[WL] Die Wiener U-Bahn und ihre Vorläufer

  • Also ist der MIV der gordische Knoten!

    Richtig. Anders gesagt: Der ist wie ein Naturgesetz einfach da und das "kann" man nicht ändern.

    Oder die Unterflurstraßenbahn in Wien.

    Unter diesen Gesichtspunkten ist auch die USTRAB Unsinn.
    Ich weiß jetzt aber nicht auswendig, ob sie als "Vorleistung" für eine U-Bahn errichtet wurde oder ob sie aus dem damals herrschenden Credo der autogerechten Stadt geschuldet ist.
    Als ersteres okay, Zweiteres zur damaligen Zeit einigermaßen okay unter heutigen Gesichtspunkten völliger Blödsinn. Wo wir wieder den Kreis zu Salzburg schließen.

  • Wenn‘s mich nicht irrt, wollte die SPÖ auf Biegen und Brechen keine U-Bahn, also hat man im Prinzip drum rumgebaut, so ist ja auch ein Teil der heutigen U2 entstanden. Erst als der Druck unter anderem durch die ÖVP der SPÖ zu groß war, hat man dann doch nachgegeben und die U-Bahn erstellt. Das ist die Story, die ich mal vor langer Zeit irgendwo fand.

    Geschichte der U-STRAB in Wien

    Zumindest nach kurzer Recherche ließ es sich bestätigen, dass die U-Bahn damals einfach auch ein politisches Tabu war. Sonst hätte man die wohl auch früher erstellt. Das war ja eben auch in einer Zeit gewesen, wo U-Bahnnetze entstanden. 1972 etwa bekam sogar Nürnberg seine eigene vollwertige U-Bahn - dabei gibt es bis heute größere Städte in Deutschland ohne U-Bahn…

    Ich denke, die derzeitige Wiener Ustrab-Strecke ist jetzt nicht so schlecht, garantiert es doch etwas Stabilität, da jegliche Autokreuzungen wegfallen und so man ja auch ein dichtes Programm fahren kann, wo man nur schauen muss, dass sich die Straßenbahnen gegenseitig nicht in die Quere kommen.

    Mit freundlichen Grüßen

    *Möwengeräusche*

  • Am Matzleinsdorfer Platz umzusteigen ist aber sowas von ekelhaft umständlich, Treppe runter, Treppe rauf, wieder runter, rauf, shit, der Sechser fährt vorher, also wieder runter und dort rauf...

  • Das hat weniger mit den Konzept, mehr mit der Umsetzung zu tun. Das ist halt typisch Wiener Verkehrsdesign, wo einfache Umsteigemöglichkeiten eher aus Versehen passieren.

    Mit freundlichen Grüßen

    *Möwengeräusche*

  • Eine Reminiszenz aus meiner Sicht zur Wiener U-Strab. Hatte ich doch Gelegenheit, während der Gymnasialzeit den Bau des Jonas-Reindls, dann während Bundesheer und Studium den Bau der Ustrab in der Wiedner Hauptstraße, dann des Ubahn-Knotens am Karlsplatz jeweils hautnah zu erleben.

    Die Geschichte mit der Wiener Unterpflasterstraßenbahn (UStrab) begann damit, dass eines Samstag Abends der damalige Wiener Bürgermeister Franz Jonas in seiner samstäglichen Radio-Ansprache (die gab es damals) ankündigte, die Gemeinde Wien wolle eine unterirdische Straßenbahnstrecke bauen von Favoriten durch die Innenstadt bis zum Praterstern.

    Von dem vermeintlichen Ziel einer autogerechten Stadt war damals jedenfalls nach außen hin nicht die Rede. Vielmehr wurde argumentiert, dass der - die Straßenbahn behindernde - Verkehr so stark zugenommen hätte, dass man die Straßenbahn unter die Erde verlegen müsse.

    Es dauerte nicht lange, vielleicht ein Jahr, bis man sich dazu entschloss, die Strecke als U-Bahn auszuführen. Die bekannte U1.

    In der Wiedner Hauptstraße hat man zwar die alte Rauchfangkehrerkirche, die in Straßenmitte lag, abgerissen, um die Ustrab bauen zu können. Aber bald danach kam der Entschluss, die Ustrab - statt bis Karlsplatz und weiter - nur bis zur Johann Strauß-Gasse zu führen, da ein Stück weiter am Karlsplatz die U1 gebaut werden sollte.
    (Ich erinnere mich an ein Plakat der damaligen ÖVP-Opposition: "15 Jahre zu spät!". Man war offenbar auch bei der Opposition sehr für den U-Bahn-Bau. Salzburger Nein-Sager, nehmt euch ein Beispiel!)

    Auch die StraßenbahnRampe von der Währingerstraße zum Jonas-Reindl war als Einfahrt zu einer unterirdischen Straßenbahnstrecke durch die Innenstadt gedacht. Siehe public.transport.at.

    Der weitere Werdegang des Wiener U-Bahnnetzes ist ja wohl bekannt.

    Im nächsten Beitrag aber wieder zurück zum S-Link!

    Danke dr. bahnsinn für das Verlagern dieser Beiträge (etwa ab Posting#1.315 im S-Linl-Thread) in diesen neun Thread!

    Einmal editiert, zuletzt von Werner (20. April 2024 um 16:17)

  • Vielmehr wurde argumentiert, dass der - die Straßenbahn behindernde - Verkehr so stark zugenommen hätte, dass man die Straßenbahn unter die Erde verlegen müsse.

    Also auch hier: Statt dem Verkehr Herr zu werden ging man lieber teuer unter die Erde. Danke!