• Kohlenbahnen Ping Shi – Mei Xian – Xibu

    Das war meine erste Reise nach China : 1993.

    Ich traf mich mit einem englischen Eisenbahnfreund in Hong Kong, von wo wir mit dem abgesperrten, internationalen Zug (Hong Kong war damals noch Britische Kronkolonie) nach Shen Zhen in China fuhren. Hier begannen dann schon leichte Sprachprobleme. Aber es gelang uns mit Hilfe eines Zettels in Chinesischer Schrift zwei Eisenbahnfahrkarten nach Ping Shi – unserem Ziel - zu kaufen. Es war ein Großraumwaggon – immerhin mit nummerierten Plätzen – so fanden wir im vollen Wagen unsere Sitzplätze.

    Natürlich waren wir – im ausschließlich von Chinesen besetzten Wagon – die Sensation : Zwei „Langnasen“ ! Die Neugier war entsprechend groß und die Fragen wo wir hin wollen wurden durch Zeichen gestellt. Unsere Antwort „PING SHI“ lief wie ein Lauffeuer durch den ganzen Wagen. Eine weitere Konversation war freilich nicht möglich.

    Als wir nach längerer Fahrzeit glaubten, daß wir nun bald am Ziel sein müssten, stellten wir in jeder Station die Frage : „PING SHI ???“ – die Antwort kam jedes mal aus mindestens 80 Mündern : „MEO“ (nein) …. So lernten wir unser erstes chinesisches Wort.

    Als wir eines der vielen Tunnels verließen wurde es laut im Waggon : sämtliche Passagiere riefen aufgeregt „PING SHI, PING SHI“ – wir wussten : das ist unsere Zielstation.

    Eine Frau am Bahnhof fragten wir mit einem mühsam eingelernten Wort „LÜGUAN“ nach einem Hotel – und Überraschung – sie begleitete uns zu einer passablen Unterkunft für die nächsten Tage.

    Ping Shi war damals eine „Kleinstadt“ mit etwa 1 Mio Einwohner, aber eine Gegend die normalerweise nicht von Ausländern besucht wurde. In der Stadt war in dieser Zeit NICHTS aber GAR NICHTS in englischer Sprache oder lateinischen Buchstaben angeschrieben. Man musste in die Auslagen schauen um zu erfahren, was da verkauft wird.

    Es war ein richtiges (aber schönes) Abenteuer für uns.

  • HUFI 7. Februar 2024 um 20:13

    Hat den Titel des Themas von „CHINA“ zu „[CN] CHINA“ geändert.
  • Die 762mm – Schmalspurstrecke führte durch eine landschaftlich reizvolle Gegend, die mangels Straßen oder Wege sehr schwierig zu fotografieren war.

    Eingesetzt wurden Dampflokomotiven der Type C2 (C4?) und Dieselloks mit einseitigem (!!!) Führerstand. Es mussten also am Streckenende nicht nur die Dampfloks – sondern auch die Dieselloks gedreht werden. Dazu gab es an einem Streckenende eine Drehscheibe und am anderen Ende ein Gleisdreieck.

  • Oh wie spannend, das sind Erlebnisse die heutzutage kaum noch findet.

    Und wieder großartige Bilder, auch wenn ich die derzeit nur am Smartphone verfolgen kann. Daheim warten dann wieder 22 Zoll zum Genießen.

  • Das Personal trägt keine Uniformen und ist nur durch helle Strohhüte zu erkennen.

    Die Personenzüge und Mixt sind immer voll mit Passagieren besetzt, bzw. es herrscht Platzmangel, so dass auch die leeren Güterwaggons von Passagieren benutzt werden.

    Durch das Zugspersonal wurde diese Art des Personentransports als durchaus normal angesehen.

    Der Vormittags - Mixt verlässt Mei Xian .....

    2 Mal editiert, zuletzt von HUFI (13. Februar 2024 um 11:39) aus folgendem Grund: Problem mit Hochformat - Foto ....

  • Danke für die vermittelten Eindrücke und herrlichen Aufnahmen! Da hat sich wohl zwischenzeitlich auch das eine oder andere geändert.

    Ich hoffe, es folgen weitere Berichte:thumbup:

  • DIE GEFÄNGNISBAHN VON RONGSHAN

    Mehr als fünfzehn Jahre gab es Gerüchte und Geschichten über die „GEFÄNGNISBAHN VON RONGSHAN“ in der Sichuan Provinz. Doch keine Langnase hatte sie bisher gesehen, geschweige denn fotografiert. Das Tal war hermetisch abgeriegelt, da an der Schmalspurlinie ein Gefängnis mit vermutlich politischen Gefangenen liegt. Selbst Chinesen benötigten eine Sondergenehmigung um in das Tal zu reisen. Nach Änderung der Gesetzeslage und Verlegung der Häftlinge in andere Gefängnisse in der Provinz, gelang es dem Berliner Reiseveranstalter Bernd Seiler das was andere Reiseveranstalter vollmundig angekündigt, aber nie erreicht haben : eine Reise- und Fotogenehmigung für eine Gruppe von Eisenbahnfotografen zu erwirken.

    Im März 2013 war es dann so weit : Dreizehn Fotografen und Filmer aus ganz Europa trafen sich in der Provinzhauptstadt Chengdu um „standesgemäß“ mit der Bahn zum Ausgangspunkt der Entdeckungsreise zu fahren. Hier in der „Kleinstadt“ Guangyuan mit zwei Millionen Einwohnern waren wir die ersten Europäer und entsprechend bestaunt und fotografiert wurden wir daher von der einheimischen Bevölkerung. Selbst die ansässige Presse hielt es für berichtenswert und widmete uns einen Artikel. Die Verständigung gelang mit Körpersprache und unseren mehr als rudimentären Kenntnissen der chinesischen Sprache – denn selbst im Hotel gab es niemanden, der eine andere Sprache als chinesisch beherrschte.

    Der Ausgangspunkt Rongshan der 762 mm Schmalspurstrecke befindet sich etwa 20 km östlich von Guangyuan. Im Bahnhof Rongshan sind sowohl Schmalspur- als auch Normalspurgleise verlegt. Die normalspurige Anschlussstrecke von Rongshan zum Staatsbahnhof Anjiawan wurde bei einem gewaltigen Erdbeben im Jahr 2008 stark beschädigt und seither nicht mehr instand gesetzt. Bis zum Ende des Normalspurbetriebes waren die Lokomotiven SY 1305 und 1434 eingesetzt. Beide Maschinen stehen heute noch im Bahnhof Rongshan.

    Die Gleisanlegen im Bahnhof Rongshan. Oben die Normalspur, unten die Schmalspurgleise :

    Seit der Einstellung des Betriebs auf der Normalspur wird die Kohle in Rongshan auf LKWs umgeladen und direkt zu den Abnehmern transportiert. Die Schmalspurstrecke wurde in den späten 1950ern gebaut. Der heutige Ausgangspunkt der Schmalspurbahn ist Rongshan. Vor mehr als 50 Jahren führte die Schmalspurbahn bis nach Guangyuan. Man sieht neben der Staatsbahn auch noch Brückenreste und Teile des Planums. Beginnend in Rongshan lief eine Strecke nach Nord-Osten zur „Mine Nr. 5“ in Gaokeng. Diese Strecke war lediglich etwa drei Kilometer lang. Die Kohlemine war jedoch nicht sehr ergiebig, so daß im Jahr 1999 nur noch ein Zugpaar eingesetzt wurde. Als im Jahre 2008 das Erdbeben Schäden an der Strecke verursachte, gab man den Betrieb auf dieser Linie auf.

    Der längere, etwa 7,5 Kilometer lange, Streckenteil der Bahn war bei unserem Besuch noch in Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt war ein Ende dieser Bahn nicht abzusehen - tatsächlich wurde sie etwa ein Jahr nach unserem Besuch eingestellt .....

  • Zu Beginn wurde die Bahn mit kleinen Tenderlokomotiven der Klasse RJ (Rongjian) eines Herstellers aus Chengdu betrieben. Später kamen Lokomotiven der Reihe C2 aus Dalian zum Einsatz. In den 1990ern wurden zwei Lokomotiven der Klasse KN angeschafft. Sie waren aber nicht mehr vorhanden - sie wurden bereits verschrottet. Mitte der 1980er Jahre kamen vier fabrikneue Loks der Type C2 von der Forstmaschinenfabrik Haerbin nach Rongshan. Diese bei unserem Besuch noch vorhanden : Nummer 210, 211, 218 und 219. Die Maschinen 210 und 218 waren an allen unseren Besuchstagen unter Dampf und im Rangier- und Streckendienst im Einsatz.

    Die beiden anderen Loks standen zur Aufarbeitung im Schuppen.

    Im Jahre 2010 hat man drei zweiachsige E-Loks gekauft. Diese standen ohne aufgebaute Stromabnehmer im Lokschuppen. Pläne zur Elektrifizierung wurden aber nie verwirklicht.

    Früher verkehrten auf beiden Strecken neun Kohlezugpaare täglich, mit denen über 1.000 Tonnen Kohle pro Tag transportiert wurden. Dazu kamen noch drei Personenzugpaare. Noch 1999 wurden zeitweise bis zu elf Zugpaare täglich gefahren. Nach Aufgabe der Linie zur „Mine 1“ und des Gefängnisbetriebes reduzierten sich die Zugleistungen auf zwei Personenzugpaare, die als gemischte Züge - also Kohlewagen und Personenwagen - fuhren. Eines am Morgen, einer am Nachmittag, fallweise kommt noch ein drittes Paar dazu. Die Züge verlassen Rongshan Tender voran bergauf .....

    .... und kehren Schornstein voran zurück.

    Bei unserem Besuch im März 2013 sahen wir die verschiedensten Zugskombinationen. Vom reinen Personenzug mit nur drei Wagen über gemischte Züge bis zum reinen Güterzug mit bis zu 25 beladenen Kohlewagen, einem Flachwagen und dem Packwagen. Meist wird der Begleitwagen auch bei Güterzügen am Zugschluss mitgeführt. Zusammen mit dem Versand anderer Güter wie z.B. von Schaltschränken und Gasflaschen sah so jeder Zug anders aus. An einem Nachmittag erreichte ein Leerzug mit 27 Wagen eine derartige Länge, daß eine Schiebelok bis Shanziba beigegeben wurde.