Beiträge von Roni

    Hallo!


    Der vorherige Teil der Reportagen:
    Indien 2012 - 7: Jodhpur - In die Wüste Thar (50 B.)
    http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3202.0


    Das Video zum Bericht:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1


    8. 2. 2012

    Wir befinden uns im 54280 Jodhpur - Jaisalmer Passenger, unterwegs mit etwa einer Stunde Verspätung. Vor Jaisalmer war eine Stunde für 19 Kilometer vorgesehen, daher erreichten wir den Endbahnhof nur eine halbe Stunde zu spät um 16:00. Auch hier erwarteten einen Formsignale, vor allem auch eine Vierergruppe. Ich wurde vom Hotel abgeholt und im Tuk-Tuk hingebracht. Wir bogen in eine Nebenstraße ein und fuhren auf unbefestigter Straße weiter. Das Hotel erwies sich aber als sehr gut, in einem nachgebauten Haveli gelegen. Schlecht ist die Lage abseits der Hauptstraße auch nicht, endlich eine Nacht ohne Hupkonzert. Ich gab noch rasch Wäsche auf, dann düste ich zurück zum Bahnhof, wo ich dem Station Master schnell die Fotogenehmigung unter die Nase hielt und dann bis zur Formsignalgruppe mit Blick auf das Fort vorsprintete, denn der Express nach Dehli sollte gleich abfahren.


    Die befestigte Stadt rechts, der Kopfbahnhof in der Wüste unweit der pakistanischen Grenze links. Das gesamte Areal wurde von Schotterverladung dominiert, was für entsprechend Staubentwicklung sorgte.


    Neue Gleise, alte Signale: fast das gesamte Netzwerk hier im Nordwesten wurde vor nicht allzu langer Zeit von Meter- auf Breitspur umgespurt, wieso sie ausgerechnet an dieser Strecke nicht auch die Signale modernisierten, weiß ich nicht. Für den 14660 JSM - Delhi Junction Express mit Planabfahrt 17:15 war das Signal bereits gezogen worden.


    Viele Krähen hier...


    Es folgte eine Bilderbuch-ALCO-Ausfahrt!


    Sogar ein Vierfach-Signalmast überlebte den Streckenumbau.


    Von Baghat-Ki-Kothi WDM-2 16871 bespannt gab es ein echtes Rauchspektakel, kurz vor mir drehte die Crew noch einmal ordentlich auf, als sie an mir vorbeikam gab es von beiden Seiten den Daumen nach oben.


    Kräftig rauchend verabschiedete sich der Zug in die Ferne.


    Die Wüstenpflanze Oscher.


    Nun war der Weg für die Garnitur meines Personenzuges frei, um auf das Abstellgleis zu rangieren.



    Abu Road WDM-2 16799 noch einmal bei der Arbeit, der Weichenwärter mit Schlüssel.




    Ein echter rajasthanischer Wüstenverschieber.


    An der "Trolly Hut" vorbei.



    Eine kostbare Ressource hier.



    Es herrschte eine herrlich staubige Stimmung im Gegenlicht.




    Ein letzter Blick auf den Bahnsteig.


    Am Bahnhofsvorplatz.


    Ich kehrte nun zum Hotel zurück, und duschte einmal den Staub ab, obwohl es nicht so schlimm wie angekündigt war, Gwalior schien um einiges staubiger. Mein Zimmer hatte Blick auf das Fort, ebenso das Dachterrassenrestaurant, wo sich einige französische Touristen versammelt hatten.

    Gerade noch rechtzeitig zurück, um die letzten Sonnenstrahlen am Fort zu erwischen.


    Es wurde dunkel, und es verabschiedeten sich alle, während ich mein Abendessen bestellte und unter klarem Wüsten-Sternenhimmel diesen Bericht hier schrieb. Mein Mixed Vegetable Curry kam, danach sah ich noch einen herrlichen gelben Wüsten-Mond, fotografierte Sterne und beleuchtete Festung. Am Abend konnte ich aus dem Zimmer noch ein Feuerwerk neben dieser genießen.


    Der Wüstenhimmel.


    Der gelbe Wüstenmond.


    9. 2. 2012

    Ein Vormittag zum Ausrasten war angenehm, ich fotografierte die Festung am frühen Morgen aus dem Fenster, dann konnte ich mich noch ein bisschen hinlegen, im Nachhinein gesehen sollte das nur einer von fünf Tagen innerhalb von drei Wochen werden, an denen ich nicht zum Sonnenaufgang oder früher aufstand. Um 10 wurde Wäsche für mich geliefert, dann richtete ich mich langsam her.

    Vor dem Hotel fand ich ein Kamel und zwei kleine Jungs, während ich auf das Tuk Tuk zum Fort wartete.


    Durch staubige Straßen und enge Stadttore ging es hinauf in eine echt orientalisch anmutende Wüstenstadt. Allerdings ist es hier auch extrem touristisch, an jeder Ecke wird etwas vermarktet, überall gibt es Schilder zu "echten" italienischen Ristorantes, "Free Tibet" Restaurants und ähnlichem. Neben urig wirkenden Einheimischen trifft man häufig auf Touristen, auch zwei Wiener begegneten mir.
    Mehr über Jaisalmer hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Jaisalmer




    Panorama von einem der Bastions-Aussichtspunkte, der weiße Bereich rechts hinten ist der Bahnhof.


    Blick Richtung Bahnhof.



    Die typische Mauer-Bauart hier, wieder waren die Frauenkleider fantastisch farbenfroh.


    Burn your CD? ;)


    Wüstenblick.


    Einer der Jain Tempel in der Altstadt.


    Hier werden Tauben gehalten.


    An die allgegenwärtigen Hakenkreuze muss man sich erst einmal gewöhnen...


    Kommunikation.


    Kühe, überall in den Straßen.


    Herrlich dekorierte Altstadthäuser.


    Nachdem ich alle engen Gässlein mit Geschäften und Tempeln erkundet hatte, wartete ich am Aussichtspunkt auf den 14704 Lalgarh - JSM Express, der allerdings in der Planzeit plus dreißig Minuten nicht ankam. Trotzdem konnte ich eine rote WDM-2 und eine Personenzuggarnitur im Bahnhof fotografieren.


    Hoch über den Dächern der Stadt.


    Kolonnen von LKW, aber kein ankommender Zug.



    Am Stadttor.




    Auf der Straße vor meinem Hotel.


    Danach war es Zeit ins Hotel zurückzukehren und mein Gepäck abzuholen...

    Hallo!


    Der vorherige Teil der Reportagen:
    Indien 2012 - 6: Jodhpur - Die Blaue Stadt (50 B.)
    http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3195.0


    Das Video zum Bericht:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1


    7. 2. 2012


    Am Nachmittag ging es zum Sightseeing in Serpentinen hinauf zum beeindruckenden Mehrangarh Fort von Jodhpur.


    In der Ferne zu sehen war der Umaid-Bhavan-Palast, ein 1929-43 erbauter megalomanischer Prachtbau für den damaligen Maharadscha, das eines der größten privaten Gebäude der Welt sein soll:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Umaid-Bhavan-Palast


    Im Fort musste man nun zum exquisiten Palast aufsteigen, der sich wieder durch extrem feine Steinmetzarbeiten auszeichnete. Dazu war noch einiges der Innenausstattung der ehemaligen Rajputen-Herrscher erhalten, und man erhaschte immer wieder tolle Ausblicke auf die Umgebung mit Stadtmauer und den weiteren Sehenswürdigkeiten Jodhpurs. Die Besucher waren wieder bunt gemischt, einige der Leute in Wohlfahrtsuniformen sahen sich den Palast an, ebenso zwei ältere Japanerinnen, die mit drei Nikon-DSLRs und Riesenrohren ausgestattet waren, eine Dame trug eine Nikon-Jacke und hielt eine Canon-Jacke im Arm. Als ich sie danach fragte, konnte sie aber leider nicht genug Englisch.

    Mehr über eines der größten Forts Indiens hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Mehrangarh_Fort


    Blick auf die blauen Häuser der Altstadt.




    Die Aufpasser waren gezwungen, in historischen Kostümen zu erscheinen.




    Das wahnwitzig dekorierte Innere des Phool Mahal (= Blumenpalast) aus der ersten Hälfte des 18. Jhdts.




    Extrem detaillierte Fassaden.




    Meine Freunde, die Streifenhörnchen, waren auch wieder anwesend.


    Das Tor zur Stadt.




    Gleich in der Nähe die dritte Hauptsehenswürdigkeit Jodhpurs: das Jaswant Thada Mausoleum aus dem Jahr 1899.


    Der schöne Rundgang war nun zu Ende, und ich hatte keine Lust auf die chaotische Stadt. Auch wenn man merkt, dass in Rajasthan nicht ganz so viele Menschen leben, Jodhpur ist doch eine Millionenstadt. Beim Zurückfahren wurde ich noch abgezockt, die Fahrer am Berg nutzen es voll aus, dass man ohne sie feststeckt. Ein bisschen konnte ich dann doch Runterverhandeln, die Art hatte ich schon halbwegs draußen, einfach stur bleiben, dann klappt es schon. Man kann davon ausgehen, dass der Ausgangspreis ohnehin viel zu hoch ist. Am Weg zurück begegnete mir noch eine Pferdekutsche voller Schulkinder, in Raika Bag sah ich im Vorbeifahren eine Plasser&Theurer Maschine, dann zog ich mich zur Ruhe ins Hotel zurück, schließlich habe ich noch viele volle Tage auf der Reise vor mir.


    8. 2. 2012


    Heute war der große Wüstenreisetag der Rundfahrt, nicht nur das, ich würde den normalen, nur aus unreservierter 2. Klasse bestehenden Personenzug dafür nehmen. Solche Experimente sind in Indien nur ratsam, wenn man weiß, dass man in die einsamste Gegend des Landes fährt. Ich bestellte mir eine Stunde vor Abfahrt ein Tuk-Tuk zum Bahnhof, noch war jedoch der Jodhpur – Jaisalmer (sprich: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Jaisalmer.ogg ) Passenger nicht am angekündigten Bahnsteig abgestellt. Ich machte ein paar Aufnahmen von ein- und ausfahrenden Expresszügen und dem bunten Leben am Bahnsteig. Mitanzusehen, wie sich jemand an einer Lacke am Bahnsteig mit den Händen die Zähne reinigt, fällt allerdings schon schwer. Dann sah man wieder die menschliche Seite, als der Guard einen halb ausgefahrenen Express extra für eine alte Dame noch einmal anhielt, die es gerade nicht mehr geschafft hätte. Es wurde eine Expressgarnitur auf Bahnsteig 5 geschoben, ich fragte den Verschieber, der meinte, der Jaisalmer Passenger würde schon herkommen. Jetzt entdeckte ich die Garnitur auch schon zwischen zwei Bahnsteigen an der Anlage zum Wasserauffüllen. Einige Wagemutige gingen mit Sandalen durch die Kloake, die sich hier aus Wasser, Fäkalien, Spucke und Müll zwischen den Gleisen gebildet hatte, schon hinüber und stiegen ein. Ich wartete doch lieber und bestieg dann das letzte Abteil im hintersten Wagen. Dies stellte sich als goldrichtig heraus, denn so blieb ich im bevölkerungsreicheren Teil der Fahrt von den gröbsten Menschenmassen verschont, andererseits saß ich im letzten Drittel nach Fahrtrichtungswechsel in Pokaran direkt hinter der Lok, Abu Road WDM-2 16799. Neben mich setzte sich eine nette Familie mit zwei kleinen Jungen, der kleinere besonders süß. Wir starteten mit etwas Verspätung, in Raika Bag kreuzten wir den ersten WDG-4 bespannten Güterzug. Hier wusste ich, dass erst die richtigen Menschenmassen kommen würden. Tatsächlich, ab hier standen auch Leute am Gang. Ein Alter befehligte ein paar Leute herum, und schon saßen wir komplett mit einigen Kindern im 8+2er Abteil. Die Wagen sehen aus wie das älteste Material, es ist allerdings auf jedem das Baujahr aufgestempelt – meiner stammte von 2008! In Raika Bag zweigt die Strecke nach Jaisalmer ab, ab hier gibt es bis auf eine Station nur noch Formsignale und Zugabfertigung mittels Tokens.

    Die Morgenbilder aus Jodhpur waren schon im vorherigen Reportageteil zu sehen.


    Code
    54280 JU-JSM PASSENGER
    1	JU	Jodhpur Jn		08:30		NWR	0	1	 2	RKB	Rai Ka Bagh Palace08:36	08:37	1	NWR	2	1	 3	MMC	Mahamandir	08:49	08:50	1	NWR	4	1	 4	MDB	Mandor		09:00	09:01	1	NWR	10	1	 5	MMY	Marwar Mathaniya09:20	09:21	1	NWR	33	1	 6	TIW	Tivari		09:33	09:34	1	NWR	43	1	 7	OSN	Osiyan		09:53	09:54	1	NWR	64	1	 8	BKC	Bhikamkor	10:08	10:09	1	NWR	79	1	 9	SRK	Samrau		10:20	10:21	1	NWR	89	1	 10	MWT	Marwar Lohawat	10:38	10:39	1	NWR	108	1	 11	STSN	Shaitansinghanagar10:54	10:55	1	NWR	123	1	 12	PLC	Phalodi		11:37	11:42	5	NWR	137	1	 13	MBT	Marwar Bithri	11:54	11:55	1	NWR	147	1	 14	MKHR	Marwar Khara	12:10	12:11	1	NWR	162	1	 15	RDRA	Ramdevra	12:28	12:29	1	NWR	183	1	 16	POK	Pokaran		12:45	13:10	25	NWR	195	1	 17	AQG	Ashapura Gomat	13:16	13:17	1	NWR	199	1	 18	OCH	Odhaniya Chacha	13:33	13:34	1	NWR	216	1	 19	SBLT	Shribhadriya Lathi13:52	13:53	1	NWR	237	1	 20	JCH	Jetha Chandan	14:11	14:12	1	NWR	258	1	 21	THM	Thaiyat Hamira	14:32	14:33	1	NWR	282	1	 22	JSM	Jaisalmer	15:30	Last Stn	NWR	301	1



    Nun zeige ich noch ein paar Außenaufnahmen aus Raika Bag mit dem selben Zug am Vortag (7. 2. 2012), gezogen von Abu Road WDM-2 16825.

    Die Ärmsten verdienen ihren Lebensunterhalt durch Müllsammeln, Gleise sind hier besondere Fundgruben.


    Langsame Ausfahrt aus Raika Bag, in Indien wird selten gleich beschleunigt, da immer noch Leute auf- und abspringen.



    Erfahrenes Lokpersonal.


    Der letzte Waggon mit Guard in der Kurve 1 der Strecke nach Jaisalmer. Die Waggons haben übrigens auch etwas mit Europa gemeinsam, sie basieren auf einem Schlieren-Design - wenn man genauer schaut, sieht man die Ähnlichkeiten.


    Alle Bilder ab jetzt wurden mit der kleinen Powershot aufgenommen.

    Der liebe Kleinste der Mitreisenden.
    Jedes der Fenster besteht aus hochschiebbarem Glas, hochschiebbarer Sonnenblende und Diebstahlsicherheitsstangen, bis auf die Notausstiegsfenster.


    Im Waggon herrscht immer kühle, dunkle Stimmung, da die Fenster so tief angeordnet sind - essentiell für heißere Jahreszeiten.


    Jetzt war es mit dem Zuckeltempo aus, zwischen den Stationen nahm der Zug eine ordentliche Geschwindigkeit auf, nur in die und aus den Stationen wurde gezuckelt. Zumindest beim ersten Mal Befahren war die Strecke sehr interessant, wenn auch nur nahe Jodhpur ein bisschen hügelig. Außerhalb der Stadt fanden sich ebenfalls blau bemalte Dörfer. In Marwar Mathanya kam ordentlich Verspätung dazu, da wir eine Güterzugkreuzung abwarten mussten. Mit GM-Donner und Hupen fegte die BGKT WDG-4 mit einem enormen Zug durch die Station (siehe Video, Minute 20:50). Glücklicherweise waren die Diebstahlsicherheitsstangen in perfektem Abstand für meine kleine Kamera für Videos und gelegentliche Schnappschüsse. Während der Fahrt änderte sich der Charakter der Landschaft ständig, manchmal eher Steppe, manchmal fruchtbares Agrarland. Senffelder sah ich oft in Indien, auch hier. Die Menschen sind zum Teil exotischer gekleidet mit bunten Turbanen, zudem konnte das eine oder andere Kamel gesichtet werden. Ansonsten tat sich nicht so viel an exotischer Fauna, gelegentlich hüpften Antilopen durch die Gegend. Zwischen Dörfern mit niedrigen Häusern und Flachdächern fanden sich manchmal Rundhütten.




    Wir hatten durch die Kreuzung 30 Minuten Verspätung aufgerissen, doch Dank großzügiger Fahrzeiten kurz vor wichtigen Stationen kamen wir fast pünktlich gegen Mittag zum größten Unterwegsbahnhof, Phalodi Junction. Dies war der einzig modernisierte Bahnhof mit Mittelbahnsteigen und Lichtsignalen, sowie einer neuen abzweigenden Strecke nach Bikaner, die ich auf keiner Karte finden konnte. IRFCA-Freunde haben sie später besucht, an einer Stelle kommt man mit dem Zug direkt an Dünen vorbei: http://www.flickr.com/photos/shanx13…stream/lightbox

    Die brandneue WDP-4B 40074, noch ohne Schuppenbezeichnung, war mit dem Gegenzug 54819 JSM-JU Passenger unterwegs.



    Gleisarbeiter sind hier teilweise mit leuchtenden Turbanen und Goldohrringen bekleidet.


    Ein Blick zurück in die moderne Station.


    Nun war schon mehr Platz im Waggon.


    Der ältere Bursch der Familie.


    Immer wieder unterwegs sieht man natürlich Militärkonvois, denn für die indische Armee ist das eine der Hauptnachschubrouten. Jaisalmer liegt fast so weit von Jodhpur entfernt, wie von Karachi, indische Siedlungen gibt es westlich der Stadt praktisch keine mehr, nur Wüste und die pakistanische Grenze. Ramdevra war der Endpunkt für viele Reisende, so auch meine Familie, von hier kann ein Tempel erreicht werden. Ich war nun ungewohnt allein im Abteil, der Waggon ziemlich leer.



    Ramdevra.


    10 Plätze pro Abteil, geht ganz bequem, nur bleibt es oft nicht bei der Anzahl Leute.


    Oft in Indien gibt es diese mehr oder weniger kunstvollen Malereien für das Stille Örtchen an Bahnhöfen.


    Im Wagen sieht es so aus, mit zwei gegenüberliegenden WCs, in klimatisierten Waggons davon eines im "westlichen Stil" mit Schüssel, davor noch eine zusätzliche Waschgelegenheit. Die Ausstattung und Sauberkeit war generell in Ordnung, natürlich in höheren Klassen besser, da habe ich in Südosteuropa schon wesentlich Schlimmeres erlebt.


    In Pokaran wird der Zug über ein Gleisdreieck zum Kopfbahnhof geleitet, am anderen Ende des Dreiecks liegt die Station Ashapura Gomat, wo schon der 14073 Jaisalmer - Lalgarh (Bikaner) Express wartete, der Pokaran rechts liegen ließ. In Pokaran ist eine Armeebasis, ein Fort aus dem 14. Jhdt. und ein reger Güterumschlagsplatz, ersteres ist wohl Grund für die sehr nötige Umleitung in flacher Wüstenlandschaft. Die Lok BGKT WDM-2 16799 setzte nun vor meine Nase um, ich konnte ab jetzt den ALCO-Sound voll genießen.



    Sehr bekannt vorkommende Bahnübergangsverkehrszeichen, ich sah auch Exemplare mit dem Schrankenabbild im Dreieck.


    Geschäftiges Treiben auf Schiene und Straße (oder was sich als solche ausgab...)


    Wir kamen vorerst nur bis zum mit Formsignalen gespickten Ashapura Gomat, hier blieb der Zug fast eine Stunde stehen, um eine Kreuzung mit einem Güterzug abzuwarten. Wieso genau hier, bleibt wohl ein Rätsel, denn die nicht weit entfernten Nachbarstationen boten genug Platz zum Kreuzen, allerdings stand in der nächsten ein Militärzug, vielleicht wurde so etwas blockiert.



    Ich hatte schon befürchtet, dass es ein Problem mit dem Zug gab, denn es gab keine Anzeichen, dass sich etwas tun würde. Ein netter Eisenbahner, der mich wohl fotografieren gesehen hatte, machte mich aufmerksam, dass der Gegenzug jetzt kam. Was jetzt folgte war die perfekte Wüstendieselszene, der durchrasende Güterzug mit aufgewirbeltem Staub, Luftflimmern und sieben Formsignalen im Bild.



    Katni WDG-3A 14594 mit dem ultimativen Wüsten-Güterzug.


    Dafür zahlte es sich aus zu Warten, und die Lokmannschaft gab nun entsprechend Stoff, was in passendem ALCO-Konzert resultierte (siehe Video).

    Endlich ging es wieder voran, natürlich immer mit Token-Übergabe, wie hier, in der nächsten Station Odhaniya Chacha.


    Begegnung mit der als Lokzug Richtung Osten verkehrenden Abu Road WDM-2 16840 in Shribhadriya Lathi.


    So sieht die Wüste Thar großteils aus, es existieren nur vereinzelt Sanddünen, der Rest besteht aus sandiger Fläche mit trockener Vegetation.


    Im nächsten Teil widmen wir uns dem Wüstentraum Jaisalmer! :)

    Hallo!


    Der vorherige Teil der Reportagen:
    Indien 2012 - 5: Der aktuelle Glanz von Agra Fort (50 B.)
    http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3191.0


    Das Video zum Bericht:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1


    7. 2. 2012


    Code
    12307 HWH JU EXPRESS
    
    
    ...	 18	AF	Agra Fort	19:50	20:10	20	NCR	1260	2	 19	AH	Achhnera Jn	20:40	20:42	2	NCR	1286	2	 20	BTE	Bharatpur	21:14	21:16	2	WCR	1314	2	 21	JP	Jaipur Jn	00:05	00:15	10	NWR	1501	3	 22	KMNC	Kuchaman City	01:48	01:49	1	NWR	1606	3	 23	MKN	Makrana Jn	02:05	02:06	1	NWR	1620	3	 24	DNA	Degana Jn	02:55	02:56	1	NWR	1664	3	 25	MTD	Merta Road Jn	03:32	04:00	28	NWR	1709	3	 26	JU	Jodhpur Jn	06:00	Last Stn	NWR	1813	3


    Ich kam im Dunkeln überpünktlich in Jodhpur an, darum ein paar Bilder des nächsten Morgens (8. 2. 2012) vom Hauptbahnhof der Millionstadt, der zweitgrößten Rajasthans - genannt die Blaue Stadt. Diese Fotos wurden mit der kleinen Powershot aufgenommen, da ich gleichzeitig filmte.


    Die an die London Tube erinnernden alten Bahnhofsschilder.


    Eine WDM-2, die indische Diesellok schlechthin, ab 1962 wurden und werden diese von den Diesel Loco Works in Varanasi stetig verbesserten, aber doch noch auf 50er Jahre Technologie basierenden ALCO-Derivate in Stückzahlen von mehreren tausend gebaut. 16792 vom Lokschuppen Abu Road fuhr gerade mit ihrem Express aus.


    Erst 1999 (WDG-4, GT46MAC) und 2001 in der Passagierversion (WDP-4, GT46PAC) trafen komplett neue Modelle von der damaligen GM EMD ein. Wieder werden sie massenweise produziert, im Lokschuppen Bhagat Ki Kothi (BGKT), nur eine Station südwärts im Stadtgebiet Jodhpurs gelegen, ist bereits eine mächtige Flotte beheimatet, wie man an dieser Parade sieht. 40038 kennen wir bereits aus Agra Fort - so klein... äh groß ist Indien! ;)


    So weiß man, dass man im richtigen Zug ist: auf jedem Fernreisewagen werden Passagierlisten angeheftet, es lässt sich natürlich auch alles im Internet abfragen.



    Der Express hatte den Bahnsteig verlassen, die beräderten Händler konnten nun weiterziehen.


    Sleeper-Wagen S2 des etwa 2 Stunden verspäteten 19224 Jammu Tawi - Ahmedabad Express, an den ersten zwei Ziffern der Wagennummer erkennt man, dass dieser 2003 in Dienst gestellt wurde.


    Aus dem Jahr 1990 stammten diese auf Breitspur transportierten Waggons, neu aufgearbeitet für die leider im Aussterben begriffene Meterspur.


    Im Freien Zähneputzen ist - von mir so beobachtet - ein Hobby der Inder, mir als altem Beim-Zähneputzen-Spaziergänger konnte das nur Recht sein!


    Nun verlassen wir aber den morgendlichen Hauptbahnhof und widmen uns wieder dem 7. 2. 2012.


    In Jodhpur angekommen nahm ich gleich ein Tuk-Tuk durch die nächtliche Kälte Rajasthans, der Fahrer war tief eingepackt. Vor dem Hotel mit Garten angekommen, sah ich im Gebäude zunächst niemanden und musste vor verriegeltem Tor warten. Nach kurzer Zeit entdeckte mich dennoch jemand, und ich konnte sogar schon mein Zimmer beziehen. Dieses war in diesem „Heritage“ Hotel außerordentlich groß und in typischem Stil geschmückt. Natürlich nicht alles ganz frisch renoviert, aber es kostete nur 1000 Rupien pro Nacht. Ich legte mich noch ein bisschen hin und machte mich dann auf den Weg zur ersten Station innerhalb Jodhpurs, Raika Bag Palace Junction. Hier zweigt die Strecke nach Jaisalmer in die Wüste Thar von der nach Bikaner ab. Auf dem Weg dahin wurde mein Tuk-Tuk von einer Wohlfahrts-Straßenkehr-Kampagne aufgehalten, zu der Leute in Busladungen herangekarrt wurden. Ich ging in die Station, und sah gleich, ausgezeichnet, die Formsignale sind noch alle da – und nicht zu wenige. Ich schaute schnell zum Station Manager, holte mir mit meiner Fotogenehmigung das OK, da rollte schon der erste Personenzug mit WDM-2 ein. Noch herrschte leichter Hochnebel, der sich allerdings bald auflöste - versprochen, die restlichen 2 1/2 Wochen der Reise wird der Blick auf die Sonne nie wieder blockiert werden!


    Die erneuerte WDM-3A 16485 aus Itarsi war weit entfernt ihrer Heimat, und das nicht ohne Grund, zog sie doch mit dem 54812 Jodhpur - Bhopal Passenger einen Regionalzug, der 993 km Laufstrecke in 26:45 Stunden bewältigen würde.
    Ursprünglich war die Umbau-Reihe nicht WDM-3A sondern WDM-2C benannt, doch man entschloss sich in der Klassifizierung die Pferdestärken zu berücksichtigen (WDM-2: 2600, WDM-3A: 3100).


    Freie Fahrt geradeaus auf die Hauptstrecke, nach links abzweigend ging es Richtung Jaisalmer.



    Der 19224 Jammu Tawi - Ahmedabad Express wurde an diesem Tag von Abu Road WDM-2A ("A" - nachträglich mit Druckluftbremse ausgestattet) 16582 gezogen und hielt auch hier, quasi im "Hütteldorf" Jodhpurs, mit etwa 2 1/2 Stunden Verspätung. Überhaupt wird man in Indien immer wieder von uneingeplanten Zügen überrascht, zum späteren Nachvollziehen ist immer ein Fotografieren der Zuglaufschilder ratsam.



    Bald darauf rollten einige Express- und Personenzüge ein, darunter auch der Jodhpur – Jaisalmer Passenger, den ich am nächsten Tag nehmen würde. Mehr von dem Zug aber im folgenden Teil.



    Hier gab es auf jeden Fall schon einmal sehr viel Blau in der Blauen Stadt!


    Das einzige Mal auf der ganzen Reise, dass ich von Frauen um ein Foto gebeten wurde...


    Die Reisenden des Morgenschnellzugs, auch eine Kuh komplettierte nun die Szenerie.


    Im Hintergrund fuhr BGKT WDG-4 12305 mit einem Güterzug ein und kam zum Stehen.


    Es folgte der 22482 Delhi Sarai Rohilla - Jodhpur Superfast, gezogen von BGKT WDM-3A 16003.
    Im Jahr 2010 wurden die klassischen 4-stelligen Zugnummern auf ein 5-stelliges System umgestellt. Dabei bedeuten die ersten Stellen zum Beispiel folgendes: 1 - Fernreisezug, 2 - ebenfalls Express, falls die 1er ausgehen, 5 - Regionalzug, 6 - Mainline EMU, 9 - Mumbai Vorortzüge.


    Das Vorsignal war bei Durchfahrt des Superfast noch nicht gezogen, dann war es soweit, der Zug rollte noch, der Lokführer freute sich - doch plötzlich: Ratsch! Es hatte ein ungeduldiger Einwohner von Hütteldorf... äh Raika Bag die Notbremse gezogen und einen Impromptu-Vororthalt erzwungen. Das Angebot, sich die paar Kilometer zum Hauptbahnhof und zurück zu sparen nahm eine ganze Menschenmenge dankbar an - am Durchfahrtsgleis!


    Endlich konnte die ALCO wieder dunklen Rauch spuckend beschleunigen.


    Ein paar Spätentschlossene sprangen noch im letzten Moment ab.


    Exotische Vögel - Fehlanzeige.



    Es wird fleißig gebaut, dies ist die WDG-4 mit Seriennummer 292, und bei weitem nicht die neueste.


    Aus der anderen Richtung näherte sich BGKT WDG-4 12474 mit einer Ladung wohlbekannter, globalisierter Container.


    WDG-4-Treffen mit Hapag-Lloyd.


    Natürlich fuhr der jetzt Sicht-blockierte Zug unter mir von andernorts wohlbekanntem GM-Brüllen - wenn auch etwas modernerer Motor - aus.


    Hmmm, ziemlich viel Blau hier - ob es sich deshalb Blaue Stadt nennt?


    Zuletzt schaute ich noch einmal beim Vorstand vorbei. Er wollte eine Kopie von der Genehmigung haben, dann schenkte ich ihm ein Foto von einem ÖBB-Fahrdienstleiter. Natürlich mussten anschließend auch alle Jungs posieren, teils in fiktiver Action. Der Vorstand packte extra die Krawatte aus.


    Man beachte den "Industrial Computer".



    Ich begab mich nun wieder zum Hauptbahnhof um mir noch eine letzte Reservierung zu holen. Mittlerweile hatte ich per E-Mail sämtliche Indrail Pass Reservierungsdaten zugeschickt bekommen, so dass ich ab nun auf jegliches Anstellen an Schaltern verzichten konnte.
    Vor dem Bahnhof konnte ich dieses ausgestellte Schmuckstück bewundern, die Schmalspurdampflok ZB 120. Das einzige Problem war, dass sie absolut nichts mit Jodhpur zu tun hatte, da es hier keine 760 mm Schmalspurbahn gab.


    760 mm? Das erinnert uns doch an etwas... Tatsächlich!
    Leider haben sich bei der Renovierung der Lok durch Bhagat Ki Kothi ein paar Fehler eingeschlichen, genauer gesagt wurde nur das Wort "Brod" richtig geschrieben... ;)


    Am Bahnhof wurde ein kleines Vormittagspäuschen eingehalten.


    Geschäftiges Treiben an der südwestlichen Bahnhofsausfahrt.


    Der Uhrturm des Bahnhofs wurde überragt vom mächtigen Meherangarh Fort, welches wir später besuchen werden.


    Blau herrscht hier eindeutig vor!



    Nun wurde weitergekehrt...



    BGKT WDM-2 17725 beim Verschub in der Abstellgruppe. An den Dächern kann man eindeutig die Waggons mit Klimaanlage erkennen.


    Deswegen nennen wir IR-Fans Jodhpur die Blaue Stadt!
    OK, ein militärischer AC2-Wagen ist auch dabei...


    Bis Mittag ruhte ich mich wieder aus. Zu Mittag nahm ich im Hotel eine Mahlzeit ein, Chicken Curry bestehend aus ganzen Hühnerstücken mit Haut, war wirklich ausgezeichnet, und das obwohl sie extra für mich die Küche in Gang bringen mussten.


    Am Nachmittag wartete das Fort schon auf mich, doch zuerst musste das Tuk-Tuk leicht repariert werden. Der Motor befand sich übrigens direkt unter dem Fahrersitz, wohl, damit man ein Überhitzen sofort erfühlen kann...


    Auf dem Weg durch die extrem geschäftige Stadt.


    Auf Serpentinen ging es steil zum Fort hinauf, das Tuk-Tuk musste kämpfen, aber es ging!


    Die typischen Stadthäuser.


    OK, oben angekommen muss ich zugeben: Die Altstadt von Jodhpur wurde tatsächlich blau gestrichen. Ursprünglich durften dies nur Brachmanen, doch mittlerweile tun es viele Besitzer der als Havelis bekannten Altbauten.


    Im nächsten Teil erforschen wir den atemberaubenden Palast, anschließend geht es auf Zugfahrt in die Wüste!

    Hallo!


    Der vorherige Teil der Reportagen:
    Indien 2012 - 4: Der vergangene Glanz von Agra Fort (50 B.)
    http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3189.0


    Das Video zum Bericht:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1


    Vor dem Ausgang des Taj ließ ich mich von einem Jungen für 50 Rupien zu einem Fahrrad-Rikscha überreden, diese Erfahrung musste ja einmal gemacht werden. Bergab ging es sehr flott, hinauf musste er jedoch schon gelegentlich kämpfen. Irgendwie fühlt man sich dann auch nicht sehr wohl und würde sich zumindest ein Tandem wünschen. Doch wir kamen gut zum Eingang des Fort, wo sich wieder einmal alle zu einem Security-Check anstellen mussten. Drinnen setzte ich mich kurz zu einem Snack in den Schatten und wurde gleich von ein paar sehr aufdringlichen Hörnchen attackiert. Fotografieren ließen sie sich jedoch kaum. Dann machte ich mich auf in den großen Komplex, der in einige unterschiedliche Paläste unterteilt wird. Dies ist auch nur ein Bruchteil des gesamten Areals, da der Rest von der indischen Armee genutzt wird. Der nördlichste Palast ist der weiße Khas Mahal, die ehemaligen Privatgemächer der Moguln, wo ich mich durch die öffentliche Audienzhalle mit Doppelsäulenreihen gleich zum Aussichtspunkt auf den Fluss begab.
    Mehr Details über das Fort gibt es hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Agra_Fort


    Der "Fischpalast", eigentlich nur ein Hof, in dessen Mitte einst ein Fischteich angelegt war, rechts an der Terrasse die private Audienzhalle (Diwan-i-Khas).


    Ahhhh, Indien!


    Kontraste.


    Hier sammelten sich Halsbandsittiche in rauhen Mengen.


    Crosstown Traffic I


    Crosstown Traffic II


    Von hier aus waren zwei Eisenbahnbrücken auf einmal zu sehen, die nähere bei Agra Fort Station, die dahinter bei Agra City, beide Strecken treffen am anderen Ufer gleich in der Yamuna Bridge Station zusammen. In der anderen Richtung der Flussbiegung leuchtete das Taj Mahal weiß in der Ferne. Leider herrschte um die Tageszeit sehr wenig Verkehr, ich erwischte nur einen Güterzug gezogen von einer WAG-7 auf der vorderen Brücke, und einen neueren 12-teiligen Triebwagen auf der dahinter.

    Mughalsarai WAG-7 mit BCN (gedeckten) Wagen verlässt Agra Fort Station, dahinter der 64956 Tundla - Agra Cantt MEMU (Mainline EMU = Hauptstrecken-E-Triebwagen), welcher gleich Agra City erreichen wird.


    Das Panorama, rechts der achteckige Aussichtsturm. In einem Verließ darunter ließ Mogulherrscher Aurangzeb seinen Vater Shah Jahan bis zu seinem Tod einsperren - Grund: Geldverschwendung durch Bau von Taj und anderen Extravaganzen... tja, das kommt einem ja gar nicht so unaktuell vor.
    Für die Prominentenbank links wurde ein eigener Aufpasser eingeteilt, damit sich ja niemand auf den Teil jenseits des Geländers setzte - was genau alle fünf Minuten vorkam.


    Danach erkundete ich den marmornen Palast und den roten Jehangiri Mahal daneben näher, es gefiel mir hier außerordentlich gut, überall feinste Formen in Reinkultur, dazwischen tolle Ausblicke auf Fluss und Taj. Die Besucher reichten von ostdeutschen Touristen bis zu buddhistischen Mönchen und sorgten für einen farbenfrohen Mix.



    Blick auf das Taj an den fantastischen Pietra dura vorbei.



    Überall die geniale Formenvielfalt.


    Noch ein Blick auf den achteckigen Turm mit Zug.


    Auch hier, in diesem herrlich luftigen, schattigen Morgenlandtraum noch einmal der Zug (links) mit Taj (rechts).


    Im roten Palast Jehangirs.



    Besucher aller Herren Länder und Spezies.



    Beim Ausgang ließen sich dann doch einmal die wilden Hörnchen ablichten.


    Als nächstes nahm ich nun wieder den ohne meinen Wunsch auf mich wartenden Rikscha-Jungen für den kurzen Weg bis zur Agra Fort Station. Nun hatte er noch schwerer zu kämpfen und musste im Stau einen Meter hinter einem Bus her bergaufschieben. Dafür gab ich ihm noch hundert Rupien, zumindest zur eigenen Gewissensberuhigung.

    Das Empfangsgebäude des Bahnhofs, im Red Fort-Design gehalten.


    Street und Lok.



    Auch eine mächtige WDP-4 (GM EMD GT46PAC) wartete nun, Bhagat Ki Kothi (BGKT) 20099, die mir heute noch mehr Freude bereiten sollte. Diese moderne Loktype gehört zwar nicht zu den hübschesten, aber die rohe Power ist kaum mit einem alten Herren vergleichbar.


    Auf der Brücke neben mir kam nichts, das machte aber auch wenig aus, da so das beleuchtete Stahlwerk besser zur Geltung kam. Es wurde mir schnell wieder sehr unangenehm, es kühlte im Schatten bei Wind empfindlich ab und das Flussbett um mich war extrem verdreckt. Letztendlich kamen noch irgendwelche Jungen, die für Fotos "Black Money" wollten - tja, wenn ich da an die tollen Landmenschen denke!

    Endlich hatte ich den echten Taj-Blick, der mir in der Früh verwehrt geblieben war.


    Auch wenn kein Zug fuhr, die Brücke wurde von Pendlern bestens genutzt.



    In der Trockenzeit entstehen zwischen den letzten Wasserreserven eigene Siedlungen.



    Der Triebwagen kehrte als 64160 Agra Cantt - Etawah MEMU zurück, im Flussbett rechts wurde inzwischen der Nationalsport - Cricket - betrieben.


    Das Taj Panorama - mit Zug!



    Nun wurde es zu unwirtlich und ich ging über die Station zurück. Dort wütete gerade ein Affe und brachte einen Strommasten nach dem anderen zum Wanken.



    Mit dem Sonnenuntergang konnte ich noch ein bisschen die Stimmung der neuen/alten Agra Fort Station einfangen.

    Es war eine WAM-4 vor der WAP-1 abgestellt worden.


    In der Station bemühte ich gar nicht meine Fotogenehmigung, sondern fragte einen herumstehenden Fahrdienstleiter, ob ich das fotografieren könne, er meinte: "Ja, klar!" - das ist der Vorteil von Touristenstädten!


    Die aktuelle Halle, ausgestattet mit LCD-Informationsdisplays. Ich sah schon, dass mein Zug recht pünktlich sein würde.


    Nun konnte man auch die Jama Masjid herrlich mit Sonnenuntergang ablichten.



    Ein Dieseltriebwagen mit aerodynamischer Schnauze Marke Eigenbau fuhr aus, fotografiert von der Fußgängerbrücke.



    Ein weiteres Fahrzeug wäre mir nun recht - und da kam auch schon die gute WDP-4 20099 durch den alten Teil daher. Hier sieht man noch besser, wie das Fort architektonisch nachgeahmt wurde, dadurch passt der Bahnhof perfekt in die Umgebung zwischen Moschee und Festung.


    Das fast 20 m lange Monster rollte mit typischem EMD-Grummeln unter mir durch.


    Vielleicht hätte ich doch das Hotel rechts nehmen sollen, hier gab es Ziegenhaltung am Dach... ;)


    Danach setzte ich mich in der Wartezeit auf meinen Howrah (Kalkutta) – Jodhpur Express noch in die Hotellobby. Ich hatte vorher schon an der Station gesehen, dass der Zug pünktlich sein sollte, also verließ ich gegen sieben das Hotel um durch die dunkle Hinterallee, in der gerade die indische Post verladen wurde, zur Station zu gelangen. Dazu gehörte offensichtlich auch einen Teich voller Wasser zu schaffen, durch den ich aber Dank neuer Trekking-Schuhe trockenen Fußes waten konnte.

    Nun stand die WDP-4 vor dem Dieseltriebwagen am Abstellgleis.


    Herrliche Beleuchtung am Bahnsteig, noch war alles relativ pünktlich angezeigt, aber ich machte die Erfahrung, dass sich die Displays in Echtzeit nach hinten verschieben konnten.



    Hier lässt man für wenige Rupien andere tragen, ich machte mit meinem Rucksack jedoch nie von den Gepäckträgern in roten Hemden Gebrauch.


    Zwei Herrschaften am Bahnsteig vor der beleuchteten Freitagsmoschee.


    Ich fotografierte noch kurz, als der Ajmer – Sealdah (Kalkutta) Express mit einem weiteren WDP-4–Ungetüm am Bahnsteig 2 eindonnerte.

    12988 Ajmer - Sealdah Express gezogen von BGKT WDP-4B 40038. Auch diese Maschine würden wir noch wiedersehen, der Heimatschuppen Bagat Ki Kothi liegt ja in meinem nächsten Ziel, Jodhpur.




    Mein Express von Howrah nach Jodhpur, Agra Fort lag schon auf Kilometer 1260 der Fahrt.

    Code
    12307 HWH JU EXPRESS
    
    
    1	HWH	Howrah	First St	23:30		ER	0	1	 2	BWN	Barddhaman	00:36	00:38	2	ER	95	2	 3	ASN	Asansol Jn	02:06	02:10	4	ER	200	2	 4	DHN	Dhanbad Jn	03:05	03:15	10	ECR	259	2	 5	PNME	Parasnath	03:52	03:53	1	ECR	306	2	 6	KQR	Koderma		04:47	04:48	1	ECR	382	2	 7	GAYA	Gaya Jn		06:15	06:20	5	ECR	458	2	 8	AUBR	Anugrah Narayan 07:08	07:09	1	ECR	526	2	 9	DOS	Dehri On Son	07:26	07:28	2	ECR	543	2	 10	SSM	Sasaram		07:41	07:42	1	ECR	561	2	 11	BBU	Bhabua Road	08:14	08:15	1	ECR	608	2	 12	MGS	Mughal Sarai Jn	09:35	09:55	20	ECR	661	2	 13	MZP	Mirzapur	10:44	10:45	1	NCR	724	2	 14	ALD	Allahabad Jn	12:10	12:15	5	NCR	813	2	 15	FTP	Fatehpur	13:29	13:30	1	NCR	930	2	 16	CNB	Kanpur Central 	14:45	15:00	15	NCR	1008	2	 17	ETW	Etawah		16:37	16:38	1	NCR	1146	2	 18	AF	Agra Fort	19:50	20:10	20	NCR	1260	2	 19	AH	Achhnera Jn	20:40	20:42	2	NCR	1286	2	 20	BTE	Bharatpur	21:14	21:16	2	WCR	1314	2	 21	JP	Jaipur Jn	00:05	00:15	10	NWR	1501	3	 22	KMNC	Kuchaman City	01:48	01:49	1	NWR	1606	3	 23	MKN	Makrana Jn	02:05	02:06	1	NWR	1620	3	 24	DNA	Degana Jn	02:55	02:56	1	NWR	1664	3	 25	MTD	Merta Road Jn	03:32	04:00	28	NWR	1709	3	 26	JU	Jodhpur Jn	06:00	Last Stn	NWR	1813	3


    Mein Zug wurde jetzt an Bahnsteig 1 mit etwas Verspätung angezeigt, so dass der Bahnsteig des seit Kalkutta - mehr als 1000 Kilometer - praktisch parallel verkehrenden 12987 Sealdah – Ajmer Express auf Gleis 2 verlegt wurde. Endlich kam mein Zug mit Howrah Shed WAP-4 22288 eingefahren, ich wartete schon in richtiger Position am Bahnsteig, die über Displays für jeden Wagen mit Nummer angezeigt wird. Ich konnte es zwar nicht sehen, vermute aber, dass ab hier die gute alte WDP-4 20099 bis in ihre Heimat übernahm, da nun die Elektrifizierung endete. Im 2AC Wagen A1 hatte ich Platz 7, eigentlich ein Fensterplatz, aber ich wurde gebeten ein oberes Bett einzutauschen, was mir recht war um mehr Ruhe zu haben. Neben mir auf der anderen oberen Liege reiste ein junger ostasiatischer Tourist, der die ganze Zeit mit seinem Laptop Fotos durchschaute. Viel Ruhe hatte ich dann letztendlich nicht, bis um Mitternacht ging nun einmal gar nichts, da hier Jaipur erreicht wurde. Danach hatte man nur noch bis 6 in der Früh Zeit, ein paar Leute, die sich unbedingt weiterunterhalten mussten und ein Extremschnarcher gleich nebenan ließen wenig Ruhe aufkommen, ein bisschen Schlaf gelang dennoch.

    Hallo!


    Der vorherige Teil der Reportagen:
    Indien 2012 - 3: Gwalior - Staub und Silber auf schmaler Spur (50 B.)
    http://www.mstsforum.info/index.php?topic=3182.0


    Das Video zum Bericht:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ln9ntoVBVts&hd=1


    6. 2. 2012

    Ein trüber Morgen in Agra, wie ich es befürchtet hatte gibt es in der Ganges-Ebene meistens Morgennebel im Winter. Agra liegt am zweiten großen Fluss, dem Yamuna, bei der Brücke von Agra Fort über diesen wollte ich eine Morgensession einlegen, denn von hier sieht man das Taj Mahal – bei Schönwetter. Die Straße war glücklicherweise noch nicht ganz so belebt, so kam ich schnell durch. Doch das Ufer des Flusses, oder besser gesagt das vertrocknete Flussbett, erwies sich als äußerst unangenehm. Nicht nur war es durch den Nebel und Wind schweinekalt, hier leben auch einige der ärmsten Menschen. Auch wenn kaum jemand unterwegs war, die Umgebung war sehr verschmutzt, und es stieg einem der beißende Geruch verbrennenden Plastiks in die Nase, mit dem sich viele Menschen hier warmhalten müssen. Glücklicherweise kamen binnen kurzer Zeit drei Züge, zwei Schnellzüge mit WAP4 und eine WDG mit Güterzug. Dann entdeckte ich eine Gestalt in der Nähe herumlungern, doch die hatte eine Nikon D300 umhängen und erwies sich als indischer Fotograf, der ebenfalls vergeblich auf den Sonnenaufgang mit Taj Mahal wartete.


    Eine aus Agra Fort ausfahrende WAP-4 durchdringt mit ihrem Scheinwerferstrahl die Dunkelheit und überquert mit dem 12308 Jodhpur - Howrah (Kalkutta) Superfast den Fluss Yamuna. Den Gegenzug würde ich am selben Abend nehmen.


    In der Gegenrichtung folgte der verspätete 19040 Avadh Express (Muzaffarpur (Bundesstaat Bihar) - Bandra (Mumbai)). Hier eine virtuelle Simulation, wie es hätte aussehen können, natürlich mit Sonnenaufgang noch viel besser.


    Ich hatte jetzt genug und schaute nun zur Station, um die Platznummer für den Abend bis Jodhpur zu holen. Unterwegs nahm ich noch den indischen Weg in die Station rein und konnte ein paar Impressionen festhalten.

    Mughalsarai WAP-4 22276 neben einem absoluten Klassiker, Ghaziabad WAP-1 22033!



    Um die Gepäckwagen des Avadh Express herrschte viel Betrieb.


    Blick in den Nebel mit roten Signalen, links eine abgestellte WAM-4, davor eine WAP-4.



    Mughalsarai WAM-4 21283 vor der WAP-1.





    Der Mann hinter dem Schalter am Booking Center wusste endlich einmal, was zu tun war, tippte nur meinen Namen ein, und schon war die Platznummer wundersam da. Ein paar polnische Jugendliche waren nicht so glücklich und nur noch entnervt, allerdings kein Wunder, wenn man in Indien für den selben Tag einen Zug buchen will. Erleichtert nahm ich nun den Weg durch die Station zurück zum Hotel. Eine Überführung überspannt die neuere Halle, doch es gibt noch eine danebenliegende zweite Hälfte der Station. Diese ist praktisch von Meterspurzeiten so stehengelassen worden, nur zwei Breitspur-Abstellgleise sind hier verlegt. In der düsteren Stimmung konnte ich ein paar Eindrücke der alten Agra Fort Station aufnehmen.



    Hier gab es auch endlich Affen, ein paar turnten herum, aber eine zusammengekauerte Familie zeigte sehr menschliche Züge und man sah, dass es auch Affen dreckig gehen kann.







    Die ehemaligen Bahnsteige dienen nun als Turngelände.


    Im Hintergrund schien die imposante Jama Masjid (Freitagsmoschee) durch den Nebel, wie das Taj Mahal durch Shah Jahan im 17. Jhdt. erbaut.



    Eine Digitalanzeige wurde bei diesem Eingang angebracht, ansonsten wird hier nur der Treppenaufgang zur Fußgängerbrücke aktuell genutzt.


    Wieder meine Lieblinge, auf Wände gemalte obsolete Werbungen!



    Ich machte mich auf den Weg ins Hotel, wo ich die Check-Out Zeit bis 12 Mittag noch zum Ausruhen nutzte.

    In der Straße vor meinem Hotel, viele Kinder auf dem Weg zur Schule.


    Ich hinterließ meinen großen Rucksack im Hotel und ging wieder hinüber zur Station.

    Straßenhändler bei Sonnenschein.



    Die imposanten Details der Jama Masjid.


    In der modernen Station Agra Fort: LCD-Monitor mit Windows-Fehlermeldung in Indien! ;)


    Die Sonne war nun voll herausgekommen, und ich bekam schnell ein Tuk-Tuk für 50 Rupien bis zum Taxiparkplatz am südlichen Eingang vom Taj Mahal Areal. Von hier kann man entweder gehen oder mit unmotorisierten Fortbewegungsmitteln bis hin zur Kamelkutsche geführt werden. Ich marschierte, es war auch nicht weit.

    Affen kreuzen!


    Am tatsächlichen Eingang wird man auf allerlei Verbote aufmerksam gemacht. So darf man nichts zu Essen oder Trinken, selbst keinen Kaugummi mit hineinnehmen. An Elektronik ist nur eine Kamera und ein Handy erlaubt. Falls man anderes dabeihat, muss man es in einem Schließfach abgeben, oder es wird von einem Securitytypen aus dem Gepäck entfernt, wie ich es dann drinnen bei anderen Touristen sehen konnte. Die Ausländerkarte kostet geschmalzene 750 Rupien und inkludiert eigenes Trinkwasser, das man reinnehmen darf und eine Schuhabdeckung für das Innere des Mausoleums, schließlich ist das hier nicht nur ein indisches Nationalgut und Weltwunder, sondern auch eine muslimische Pilgerstätte. Am Schalter vor mir kaufte ein Herr aus Afghanistan seine Karte. Indische Männer und Frauen sind sowohl an den Schaltern als auch in der Warteschlange streng getrennt. Zwischen den beiden Reihen führt die freie Bahn für ausländische Touristen, und nein, man braucht dafür keinen Führer, wenn einem jemand diesen Unsinn aufdrücken will. Man kommt nun auf den beeindruckenden Vorplatz, der wie alles um das Taj symmetrisch aufgebaut ist. Jedes der vier Tore ist für eine andere Klasse von Leuten bestimmt. Das zum Taj Mahal führende Große Tor weist einige optische Spitzfindigkeiten auf, so sind die Koranzeilen so geschrieben, dass sie auch perspektivisch gesehen von oben bis unten gleich groß aussehen. Weiterführende allgemeine Informationen über das Taj gibt es überall im Web zuhauf.

    Das Große Tor, nicht nur hier gibt es viele optische Illusionen.



    Schulkinder vor dem Großen Tor, dahinter leuchtet schon das Taj Mahal durch.





    Nun tritt man durch zu den berühmten Blick auf das Taj, das zwar farblich unter der Luftverschmutzung gelitten hat, aber dennoch noch extrem beeindruckend ist. Es macht irgendwie den Eindruck eines außerirdischen Objektes und lässt sich aus keiner Entfernung richtig greifen. Selbst aus Kilometern leuchtet es einem noch entgegen. Und es ist groß, größer als es auf Bildern aussieht. Die Türme um das Taj herum sind übrigens nach außen neigend gebaut, um etwaige Erdbebenschäden zu verhindern.



    Man nähert sich dem Taj in der Masse, manchmal gibt es aber auch ein paar Lücken. Wobei ich nichts gegen Menschen einzuwenden habe, da in Indien ja vor allem Fraun, selbst die ärmsten, derart farbenfroh angezogen sind, dass sie jedes Bild zum Leuchten bringen. Vor dem grellen Ton des Taj schienen die Farben natürlich besonders gut hervor.






    Dunkel links die Moschee, rechts weiß das Taj.





    Nach Anziehen der Schuhabdeckungen ging es ins Innere des Mausoleums, das eher Dunkel ist und nur durch ein Licht beschienen wird. Die ausgestellten Gräber sind Duplikate, nur der Marmorschirm drum herum ist eine beeindruckende Erscheinung, wie viele Steinarbeiten an der Außenfassade es Taj.




    Hinter dem Gebäude führt eine luftige Terrasse zum Yamuna hinaus, von hier aus ist auch das Fort zu sehen, meine nächste Station.



    Blick Richtung Rotes Fort, rechts hinter den Rinderherden ist die Brücke, die ich an dem Morgen besucht hatte, zu sehen.


    Es wird streng bewacht - zurück Richtung Großes Tor.


    Ein letzter Blick auf das Taj.


    Im nächsten Teil geht es weiter mit der auch heute noch glorreichen Seite von Agra Fort!