Bahnhof Hallstatt: „Zugstation für Weltkulturerbe total unwürdig“

  • Die (nicht vorhandene) WC-Situation am Bahnhof Hallstatt haben wir ja schon eingehend diskutiert:

    Nun greift auch die Kronenzeitung das Thema auf:

    Bahnhof Hallstatt - „Zugstation für Weltkulturerbe total unwürdig“

    Immer mehr Touristen reisen mit den Zug und Schiff nach Hallstatt an. Der Kapitän der „MS Stefanie“ beklagt aber die veraltete Bahnstation, die keine Toilette und einen viel zu engen und gefährlichen Bahnsteig hat.

    Seit 1989 pendelt Kapitän Severin Schenner mit der „MS Stefanie“ zwischen dem Hallstätter Ortskern und der Bahnstation Hallstatt. Von 6.30 Uhr bis 19 Uhr geht es täglich insgesamt 18-mal von einem zum anderen Seeufer. Während in der Vergangenheit auf dem Schiff viele der 130 Plätze leer blieben, herrscht nun sehr oft dichtes Gedränge. „Seit 2010 und dem Boom mit den Gästen aus Asien gehen die Zahlen stark nach oben. Das Klimaticket wirkt sich mittlerweile auch schon sehr positiv aus“, erzählt der Kapitän. 

    Über einzigen Bahnsteig führt ein Radweg

    Die Freude darüber trüben die vielen Mängel bei der Bahnstation. „Absolut unwürdig für eine Tourismus-Region mit internationalem Format und dem Prädikat Weltkulturerbe“, kritisiert Schenner. Er zählt eine Reihe von Missständen auf: Das Gebäude ist seit Jahren nicht modernisiert worden, eine Toilette gibt es nicht, der Warteraum ist abgesperrt. „Einzigartig in ganz Österreich ist wohl, dass ein Radweg über den engen Bahnsteig führt. Es ist zwar eine Schiebestrecke, aber den Radfahrer möchte ich sehen, der absteigt“, blickt der Kapitän neidisch ins nahe gelegene Obertraun. Dort wurde der Zughalt Obertraun-Koppenbrüllerhöhle erneuert. „Im Gegensatz zu Hallstatt ist dort nur in den Sommermonaten richtig viel los. Dennoch sieht die Station wie ein Flughafenterminal aus. Das ist auch in Ordnung. Jetzt muss aber auch in Hallstatt etwas passieren.“

    Im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr 2024 wünscht er sich einen runden Tisch mit allen Verantwortlichen. „Die ÖBB können nicht so tun, als ginge sie das alles nichts an. Auch wenn das Gebäude nicht ihnen gehört, es sind ihre Fahrgäste. Die Schifffahrt hat auch die Beleuchtung des Weges von der Bahnstation bis zur Anlegestelle erneuert und finanziert.“ 

    Fast ein Monat kein Schiffsverkehr

    Ab 6. Februar wird nun auch die Schiffsanlegestelle auf Vordermann gebracht. Bis Ende des Monats fahren keine Schiffe. Die Zugfahrer müssen in Steeg-Gosau oder in Obertraun-Dachsteinhöhlen den Postbus nehmen, um nach Hallstatt zu gelangen. 

    Anmerkung meinerseits:

    Der winzige Warteraum mit dem Fahrkartenautomat drinnen ist sehr wohl offen, aber da haben drei oder vier Personen Platz...

    Anbei noch ein paar Fotos vom Sonntag:

    Trotz Winterwetter waren eine ganze Mange Touristen unterwegs. Die Mauern dürften die des ehemaligen Gasthauses sein - ausschauen tut das alles nicht schön!

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    Blick auf sie Schiffsstation:

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    Am Bahnsteig. Es ist nicht so, dass die Radfahrer quer übern Bahnsteig rasen, der Wanderweg/Radweg verläuft rechts von der Kette. Einen Durchlass gibt es sogar.

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  • Kapitän Schenner hat hier mitgelesen und hat sich mit ein paar ergänzenden Informationen ans Forum gewandt.

    Hier zwei Fotos von der Situation des Radwegs übern Bahnsteig:

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    Deutlich sieht man die Markierung des Radwegs mitten übern Bahnsteig, optimal ist das wirklich nicht!

    Danke für die Fotos!

    Jedenfalls ist die Situation einem Weltkulturerbe wirklich nicht würdig...

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    In einem weiteren Punkt muss ich mich korrigieren:

    Die von mir als Reste eines Gasthauses deklarierten Mauern sind die „Überreste“ des Betriebsgebäudes der Firma KAINZ (1899-1963), ein Gasthaus/Ausschank dgl. gab es an dieser Stelle nie! (das habe ich bzw. meine Quelle im Internet wohl mit dem Restaurationsbetrieb bei der Haltestelle verwechselt)

    Über die Geschichte der Schiffahrt am Hallstättersee haben die OÖ Nachrichten (im Jahr 2012) einen netten Artikel geschrieben:

    Vor 150 Jahren fuhr zum ersten Mal ein Personenschiff am Fuß des Dachsteins
    HALLSTATT. Eine neue Sonderausstellung im Welterbemuseum Hallstatt widmet sich der Geschichte der Schifffahrt auf dem Hallstättersee. Die Schau, die am Sonntag…
    www.nachrichten.at
  • Was sollen die ÖBB machen? Es ist ein Bahnhof mitten in der Botanik.

    Viele Bahnhöfe haben keine Toiletten und keine Warteräume mehr.

    Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.

  • Es ist ein Bahnhof mitten in der Botanik.

    Gerade deshalb ist ein WC besonders wichtig. Der Verweis, dass sich die umgebende Botanik zum Blasenerleichtern anböte, zieht nicht. Erstens hat das weibliche Geschlecht damit so seine Probleme, zweitens auch ein Teil des männlichen Geschlechts und drittens macht man sich genaugenommen auch strafbar (siehe Strafe gegen den Pinkelprinz Ernst August von Hannover).

    Dass da nichts weitergeht, ist wieder einmal ein typisch österreichisches Kompetenz-Hin-und-her-Schieben zwischen den involvierten Gebietskörperschaften. Hallstatt schiebt die Verantwortung nach Obertraun, da dessen Gemeindegebiet, Obertraun schiebt sie nach Hallstatt, da Hauptnutznießer und Land OÖ. und ÖBB bleiben untätig, solange die Kompetenzstreitereien zwischen den Gemeinden nicht geklärt sind.

    Fazit: Stillstand bis zum Sanktnimmerleinstag.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Der Radweg widerspricht wohl jeglicher Richtlinie.

    Was sollen die ÖBB machen?

    In meinen Augen die ÖBB (fast) nichts. Hier geht es um einen touristisch genutzten "Knoten", das sollte im Interesse des Tourismusverbandes und Landes sein. Aber hier zeigt sich wieder mal, dass die Politik nichtmal auf die Idee kommt, dass Touristen öffentlich unterwegs sind und sie dazu keinen Bezug haben. Aber gerade bei den Asiaten, bei denen ein Besuch in Halstatt "Pflicht" ist, wird die Bahn oft genutzt.

  • Eh. Zumal die Anreise per Bahn halt schon auch wirklich schön ist und die Überfahrt mit dem Schiff einen tollen Ausblick auf Hallstatt bietet! Die fahren sogar extra einen kleinen Umweg, damit man schöne Fotos machen kann.

  • Leider großteils hinter der Bezahlschranke der OÖ Nachrichten, aber es köchelt wieder:

    Hallstatt will, dass sein Bahnhof eigenes Gemeindegebiet wird

    Von Edmund Brandner, 22. Jänner 2024 15:56 Uhr

    Trostlose Verhältnisse beim Bahnhof Hallstatt Bild: privat (APA/BARBARA GINDL)

    HALLSTATT, OBERTRAUN. Bürgermeister Scheutz schlägt Obertraun einen Gebietsabtausch vor.

    Wer mit dem Zug nach Hallstatt fährt, muss an der ÖBB-Haltestelle Hallstatt in ein Schiff umsteigen. Der Grund: Die Station liegt am Ostufer des Hallstättersees, auf Obertrauner Gemeindegebiet. An einem durchschnittlichen Tag kommen hier etwas mehr als 1000 Touristen an. Die Zahl steigt aber seit Jahren. Manchmal steigen so viele Gäste aus, dass gar nicht alle auf das Schiff passen. Ein Teil der Fahrgäste muss dann eine Stunde lang auf das nächste Schiff warten.

    Hallstatt will, dass sein Bahnhof eigenes Gemeindegebiet wird
    HALLSTATT, OBERTRAUN. Bürgermeister Scheutz schlägt Obertraun einen Gebietsabtausch vor.
    www.nachrichten.at
  • Manchmal steigen so viele Gäste aus, dass gar nicht alle auf das Schiff passen.

    Das Problem ließe sich aber auch ohne Gebietstausch lösen, indem man ein zweites Mal fährt und die Gäste nicht eine Stunde warten lässt. Die zweite Fahrt könnte ja die Gemeinde Hallstatt finanzieren.
    Die Gemeinde Obertraun hätte wahrscheinlich auch nichts dagegen, dass ein Hallstätter Gemeindemitarbeiter den Mist wegräumt. Dazu brauche ich keinen Gebietstausch zwischen den Gemeinden mit erheblichem bürokratischem Aufwand bis auf Landesebene.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor