[FR] Eine Bucht, eine Bahn und die Gezeiten : Die Baie de Somme

  • Bevor es (endlich wieder) weitergeht, einige Worte zur Anreise:

    Die einfachste Anreise ist wohl die mit dem nightjet nach Paris, man kommt am Gare de l'Est an und hat ein paar hundert Meter zu Fuss zum Gare du Nord. Dort fahren die Züge nach Calais. Sollte ein Zug nach Calais nicht gleich verfügbar und der Gare du Nord noch immer Baustelle sein, empfiehlt es sich, ersteinmal einen Zug nach Ameins zu nehmen und dort eine Runde zu drehen.

    Allerdings nicht, ohne vorher am Gare du Nord am Fahrkartenschalter oder Automaten einen Pack TER - Chemin de fer de Baie de Somme gekauft zu haben, dieser kostet Eur 27.-- und beinhaltet Hin- und Retourfahrt sowie einen Zweitagespass für die CFBS. Wer länger bleiben will, kann dann vor Ort noch einen zweiten Zweitagespass oder Einzelfahrkarten kaufen.

    Wir sind am Sonntag angereist, haben an diesem Tag zusätzlich zum "Pack" eine einfache Fahrt nach St. Valery gelöst und nutzten unseren Zweitagespass erst an den folgenden Tagen. Zurückgefahren sind wir dann nocheinmal zwei Tage später, dafür haben wir wieder vor Ort eine einfache Fahrkarte nach Noyelles gekauft und ab dort den "Pack" für den TER nach Paris genutzt.

  • Der Fahrplan 2024 bringt eine Ausweitung der Betriebszeiten auf einige Tage im Februar und März, vor Allem der März ist ideal für einen Besuch der Baie, weil da die Zugvögel zurückkommen.


    Legende für die Wochentage

    D...Dimanche...Sonntag

    L...Lundi...Montag

    M...Mardi...Dienstag

    Me...Mercredi...Mittwoch

    J...Jeudi...Donnerstag

    V...Vendredi...Freitag

    S...Samedi...Samstag

  • So, und jetzt gehts wirklich mit meinem Bericht weiter.

    Am Mittrwoch fuhren wir nach Cayeux sur Mer, das im Gegensatz zu St. Valery und Le Crotoy auch an diesem (genaugenommen dem Ärmelkanal) liegt.

    Die Züge nach Cayeux fahren nicht in St. Valery Port, sondern in St. Valery Ville ab. Es gibt da schon sehr (viel zu) früh einen Zug nach Cayeux, der den Sommerfrischlern dort mit seiner Rückfahrt einen Anschluss nach Le Crotoy herstellt.

    Hier umfährt die uns bereits bekannte rumänische Diesellok den Zug, während Radfahrer ihre Fahrräder verladen. Rechts sieht man hier besonders schön das Vierschienengleis.


    Und hier kommt der Zug aus St. Valery Port nach Noyelles und Le Crotoy und nimmt die Fahrgäste aus Cayeux auf.


    Wenig später fährt der Zug nach Cayeux zurück, mit uns an Bord. Der Schaffner erzählt mir lachend, dass wir hier den Mont Blanc des Netzes erreichen, mit 25m den höchsten Punkt des ganzen Netzes. Und er bestätigt dann nocheinmal, "Wir sagen dazu wirklich >unser Mont Blanc<!" Am ersten Tag der Fête de Vapeur die (ich glaube) alle vier Jahre stattfindet, dampfen hier am Abend alle Dampfloks der Reihe nach die Rampe hinauf.

    Hier sind wir schon oben angekommen.


    Etwas eigenartig sind die Strassenschilder entlang der Bahn...


    ...deren Sinn sich aber in Cayeux aufklärt, hier gibt es eine Fahrradraisine und den Benutzern sind wohl Strassenschilder eher geläufig als Pfeifpflöcke und andere Eisenbahnsignale. Befahrbar ist die halbe Strecke nach St. Valery und natürlich nur an Tagen ohne Bahnverkehr.


    Auf dem Bahnhofsvorplatz liegt (so wie auch in Le Crotoy) ein Gleis, das um das Aufnahmsgebäude herumführt


    Auf dem Plan sieht man es besser. Es diente zur Verladung der Güter, Fische, Zuckerrüben Schalentiere und die Meernockerl(1). Letztere sind nicht essbar!. Und der Gepäckwagen wurde auch hier aufgestellt, sodass die Lastenkutscher der Hotels das Gepäck der Hotelgäste leicht umladen konnten.


    Danach ging es zum Meer, den Strand entlang führt die längste Holzpromenade Frankreichs (2km) mit 400 Strandhäuschen, die entweder Bewohnern von Cayeux gehören, oder die man mieten kann.


    Es ist Anfang Juli, das herrliche Badewetter und die wunderbare Wellen verlangen dringend nach einem kühlenden Bad! ^^


    Leider kapitulierten meine Begleiter vor dem doch recht starken Wind und ich musste meine Strandwanderung auf den nächsten Besuch verschieben.


    (1) ich nenne die "Galets" in Anlehnung an die Murnockerl in Graz Meernockerl. Ich wüsste nicht, wie ich sie sonst nennen sollte

    2 Mal editiert, zuletzt von grubenhunt (12. Januar 2024 um 22:02)

  • So, und jetzt gehts wirklich mit meinem Bericht weiter.

    Die Gezeiten ermöglichen ein Weitermachen? ;)

    Sehr schön und sicher ein lohnenswertes Ziel. Haben sogar eine fertige Reiseroute entlang der Küste bis Mont-Saint-Michel.

    Und ich wiederhole, in St. Valery und Umgebung ist Kommunikation in englischer Sprache überhaupt kein Problem.

    Auch an der Cote d'Azur kommt man mit Englisch gut zurecht.

  • Leider kapitulierten meine Begleiter vor dem doch recht starken Wind und ich musste meine Strandwanderung auf den nächsten Besuch verschieben.

    Wobei, eigentlich war mein Plan Fahrräder zu mieten und nicht nur die zwei Kilometer entlang der Badehütten zu spazieren, sondern über Le Hourdel (43) nach St. Valery zurückzuradeln. Das scheiterte aber an der mangelnden Unternehmungslust meiner Mitreisenden.


    In Le Hourdel treffen am Strand Bucht und Meer aufeinander und man findet auch mehrere Relikte des Atlantikwalls, eines davon ist leicht exponiert, wie man auf den Fotos sieht.

    Einmal editiert, zuletzt von grubenhunt (13. Januar 2024 um 17:54)

  • In Le Hurdel hat man auch Ausblick auf die Robbenkolonie der Baie de Somme, wer sich diese entzückenden Tiere aber lieber noch näher anschauen will, sollte sich beim Kayak-Club für eine Exkursion in einem Katamaran-Kayak (siehe Foto) anmelden. Diese Art von Wassergefährt ist sehr stabil und auch ausgeprochene Landratten können sich darin sicher fühlen.

    Man rudert mit diesen Kayaks gemütlich bis Le Hourdel hinaus, das dauert etwa eineinhalb Stunden, und beobachtet dabei die posierlichen Tiere, die sich am Strand sonnen oder im Wasser plantschen


    Zurück geht es um Vieles schneller wie hinaus, weil die Gezeitenwelle ordentlich mithilft.

    Einmal editiert, zuletzt von grubenhunt (19. Juni 2024 um 22:56)