[Südtirol] Aus für den "Sarglift" auf die Langkofelscharte?

  • Aus für den Sarglift?

    • Von Barbara Schaefer
    • -Aktualisiert am 16.09.2023-15:06

    Was wird aus der Langkofel-Seilbahn in Südtirol
    Steht eine der eigentümlichsten Bergbahnen der Alpen vor dem Aus? In Südtirol ist ein Streit um den sogenannten Sarglift auf die Langkofelscharte entbrannt.
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    Steht eine der eigentümlichsten Bergbahnen der Alpen vor dem Aus? In Südtirol ist ein Streit um den sogenannten Sarglift auf die Langkofelscharte entbrannt.

    Schon das Einsteigen in diese Gondelbahn ist ein Erlebnis. Auf dem Boden der Talstation am Sellajoch sind zwei Punkte markiert, dort stellt sich je ein Passagier auf, dann schwebt eine eierschalenfarbene Minigondel wie bei „Raum­pa­trouille“ herbei – und Seilbahnmitarbeiter stopfen die zwei Passagiere in die Kabine, rumms, Türe zu.

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    Hintereinander stehend geht es nun 400 Höhenmeter hinauf zur Langkofelscharte. Doch damit ist erst mal Schluss: Anfang Oktober läuft die Konzession der von Einheimischen „Sarg­lift“ genannten Bahn aus. Wie es dann weitergehen soll, darüber streitet Südtirol. Es geht um Naturschutz, um Overtourism, um kulturelles Erbe und letztlich darum, wer darüber entscheiden soll und darf.

    Die Sassolungo-Bahn wurde 1959 als offener Metall-Korb-Lift gebaut, 1972 wurde dieser durch Zweierkabinen ersetzt, Ende der 1980er-Jahre übernahm die Piz-Sella-Gesellschaft die Bahn. Und jetzt? Zur Zukunft des Lifts werden drei Varianten diskutiert:

    • Der Lift wird durch eine moderne Bahn mit ­höherer Kapazität ersetzt.
    • Der Lift wird renoviert.
    • Der Lift wird ersatzlos abgebaut.

    Igor Marzola, Geschäftsführer der Seilbahngesellschaft, sagt: „Früher oder später muss die Klapperkiste erneuert werden.“ Im Oktober würden alle „drehenden Teile” kontrolliert und wieder zusammengebaut.

    Konkrete Pläne für eine neue Bahn gebe es nicht, aber Ideen, die Bahn zeitgemäß zu erneuern: „Wir wollen eine sichere Bahn, die Talstation unterirdisch in den Hügel bauen, die Stützen von 17 auf acht reduzieren und die Gondeln von 63 auf 20.“ So werde alles leichter und weniger sichtbar. Ja, dann würde die Förderleistung, die derzeit etwa 230 Leute in der Stunde beträgt, erhöht. Marzola führt Sicherheits­aspekte an, wenn etwa bei drohendem Blitzeinschlag „150 Leute in zehn Minuten“ zu Tal gebracht werden müssten.

    Den Vorwurf, mehrere Zementsäulen in die Langkofelscharte bauen zu wollen, entkräftet er. Das sei eine Lösung, um an der Bergstation, „nicht zwei Metallstützen stehen zu haben, die glänzen und spiegeln. Deshalb dachten wir mit Mehrkosten an Zementstützen, die sich gut in das Ambiente einfügen.“ Die Bergstation würde größer, aber nicht viermal so groß, „nicht so brutal, wie man redet“. Auf die Frage, ob es vonseiten der Piz-Sella-Gesellschaft die Überlegung gebe, die Bahn komplett abzubauen, sagt Marzola: „Nein, wieso sollten wir?“

    „Wenn es nach mir geht, sollte es keinen Lift mehr geben“, sagt hingegen Enrico „Heini“ Demetz, Besitzer der Toni-Demetz-Hütte neben der Bergstation. Demetz ist 77 Jahre alt und sagt: „Mehr Leute bringen mehr Umsatz, aber das brauchen wir nicht. Ich will nicht der Reichste auf dem Friedhof sein.“ Er sei dafür, die Bahn stillzulegen. „Wir lieben die Kletterer. Aber wer es nicht zu Fuß raufschafft, der braucht auch nicht kommen. Die Japaner kommen nur, machen ein Foto, aber haben keine Ahnung. Einmal hat einer gefragt, wie der Berg heißt, da hab ich gesagt, das Matterhorn. Nice mountain, hat er dann gesagt.“