[DE] Fährkahn-Tour durch das Bioshärenreservat Spreewald

  • Der Reisebericht von CA1 über seine Fahrt auf dem Inle-See in Myanmar hat mich an unsere Fährkahn-Tour im Biosphärenreservat Spreewald im Jahr 2004 erinnert, als wir von unserem Hausboot-Törn rund um Berlin nach Hause fuhren.

    Der rd. 100 km südöstlich von Berlin gelegene Spreewald ist eine ausgedehnte, ca. 470 km² große Flussniederung, in der sich die Spree auf Grund des geringen Gefälles von nur 7 m auf einer Länge von 34 km in zahlreiche Flussarme, sogenannte „Fließe“ verzweigt:

    Im Gegensatz zu seinem Namen besteht das Gebiet hauptsächlich aus Wiesen und fruchtbaren Äckern. Die Bauernhöfe (siehe rote Rechtecke in der Karte) sind auch heute noch zum Großteil nur auf dem Wasser mit den typischen Spreewaldkähnen bzw. auf Fußwegen erreichbar. Das (Frühjahrs-)Foto habe ich vom Heimat-Verlag in Lübben „entliehen“:

    Im Jahr 1908 wurde in Lübbenau (knapp 16.000 EW), dem Tor zum Oberspreewald, ein Fährmannsverein gegründet. Von hier aus werden pro Jahr knapp 1 Mio. (Stand 2018) Touristen in Kähnen mit bis zu 36 Sitzplätzen in mehrstündigen Rundkursen mit Hilfe von ca. 4 m langen Stangen aus Esche, die im Spreewald „Rudel“ genannt werden, durch die Kanäle gestakt. Auf dem Foto ist die Hauptspree mit ihrem dichten Uferbegleitgehölz zu sehen. Dahinter liegen die Wiesen und Äcker, auf denen hauptsächlich Gemüseanbau betrieben wird:

    Wir fuhren eine ca. dreistündige Tour ab dem an der Hauptspree gelegenen Großen Fährhafen in Lübbenau, die uns u. a. durch das Dorf Lehde führte. Leider regnete es bei unserer Fahrt, aber die Kähne sind mit großen Regenschirmen ausgestattet. Auf dem Foto unten sieht man unseren Fährmann, Herrn Walter, wie er sein „Rudel“ bedient. Im Hintergrund sieht man einen weiteren Kahn, der gerade eine der zahlreichen Schleusen verlässt. Seit der großen Regulierung in Form von Neuanlagen und Begradigungen von Fließen sowie dem Bau von Schleusen in der Mitte des 18. Jh. ist der Spreewald heute weitgehend hochwassersicher:

    Im Spreewald gab es ursprünglich keine Landverbindungen. Alle Dörfer und Bauernhäuserwaren nur auf dem Wasserweg erreichbar. Lehde erhielt erst 1928 eine Straßenverbindung und das weiter östlich gelegene Leipe 1935 eine Fußwegverbindung mit Lübbenau. Um 1950 waren schließlich alle Dörfer des Spreewaldes mit Straßen erschlossen. Auf dem Bild sieht man die Brücke im Zuge der Straße nach Lehde über eines der vielen Fließe. Aber auch heute sind noch weite Teile des Spreewaldes straßenfrei und überall dort wird alles mit den Kähnen transportiert. Die Bauernhöfe verfügen über eigene Häfen:

    Wie oben bereits erwähnt, wird im Spreewald intensiver Gemüseanbau betrieben. Hauptsächlich werden Gurken und Meerrettich (Kren) angebaut. Aus dem Spreewald kommen 80 % der deutschen Essiggurken-Produktion. Entlang der Kahn-Fahrrouten finden sich zahlreiche Verkaufsstände, die neben Essiggurkerl auch andere regionsspezifische Erzeugnisse, wie z. B. den Kräuterlikör Spreewaldbitter feilbieten:

    Hier sieht man typische Spreewälder Gurkenfässer mit Gurken in allen Variationen. In den Gasthäusern der Region werden „Spreewälder Gurkenteller“ angeboten, auf denen sich die klassischen Delikatess-, Senf- und Gewürzgurken in vielen Geschmacksrichtungen (z. B. Knoblauch, Dill etc.) befinden:

    Ein altes, 4.000 – 5.000 Liter fassendes Holzgurkenfass, das zu einem Gartenhaus mit Strohdach umfunktioniert wurde. Heute werden die Gurken in Plastikfässern eingelegt:

    Gleich geht's weiter!

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • In Lübbenau gibt es zahlreiche Kanu- und Paddelbootverleihe und da auch jeder ungeübte Kanu-/Paddelbootfahrer sein Glück am Wasser suchen kann, gibt es bei Bootsbegegnungen oft größere Wickel, wie auf dem Foto zu sehen:

    Die „Ortsdurchfahrt“ durch Lehde mit Bauernhäusern zu beiden Seiten des Fließes ist sehr idyllisch:

    In Lehde kommt der Briefträger mit einem gelb lackierten Postkahn (ausgenommen im Winter, wenn die Fließe zugefroren sind), weshalb sich die Postkästen am Ufer der Fließe befinden. Zu sehen links neben dem Birkenstamm:

    In Lehde gibt es noch hölzerne Fischbehälter, die bei Bedarf mittels Spindel ins Wasser gelassen werden:

    Im Spreewald findet man auf vielen Dachgiebeln stilisierte Schlangensymbole. Das hängt damit zusammen, dass es im Spreewald sehr viele Ringelnattern gibt und die Ringelnatter das Glückstier des Spreewaldes ist. Die stilisierte Ringelnatter mit der Krone auf dem Haupt soll dem Haus und dessen Bewohnern Glück bringen:

    Als Beweis, dass es im Spreewald nicht nur Touristenkähne, sondern auch Lastenkähne gibt, soll dieses Foto dienen. Es zeigt einen Fährmann, unterwegs mit Scheibtruhe und Hund in seinem Kahn:

    Mitten im Spreewald gibt es auch einige Gasthäuser, die zur Einkehr laden. So wie hier das Gasthaus Kaupen Nr. 6. Als Kaupen werden auch die Sandinseln zwischen den Fließen bezeichnet. Bei einem Spreewälder Gurkenteller und einem großen Lübbenauer Babbenbier (eine regionale Schwarzbier-Marke) lässt sich gut Pause machen:

    Im Spreewald stehen die Ortstafeln auch an den Ufern der Fließen! Lédy ist die sorbische Bezeichnung für Lehde. Zwischen Spreewald und der Niederlausitz leben heute noch etwa 60.000 Sorben. Die Sorben sind die Nachkommen der sogenannten Elbslawen, die im 6. Jh. n. Chr. Während der Völkerwanderung hier einwanderten. Im Dritten Reich wurde alles Slawische verboten, 1948 erhielten sie kulturelle Autonomie, heute feiern sie wieder ihre traditionellen Feste:

    Fotos (sofern nicht gesondert angegeben): dr. bahnsinn, aufgenommen am 12. 7. 2004.

    Der Spreewald ist für Interessenten aus Österreich auch per Bahn erreichbar, wenn auch etwas umständlich, da Lübbenau abseits der Magistrale Dresden – Berlin liegt. Ich hoffe trotzdem, dass ich mit meinem Bericht das Interesse an diesem hierorts weitgehend unbekannten Biosphärenreservat geweckt habe.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Das sind echt schöne Bilder, danke!

    Ein Mitwanderer unseres jährlichen Wandertreffens versucht seit Jahren, uns zu einer Spreewald-Bootstour zu überreden, das sollte man vielleicht doch ins Auge fassen. Heuer ist aber das Almtal dran.