[Spanien] Probleme in Madrids U-Bahn-Netz: "Das ist wie ein Tsunami"

  • Weil die Stadtregierung schnell prestigeträchtige U-Bahn-Kilometer verkaufen wollte, stehen nun viele Bewohnerinnen und Bewohner eines Vororts vor verlorenen Existenzen

    Reportage / Reiner Wandler aus San Fernando de Henares

    3. März 2023, 12:00

    Den vergangenen 3. Jänner wird Nines Garoz so schnell nicht vergessen. Die 65-Jährige, die im Speisesaal einer Grundschule arbeitet, genoss ihren Feierabend. Es war gegen 16 Uhr. Sie saß vor dem Fernseher. "Die Nachrichten waren gerade gelaufen, da hörte ich einen fürchterlichen Lärm, der Boden bebte", berichtet sie. Garoz versuchte, so schnell wie möglich ihre Souterrainwohnung zu verlassen. "Doch die Tür ließ sich nicht bewegen. Alles war verzogen", sagt Garoz. Zum Glück kam eine Nachbarin zu Hilfe: "Sie drückte von außen. Ich zog von innen."

    Irgendwann ging die Wohnungstür auf. Das gesamte Gebäude mit 52 Bewohnern an der Plaza del Trebol in San Fernando de Henares – 15 Kilometer östlich der spanischen Hauptstadt Madrid – hatte sich um 20 Millimeter gesenkt.

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    Ein Riss in der Mauer. Foto: Wandler

    Es war der bisher letzte schwere Zwischenfall, seit hier am 5. Mai 2007 die aus der Hauptstadt kommenden Linie 7 der U-Bahn eingeweiht wurde. Immer wieder senkt sich der Boden. Laut Gemeindeverwaltung sind mittlerweile mehr als 600 Wohnungen in San Fernando beschädigt worden. 88 Familien mussten ihr Heim verlassen. 27 Wohnungen wurden abgerissen und weitere 27 stehen kurz vor dem Abriss.

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    Der Grund für das Desaster ist eine Grundwasserschicht, die mit dem nahegelegenen Jarama-Fluss verbunden ist. Wie bei jeder U-Bahn hat auch die von San Fernando einen Schacht, in dem sich das Wasser, das in den 40 Meter unter der Oberfläche verlaufenden Tunnel eindringt, sammelt. Es wird – wie sonst auch üblich – von dort abgepumpt. Das Problem: Die U-Bahn verläuft in einer salzhaltigen Erdschicht. Das Wasser löst das Salz, das Volumen der Erde nimmt ab, und das gesamte Gelände senkt sich. 2008 – nur ein Jahr nach der Einweihung der U-Bahn – wurden die ersten Schäden an Gebäuden festgestellt. Je länger die U-Bahn in Betrieb ist, um so mehr Wasser mit aufgelösten Salzen wird abgepumpt. Das Gebiet, das sich senkt, breitet sich aus.

    Der komplette (wesentlich ausführlichere) Artikel steht im Standard:

    Probleme in Madrids U-Bahn-Netz: "Das ist wie ein Tsunami"
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