Neudörfler Bahnhof: So wird er nach der Modernisierung 2027 aussehen

  • Erstellt am 03. Dezember 2023 | 06:00 Lesezeit: 7 Min

    CA Christian Artner


    img-leHFCjVi9JITpBqo.jpeg Der umgebaute und modernisierte Bahnhof in Neudörfl wird kaum wieder zu erkennen sein. Foto: ÖBB | Visualisierung

    Am 20. August 1847 wurde die Bahnstrecke Wr. Neustadt-Sopron, auch Mattersburger Bahn genannt, nach zweijähriger Bauzeit eröffnet – sicherlich damals eine Revolution für den Personen- und Frachtverkehr. Zwischen 1998 und 2001 wurde die Strecke das letzte Mal im großen Umfang modernisiert. Mit der Elektrifizierung der Züge sowie der Attraktivierung der Bahnhöfe in den jeweiligen Gemeinden bis 2027 steht eine weitere Zeitenwende an. Auch der Neudörfler Bahnhof wird davon profitieren, das steht für Bürgermeister Dieter Posch außer Zweifel.

    Er erinnert sich, dass es Ideen zur Elektrifizierung der Mattersburger Bahn schon zu seiner Zeit als Jugendfunktionär der SPÖ gegeben hat. Die Bezirks-SPÖ habe damals bereits entsprechende Anträge an den Bund und das Verkehrsministerium formuliert und beschlossen. Unter Landeshauptmann Hans Niessl wurden diese Impulse konkreter; zu einer tatsächlichen Realisierung kam es aber nicht.

    Jetzt wird das Großprojekt der ÖBB, das 100 Millionen Euro kostet, angegangen. 2027 sollen sollen die ersten elektrifizierten Züge die sieben Bahnstationen im Bezirk ansteuern. Bürgermeister Dieter Posch ist ein überzeugter Befürworter des Projekts, auch wenn es bedeutet, dass vom Neudörfler Bahnhofsareal, wie Reisende und Bewohner aus der Gemeinde es kennen, nicht allzu viel wieder zu erkennen sein wird. Nostalgische und sentimentale Gefühle dürfe man zwar haben, die Vorteile der Modernisierung lägen aber auf der Hand: „Von Neudörfl aus wird man in Zukunft ohne in Wr. Neustadt umsteigen zu müssen in dreißig Minuten am Bahnhof Wien Meidling sein.“ Der Bahnsteig 21 in Wr. Neustadt, der immer auch etwas Mysteriöses an sich hatte, da es weder einen 20er oder 19er noch sonst einen Bahnsteig mit einer zweiziffrigen Zahl gibt, wird dann, so schlussfolgert Dieter Posch, der anlassbezogen, insbesondere bei Städtetagungen und dergleichen, auch Zugfahrgast ist, seine heutige Funktion verlieren.


    img-usixmigzuk8ppazu.jpeg Der Bahnhof Neudörfl um das Jahr 1900 (Foto entnommen aus dem Buch des Neudörfler Historikers und Ortschronisten Herbert Radel "Neudörfl. Dorf an der Grenze.") Foto: Bgld. Landesarchiv

    Einen weiteren Vorteil sieht der Bürgermeister in einem Punkt, der, wie er sagt, in seiner Jugend noch nicht so eine große Rolle gespielt hat: „Strom ist natürlich sauberer als Diesel. Und in Summe wird die Elektrolok auch leiser sein als eine Diesellok.“ Dass jemand Einwände gegen das Projekt haben könnte, kann er sich schon allein deshalb nicht vorstellen. In der Neudörfler Bevölkerung hätte er dazu nichts vernommen. Die ÖBB sei immerhin auch auf alle Anregungen der Gemeinde eingegangen. Eine betrifft das Stellwerk am Neudörfler Bahnhof, also das große Gebäude, in dem Reisende früher einmal im Inneren auf die Züge warten konnten, genauer gesagt die Fassade oder das, was dort angebracht ist.

    Am 23. Juni 1928 enthüllte man bei einer großen Feier die Gedenktafel zu Ehren von Rudolf Steiner (1861-1925), dem Begründer der Anthroposophie, auf den das Konzept der Waldorfschulen zurückgeht. Er habe, erklärt Bürgermeister Posch, am Neudörfler Bahnhof seine – laut Steiners Biografie – für ihn prägenden Kindheitsjahre verbracht, nachdem er 1869 als achtjähriger Junge nach Neudörfl zog. „Ich habe mit den Projektbetreibern gesprochen, dass für diese Tafel auf jeden Fall ein geeigneter Platz gefunden werden muss, damit sie erhalten bleiben kann.“ Das sei auch zugesichert worden. Das Gebäude selbst wird allerdings der Abrissbirne nicht entgehen. Wann genau das Haus gebaut wurde, geht aus der Ortschronik von Herbert Radel, aus der hier die historischen Details zum Bahnhof stammen, nicht hervor. Ein Foto darin zeigt allerdings den Bahnhof um das Jahr 1900 – bereits mit dem Gebäude. Am 30. Mai 1944 gingen 48 Fliegerbomben auf Neudörfl nieder. Auch der Bahnhof wurde getroffen, das Haus mit der Gedenktafel blieb allerdings verschont.

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    Die Gedenktafel zu Ehren von Rudolf Steiner wurde 1928 am Gebäude Bahnhofs enthüllt.

    Foto: Peter Eitzenberger


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    48 Bomben gingen auf Neudörfl im Mai 1944 hernieder. Auch die Bahngleise wurden getroffen.

    (Fotos entnommen aus dem Buch von Herbert Radel)

    Auf dem Foto um 1900 ist auch der Bahnübergang zu sehen; ein Schranken, wie er aktuell den Verkehr regelt, ist darauf noch nicht erkennbar. In Zukunft wird ein solcher nicht mehr nötig sein, Neudörfl erhält eine Unterführung. Dass es jemals einen Zwischenfall an dem beschrankten Bahnübergang gegeben hätte, daran kann sich der Bürgermeister nicht erinnern. Der Sicherheitsstandard soll somit zumindest auf demselben Level gehalten werden. Ein Fahrrad- und Gehweg mit entsprechender Überquerungshilfe unmittelbar beim Bahnhof soll die Verkehrssicherheit zudem für alle gewährleisten.

    Was die Unterführung betrifft, gab es weitere Ansätze und Vorschläge. So wurde zum Beispiel, berichtet Bürgermeister Posch, von der Projektleitung an ihn herangetragen, die einspurige Unterführung in der Bickfordstraße zweispurig auszubauen. „Dagegen habe ich mich allerdings ausgesprochen“. Ein Grund sei gewesen, dass man keine Anreize schaffen wolle, den Schwertransportverkehr hiermit auf die Hauptstraße umzuleiten. Als eine andere Variante stand im Raum, die Bahnstrecke ungefähr in der Höhe des Waldcafés zu überbrücken, da hier die Gleise in einem Graben verlaufen. Auch das wollte man von Seiten der Gemeinde nicht. „Außerdem habe ich mich dafür stark gemacht, dass Unternehmen, vor allem die Firma Marchhart oder BrixZaun, mit Sattelschlepper und ähnlichen Gefährten durch die Unterführung erreichbar bleiben.“ Das mutet zwar als banale Forderung an, trotzdem müsse man sie formulieren, damit im Nachhinein nicht ein böses Erwachen komme.

    Bahnhof Neudörfl Neu mit Wartehäuschen, WC und Lift

    Nun sei aber schließlich auch noch erwähnt, was Zugreisende am Neudörfler Bahnhof selbst erwarten können. Wie allseits bekannt gibt es in Neudörfl zwar das besagte Gebäude am Bahnhof, aktuell wird es allerdings nicht mehr als Warteraum verwendet. Bei Wind und Wetter konnte man sich also zwar unter-, nicht aber hineinstellen. Mit modernen, gläsernen Wartehäuschen in jeder Fahrtrichtung wird sich das zukünftig ändern. Das Wartehäuschen sowie natürlich die Bahnsteige selbst werden barrierefrei zugängig sein mittels Lift. Auch das Einsteigen in die Züge wird ausschließlich ebenerdig sein. Dass in Zukunft der Bahnhof zudem schneller zu Fuß und vor allem auch barrierefrei von der Bickfordstraße kommend über den von der Gemeinde geforderten Verbindungsweg durch die neue Reihenhaussiedlung erreichbar sein wird, würde Dieter Posch wohl unter den Terminus „kluge Verkehrsplanung“ verbuchen. Auch über ein WC dürfen sich Reisende ab 2027 freuen. Hier entstehen auch die einzigen Kosten für die Gemeinde bei diesem Großprojekt. „Die Bundesbahnen leisten sich keine eigenen WC-Anlagen“, sagt Posch und versucht eine Erklärung: „weil es personalaufwändig ist, dieses an jeder Haltestelle auch tatsächlich regelmäßig zu warten und sauber zu halten. Wir haben aber gesagt, wir möchten ein WC anbieten. Deswegen werden wir auch überlegen müssen, wie die Wartung künftig funktionieren kann.“

    Mehr Parkplätze, um Umstieg auf die Bahn zu erleichtern

    Zur Attraktivierung der Bahnstrecke gehört natürlich auch, dass genügend Parkplätze vorhanden sein müssen. Deshalb wird es jedenfalls mehr als bisher geben. Das sei auch sinnvoll, denn dadurch dass in Wr. Neustadt kein Umsteigen mehr nötig ist, würden, so lautet eine These, wahrscheinlich mehr Neudörfler, die nach Wien pendeln, direkt in Neudörfl einsteigen. „Das wäre meine Prognose, vor allem auch dann, wenn möglicherweise eine Harmonisierung beim Klimaticket eintritt und Neudörfler, nur weil sie im Burgenland wohnen, nicht mehr zahlen müssen als zum Beispiel jemand aus Wr. Neustadt. Gefühlt ist es nämlich dasselbe, aber dazwischen liegt faktisch eine Kernzone. Kaum jemand wird sich dann noch den Weg durch zahlreiche Kreisverkehre und Ampeln im morgendlichen Stoßverkehr antun, in der Hoffnung im Parkhaus am Neustädter Bahnhof noch einen Parkplatz zu bekommen.“

    Im Ganzen gesehen bedeutet der Umbau des Neudörfler Bahnhofs sicherlich eine Aufwertung des Standorts Neudörfl. Dass allein deshalb mehr Leute ihren Wohnsitz nach Neudörfl verlegen werden, einen solchen Zusammenhang sieht der Bürgermeister nicht: „Das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist in Neudörfl auch jetzt schon hervorragend. Durch die Umstrukturierung wird es noch attraktiver – das schon. Ein Motiv, den Wohnort nach Neudörfl zu verlegen, nur weil man dann in Wr. Neustadt nicht mehr umsteigen muss, sehe ich allerdings nicht.“

    Hinweis: Historische Fakten wurden aus dem Buch von Herbert Radel entnommen: „Neudörfl. Dorf an der Grenze.“