Tirol: Auftrag für Buslinie zwischen Innsbruck und Nassereith geht nach Südtirol

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    Die Vergabe einer Buslinie zwischen Innsbruck und Nassereith (Bezirk Imst) durch den Verkehrsverbund Tirol (VVT) sorgt für Aufregung. Das Angebot eines Ötztaler Unternehmens war dem VVT zu teuer, den Auftrag erhielt die SAD Austria – ein Unternehmen des umstrittenen Südtiroler Busbetreibers Ingomar Gatterer.

    Online seit heute, 6.04 Uhr

    Das Traditionsunternehmen Ötztaler beschäftigt 50 Mitarbeiter und hätte mit seinen 35 Bussen, die vor allem im Oberland unterwegs sind, ab Juli auch gerne Pendlerinnen und Pendler von Nassereith nach Innsbruck und retour gefahren.

    Allerdings war dem VVT das Angebot des Unternehmers Franz Sailer, der auch Obmann der Tiroler Autobusbetriebe in der Wirtschaftskammer ist, zu teuer.

    „Wären ohne weiters in der Lage das Los zu fahren“

    Es tue den Tiroler Busunternehmern weh, wenn ein italienischer Unternehmer, der in Österreich ein Unternehmen betreibt, dieses Los bekomme, so Sailer.

    „Unser Problem ist, dass wir mit unseren Betriebsstellen und mit unserem Stammpersonal ohne weiteres in der Lage wären, dieses Los zu fahren – aber zu Konditionen, die für unsere Betriebe machbar sind.“ Es sei ein Statement gesetzt, dass der billige Preis den Zuschlag erhalte, betonte Sailer.

    Angebot der SAD Austria um 20 Prozent billiger

    Zum Zug gekommen ist die auf die Vertragszeit gerechnet um 20 Prozent und damit mehr als fünf Million Euro günstigere SAD Austria. Dieses Unternehmen gehört dem umstrittenen Pustertaler Nahverkehrsbetreiber Ingomar Gatterer.


    Franz Sailer ORF Franz Sailer kritisiert die Vergabe des Loses an den Südtiroler Unternehmer

    VVT sieht alle Kriterien für Vergabe erfüllt

    Das Land Südtirol etwa verzichtete bei der Vergabe von Diensten wegen „unwürdigen Verhaltens“ bereits auf eine Berücksichtigung. Die Kartellbehörde belangte den Unternehmer in Südtirol wegen Wettbewerbsverzerrung.

    Diese Tatsachen sind dem VVT, der für die Vergabe zuständig ist, bekannt. Wenn die SAD Austria die Kriterien nicht erfüllt hätte, dann hätte sie das Vergabeverfahren nicht gewonnen, betont VVT-Geschäftsführer Alexander Jug. „Es gab keinen Einspruch eines privaten Verkehrsunternehmen gegen die Vergabe.“


    Alexander Jug ORF Alexander Jug betont, das SAD-Austria alle Kriterien erfüllt

    Urteil nach ähnlichem Fall in Vorarlberg

    Jug verwies auf ein Urteil des Landesverwaltungsgerichts Vorarlberg. Dieser habe bei einem ähnlich gelagerten Fall entschieden, dass man die SAD Austria nicht ausscheiden könne. „Uns war es wichtig an die SAD ein Schreiben zu richten, in dem diese gefragt wird, was sie tun wird, damit das, was in Südtirol passiert ist, bei uns nicht passieren kann.“


    Gelbe Busse stehen auf der Straße ORF Der Preis zählt für den VVT bei der Vergabe eines Loses zu 60 Prozent

    VVT: Preis zählt 60 Prozent, Qualität 40 Prozent

    Bei der Vergabe zählen zu 60 Prozent der Preis und zu 40 Prozent die Qualität der bietenden Unternehmen. Damit wolle man heimischen Unternehmen eine faire Chance zu bieten, so der VVT.

    Dem Bestbieter würden noch Mitarbeiter sowie vorgeschriebene Betriebsstätten fehlen, heißt es innerhalb der Branche. Auch dem VVT liegen diese Bestätigungen noch nicht vor. Im Juli soll die SAD Austria die Linie zwischen Innsbruck und Nassereith aber in Betrieb nehmen.

    Lenker werden nach österreichischem Recht angestellt

    Die SAD Austria müsse die gleichen Kriterien erfüllen wie jeder andere Anbieter, erklärt Jug. Damit müsse die SAD alle gewerberechtlichen Genehmigungen haben, auch die Lenker müssten nach österreichischem Recht angestellt werden. Dies könnten Tiroler Busunternehmer garantieren, meint Sailer. „Ob das der Kollege aus Italien auch garantieren kann, das wird sich zeigen.“

    Würden bis zum Sommer nicht alle Kriterien erfüllt, käme es zur Notvergabe.

  • 40 Prozent Qualität ist nicht schlecht, ich glaub viel mehr geht nicht durch. Hätte der VVT anders entschieden, kann ich mir gut vorstellen, dass SAD mit einer Klage durchgekommen wäre. Hier dem VVT Vorwürfe zu machen finde ich falsch.

  • Man darf auch nicht vergessen, dass gerade im Busverkehr so ziemlich alle die gleiche Qualität erbringen. Somit geht es dort so gut wie immer um den Preis, auch wenn es sich eigentlich um ein Bestbieter Verfahren.

  • Ich habe das Gefühl dass sich Franz Sailer, der auch Obmann der Tiroler Autobusbetriebe in der Wirtschaftskammer ist, da ein wenig künstlich aufregt und auf die "bösen Italiener" schimpft...

    Erstens ists ein Südtiroler Unternehmer (da will man doch zusammenarbeiten, oder?), außerdem hat eh die SAD Austria den Auftrag bekommen. Konkurrenz belebt das Geschäft, würde ich sagen... Außerdem käme es auch nicht so gut rüber, wenn der Schwarze VVT dem Obmann der noch schwärzeren Autobus-Wirtschaftskammer einen Auftrag zuschanzt...