Von Porto am Landweg nach Hause - 2: Dourotal I (50 B.)

  • Hallo!


    Zum vorherigen Teil der Serie:
    Am Landweg nach Hause '24 - 1: Zwischenstopp in London (50 B.)
    Am Landweg nach Hause '24 - 1: Zwischenstopp in London (50 B.)



    4. 4. 2024

    Ein TAP A320 brachte uns von London Gatwick nach Porto. Die Wochen und Monate davor hatte in der Region eher schlechtes Wetter geherrscht - der Vermieter unseres Appartements in Porto meinte, dass es seit Oktober durchgehend geregnet hatte. Besonders in den vergangenen Tagen hatte ein Kälteeinbruch für weiße Bergkuppen in Nordspanien gesorgt, wie wir aus dem Flugzeugfenster entdecken konnten.
    Ein von Booking.com gratis gestellter Flughafentransfer brachte uns rechtzeitig für ein spätes Mittagessen zum Appartement an der Rua de Gomes Freire direkt hoch über dem Fluss Douro gelegen. Wir marschierten bergauf zu unserem lokalen Zentrum, der Praça dos Poveiros mit einigen Restaurants und einem Minipreço-Supermarkt. Diesmal saßen wir mitten am Platz bei einem touristischeren Lokal, später suchten wir auch nach den Tipps unseres Gastgebers eher von Einheimischen frequentierte. Wahnsinnig warm war es jedoch nicht, noch während des Essens begann es erneut zu regnen. Nach einem ersten Minipreço-Besuch machten wir uns einen gemütlichen Nachmittag. Für meine sonst effizient kurz gehaltenen Reisen war es ungewohnt, bei mehr als drei Wochen Reisedauer eine Woche an einem Ort zu haben.


    5. 4. 2024

    Am ersten Morgen um 8:40 begrüßte einen schönere Stimmung - Sonnenaufgang war erst nach sieben Uhr.


    Ein echtes Treffen von IC 730 nach Lissabon Santa Apolónia mit einem Nahverkehrszug auf der Stichstrecke zum Kopfbahnhof Porto São Bento. Der Durchgangs-Hauptbahnhof Porto-Campanhã befindet sich links um die Ecke, wo sich beide Strecken treffen. Der Intercidades befährt die 1991 eröffnete Ponte de São João über den Douro, davor steht noch immer die seither ungenutzte Eiffel-Brücke Ponte Dona Maria Pia von 1877.


    Ein Überblick der Brücken, mein Standpunkt befand sich auf der Straßenbrücke Ponte Infante Dom Henrique. Unser Appartement lag genau über dem Zug links.


    Ein Triebwagen der Baureihe 2240 befuhr die Ponte de São João Richtung Aveiro, in São Bento sah ich nur 3400er:


    Letztendlich kam InterRegional 860 Regua - São Bento aus dem Dourotal in Form eines Dieseltriebwagens der von der RENFE geliehenen Baureihe 0592.2:


    Mehr Porto-Bilder von den Tagen folgen in anderen Reportageteilen.


    7. 4. 2024

    Am nächsten Morgen nahmen wir früh ein Taxi nach Porto-Campanhã zum ersten IR des Tages ins Dourotal. Um 7:14 herrschte noch Frühnebel.




    1438 rangierte heran. Ich hatte mich vorher nie näher mit den Maschinen beschäftigt... aus der Ferne dachte ich bisher, es wären ALCOs - aber nein, sie basieren auf Entwürfen von English Electric (auf Englisch):

    CP Class 1400 - Wikipedia
    en.wikipedia.org






    Comboios de Portugal ist noch eine sehr menschliche Gesellschaft - auch kleinere Bahnhöfe sind oft mit 2-3 Leuten besetzt, überall werden Fahnen geschwenkt. "Comboio" - ein eher seltsames Wort für Zug - stammt aus dem Französischen von Konvoi ab (auf Portugiesisch am ausführlichsten):






    Wir nahmen vorne im schön erhaltenen Sorefame INOX Wagen des IR 861 Platz.


    Ein Besuch des makellosen WCs während der Fahrt.


    Zunächst folgt man dem elektrifizierten, auch von Vorortezügen befahrenen Abschnitt der Linha do Douro bis Marco de Canaveses, dann wechselt man per Tunnel ins Dourotal und erhascht erste Flussblicke bei Pala (auf Portugiesisch):


    iPhone-Video-Screenshot unseres Zuges nach Ankunft in der nächsten Station, Mosteirô. Die Bearbeitung des langen Reisevideos dauert noch ein bisschen - doch beim nächsten Douro-Teil sollte man schon die 1400er-Töne genießen können. Mosteirô hatte ich ausgewählt, da es die erste Station im Tal mit InterRegional-Halt ist. Diese fahren relativ regelmäßig, jedoch mit längeren Zuglücken. Kleinere Haltestellen werden von nur sehr sporadisch verkehrenden Regionalzügen dazwischen bedient.


    Die hinteren Waggons können ihre schweizerische Herkunft nicht leugnen.


    Auf der Douro-Brücke bei Mosteirô stehend erwartete ich IR 862 Pocinho - Porto-Campanhã mit Planabfahrt um 9:11. Um 9:13 tauchte er hinten beim Bahnhof auf.
    Der Fluss ist hier überall aufgestaut - Portugal gehört zu den Spitzenländern in der EU nach Anteil grüner Energieerzeugung.






    Ich wanderte weiter zu den Viadukten von Pala - Balkonfotografie kann man in Portugal im Überfluss erwarten, besser als in Italien.


    Es näherte sich der nur am Wochenende verkehrende IR 21861... als ganz trocken erwies sich das Wetter noch nicht.


    Weitere Ansichten und Kombinationen.






    In der Gegend waren die Orangen gerade perfekt gereift und hingen an jeder Ecke - absolut köstlich, etwas Vergleichbares kann man sonst nicht kaufen.




    CP 1424 ist eine von mehreren in nostalgischem Blau gehaltenen Maschinen.


    Typisch für die Region sind Azulejos, bemalte Keramikfließen:

    Azulejo – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    Könnte fast mein Haus sein... ;)


    IR 865 nach Pocinho folgte eine Stunde später - den Güterschuppen bei der Station konnte man nicht auslassen.




    Die Ausfahrt zu filmen ging sich ebenfalls locker aus.


    Die Schwellen des zweiten, meist ungenutzten Gleises sahen eher bedenklich aus.


    Wir setzten uns zu einem Kaffee in das Lokal daneben, dazwischen ging ich kurz zur Station. R 4103 Marco de Canaveses - Regua fuhr ein.


    Viele Bahnhöfe sind mit Azulejos geschmückt, die Höhepunkte diesbezüglich werden wir später bewundern.


    Verbindung zur Station aus dem umgebenden Tal gibt es zum Beispiel per Taxi (in Portugal-typischem Schwarz-Türkis). Die größeren Orte sind hauptsächlich auf den Anhöhen gelegen.
    Eine Seite des Triebwagens der Baureihe 0592.0 war graffitiert...


    ... auf der anderen Seite präsentierte er sich komplett sauber. Dazu Balkonfotografie am Rande.


    IR 864 Régua - Porto São Bento verkehrte als Triebwagen, wir nahmen ihn zurück nach Porto.
    Es herrschte eine längere Lücke an lokbespannten Zügen, und das Wetter am Nachmittag sollte trüber werden - in der folgenden Woche würden wir noch einmal weiter ins Dourotal fahren.




    Sogar am Sonntag traf man auf Güterverkehr, gezogen von einer 1900 (auf Portugiesisch):


    In Ermesinde vereinigt sich die Linha do Douro mit der Linha do Minho aus dem Norden - diese werden wir ebenfalls noch kennenlernen.



    6. 4. 2024

    Direkt vor der Haustür unseres Appartements eröffnete sich dieser Blick:
    Alfa Pendular 134 nach Lissabon Santa Apolónia um 18:34, der Abend eines eher verregneten Samstages.


    Blick in die andere Richtung zur Ponte Luís I, überquert von der Metro Linie D:

    Metro do Porto – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    Das gegenüberliegende Ufer liegt in der Stadt Vila Nova de Gaia, hier findet man Portweinkeller und historische Portwein-Boote als Schaustücke auf dem Douro.


    Links: Blick die steile Calçada das Carquejeiras hinab.
    Rechts: Die Douro-Ausflugsboote in der Stadt sind den alten Portwein-Booten nachempfunden.


    Darauf hatte ich gewartet: CP 1427 kehrte mit dem nur am Wochenende verkehrenden IR 21860 aus Pocinho zurück, Hinfahrt am nächsten Morgen siehe oben - mein erstes Bild einer 1400er - mit Sonne.
    Es ist einer der wenigen lokbespannten Züge, die diese Stichstrecke zum Kopfbahnhof São Bento befahren.




    In der Mitte des Hanges kann man die Trasse und einen Tunnel der 1989 aufgegebenen Breitspurstrecke Ramal da Alfândega erkennen:


    Viel, viel mehr aus Porto und von der weiteren erlebnisreichen Reise wartet noch auf Bearbeitung - bis bald! :0)

  • Da werd' ich nostalgisch, meine letzte Reise nach Porto/Portugal ist schon lange her. Damals existierte noch die Meterspurbahn nach Bragança.

    Jedenfalls vielen Dank für die Bilder.