Wer um 1500 reiste, brauchte für 100 Kilometer 30 Stunden

  • Es gibt auch das Bonmot, dass die Deutschen mit dem 2. Weltkrieg die Reiselust entdeckt haben. Viele wollten alles das, was sie im Krieg gesehen haben, nocheinmal in Frieden anschauen.

  • Es gibt auch das Bonmot, dass die Deutschen mit dem 2. Weltkrieg die Reiselust entdeckt haben.

    Vielleicht die Deutschen, mein Vater definitiv nicht. Seine Kriegseinsätze in Frankreich und Russland haben ihm gereicht. Allerdings reiste er in der Pension noch einmal in die damalige Sowjetunion, aber nicht dorthin, wo er im Einsatz war, sondern nach Moskau und Leningrad, heute St. Petersburg.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor

  • Mein Opa war in den 50er-Jahren in England auf Besuch, um meine Mutter, die dort als Au-Pair-Mädchen arbeitete, zu besuchen. Das war damals alles eher als selbstverständlich, aber unser damaliger Bürgermeister hatte da eine Aktion ins Leben gerufen, wo junge Frauen aus dem Bezirk hinvermittelt wurden, zum Lernen der Sprache und um sich kennenzulernen, nach dem langen Krieg...

    Er traf dort auch einen ehemaligen englischen Kriegsgefangenen, auf den mein Opa während seines Einsatzes in Belgien "aufpassen" musste. Der Opa erzählte immer, dass die Gefangenen mehr Lebensmittel und Seife hatten als die Deutschen Bewacher, und bat diese, die Seigenreste in einer alten Konservendose zu sammeln.

    Das haben die dann auch gemacht, es dürfte da recht menschlich zugegangen sein...

    Es erschien da auch ein Zeitungsartikel in einer lokalen Zeitung, ich muß schauen, ob ich den finde...

  • Das ist irgendwie die Ironie der Geschichte, dass der eine Opa, der mit dem Krieg echt nichts am Hut hatte dann noch drei Jahre in Russland im Lager verbringen durfte, und der andere Opa, der ein glühender Verehrer des Führers war, sich durch die Gebirge des Balkans nach Hause durchschlagen konnte...

    Man kann nur hoffen dass solche Zeiten nie mehr kommen...