letzterer 95. Geburtstag essen ging. Dann versenkte ich mich noch in den Fluten des adriatischen Ozeans und nach einem kurzen Kaffee war es schon wieder Zeit, an die Heimfahrt zu schreiten. Meine Frau brachte mich wieder nach Rijeka. Dort am Bahnhof ist nicht viel los. Es gibt aber eine Reste. Und diese Reste hat ihre eigene Brauerei im Bahnhofsgebäude. So ein Bahnhofsbier musste ich natürlich ausprobieren - aus rein medizinischen Gründen, um mir die Bettschwere für die Heimfahrt zu besorgen. ;) )

    Der Zug wurde etwa 20 Minuten vor der Abfahrt bereitgestellt. Da waren aber noch alle Wagentüren verschlossen. Erst etwa 10 Minuten vor der Abfahrt schlenderte ein Steward tiefentspannt dem Zug entlang und sperrte die Türen auf. Zuvor hatte ich schon eine Schrecksekunde. "Mein" Wagen 12 war nicht zwischen Wagen 11 und 13 gereiht, wo er sich laut Plan hätte befinden sollen. Er befand sich vielmehr ganz am Zugschluss.
    Dieser Wagen war ein Zustand:
    Beide WC und die Waschräume defekt und außer Betrieb. Auch im Wagen nebenan war das hintere WC außer Betrieb; der Klogang wurde sohin zur Wanderung.
    Eine Außentüre war defekt und abgesperrt.
    Der Wagen war extrem dreckig. Auf dem Oberbett in meinem Abteil klebte der Staub millimeterdick.
    Und das steilste: In meinem Abteil stak das Fensterglas verzogen im Rahmen des Übersetzfensters. Wie man so etwas erreicht, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls konnte das Fenster weder ganz geschlossen werden - ein Spalt blieb immer offen - noch geöffnet - durch das verzogene Glas war offenbar auch der Rahmen verzogen, sodass er festsaß. Das Öffnen hatte vor mir schon jemand mit brachialer Gewalt versucht - ein Griff des Fensters war abgerissen.
    In der Nacht hörte ich vom Bremszylinder, der sich direkt unter meinem Abteil befand, diverse Geräusche, die nicht sehr vertrauenserweckend klangen.
    Kurzum, ich hatte die begründete Sorge, dass einer der in Kroatien und Ungarn noch häufig anzutreffenden Wagenmeister den Wagen näher in Augenschein nimmt - er wäre ein heißer Kandidat gewesen, rot bezettelt zu werden.
    Frage: Dieser Wagen ist in Österreich registriert - er hatte eine A Wagennummer. Gibt es bei uns noch irgendeine Stelle, die sich um das Ding kümmert - auch wenn es bei einem tschechischen EVU eingesetzt ist und Österreich umfährt? Ich hätte gute Lust, wenn es so eine Behörde gibt, jene auf dieses "unter österreichischer fahrende" Wrack aufmerksam zu machen.
    Die Abfahrt in Rijeka erfolgte auf die Minute pünktlich, es ging wieder über die eindrucksvolle Stecke - leider konnte ich das Fenster nicht öffnen - und das eigenartige Funkloch nach Ogulin. Dort wurde 2 Stunden lang verschoben. Keine Ahnung, was die da genau machten, jedenfalls ging es hin und her, her und hin. Am nächsten Morgen beim Aussteigen sah ich, dass beim Zugteil aus Split die Wagen komplett durcheinander gereiht waren und nicht mehr in der normalen Reihenfolge 1 - 8. Warum das gemacht wurde und warum das nicht während der Standzeit des Zugteiles in Ogulin durchgeführt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Jedenfalls ging es mit zwei Stunden Verspätung weiter. Diese behielt der Zug konstant bis Bratislava bei.
    Gegen 4 Uhr früh gab es wieder eine tiefentspannte kroatische - "Ah Austria, passt." - und eine kernige ungarische Grenzkontrolle - das Lesegerät konnte beim ersten Versuch meinen Pass nicht erkennen, ich sah mich schon mit einem Achter in einem ungarischen Kerker verschwinden.
    Der Zug sott extrem langsam durch die Gegend und hielt bei vielen Stationen. Also dachte ich mir: "Steig in Szombathely aus und nimm die Raaberbahn über Sopron." Denkste - genau dort fuhr er durch um im nächsten Kaff anzuhalten. Meine nächste Hoffnung war Hegyeshalom, von wo stündlich Railjets nach Wien fahren. Natürlich fuhren wir dort auch durch, um in Raijka in the middle of nowhere stehenzubleiben. Und dann zum Schluss noch Petrzalka; ich sah am Bahnsteig nebenan die Schnellbahn nach Wien stehen und wir rollten langsam, aber doch in steter Bewegung durch den Bahnhof.
    Also musste ich mir noch die Stadtrundfahrt bis zum Hauptbahnhof geben, wo wir mit ziemlich genau zwei Stunden Verspätung gegen 10 Uhr 30 ankamen.
    Am Morgen war die Stewardesse mit Croissant und Kaffee durchgegangen. Kurz vor Bratislava kam sie noch einmal, da habe ich mir nichts mehr geordert - sie hat die Bestellungen ausgeliefert, als der Zug in Bratislava einfuhr.
    Ich hatte einen schlanken Anschluss zum REX nach Wien, habe mich die gesamte Fahrt hindurch auf den Anker am Hauptbahnhof gefreut und diesen Vorsatz nach der pünktlichen Ankunft auch konsequent umgesetzt.

    Fazit:
    Bislang kannte ich RJ von Fahrten nach Praha und Brno und war dort eigentlich immer stets zufrieden gewesen.
    Dieser Ausflug war ein ziemliches Fiasko - ich werde mit diesem EVU so bald nicht mehr fahren.
    Meine kleine Tochter ist eben in Kroatien, sie hat überlegt, mit diesem Zug heimzufahren, ich habe ihr dringend abgeraten.

    Ich weiß nicht, welche Erfahrungen andere User mit RJ 1220 und 1221 gemacht haben; ich war jedenfalls enttäuscht.

  • Danke für den interessanten Reisebericht. Scheint nicht besonders empfehlenswert zu sein. Nach Prag und Budapest aber allemal perfekter Service. Ich werde jedenfalls meine Bahnreise Split nach Wien mit HŽPP und ÖBB tagsüber unternehmen.

  • Ebenfalls ein Danke von mir. Wäre ineressant zu erfahren, ob du mit den Verspätungen bei der Hin- und Rückreise einfach nur Pech gehabt hast oder ob das eher die Regel als die Ausnahme ist.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Danke für dein Feedback!
    In den Tagen vor meinem Ausflug habe ich mir die Meldungen von RJ angesehen.
    Die Züge sind regelmäßig heftig verspätet. Der Zugteil nach Split wird regelmäßig ab Ogulin mit Bussen gefahren, da wegen der Verspätung die Wendezeit nicht eingehalten werden kann.
    Letztes Jahr war es ebenso. Da fuhr der Zug über Budapest. Heuer fährt er über Szombathely, das scheint aber keine Besserung gebracht zu haben.
    Wie es dazu kommt ist mir schleierhaft, die Fahrzeit ist extrem entspannt.

  • wenn man wenigstens bis Knin fahren würde (auch aus Kostengründen, man spart ja Buskilometer)

    Wahrscheinlich fürchtet man, auf der Lika-Bahn auf Grund ihres schlechten Zustandes noch mehr Verspätung aufzureißen, sodass sich dann die Wende in Knin auch nicht mehr ausgeht.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Oder man hat keine Trasse frei (wegen der zu geringen Anzahl an Ausweichmöglichkeiten).

    Das kommt mir auch so vor, da die gesamte Strecke eingleisig ist und der ICN520 um 8:31 in Split abfährt.
    Da wird sich das bei einer Verspätung mit den Ausweichen nicht mehr ausgehen.

  • Der Zug sott extrem langsam durch die Gegend und hielt bei vielen Stationen. Also dachte ich mir: "Steig in Szombathely aus und nimm die Raaberbahn über Sopron." Denkste - genau dort fuhr er durch um im nächsten Kaff anzuhalten. Meine nächste Hoffnung war Hegyeshalom, von wo stündlich Railjets nach Wien fahren. Natürlich fuhren wir dort auch durch, um in Raijka in the middle of nowhere stehenzubleiben. Und dann zum Schluss noch Petrzalka; ich sah am Bahnsteig nebenan die Schnellbahn nach Wien stehen und wir rollten langsam, aber doch in steter Bewegung durch den Bahnhof.

    Auf gut Deutsch gesagt, dass Du ja nicht in die Konkurenz einsteigst ...

    Danke für den interessanten Reisebericht.

    Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.